Protokoll zum Workshop 2: Öffentlichkeitsarbeit im Fledermausschutz

21 Mai, 2001

(anläßlich der 5. Fachtagung der BAG Fledermausschutz vom 18. bis 20.5.2001 in Prenzlau/Uckermark -Leitung: Wolfgang Rackow)

Frau Boye vom EUROBATS Secretariat Bonn stellte i.V. von Markus Dietz, Gießen, zu Beginn die Projekt- und Unterrichtsmappe „Fledermäusen auf der Spur“ und das „Baubuch Fledermäuse“ vor. Beide Ordner entstanden im Rahmen des E&E-Vorhabens zur Erstellung eines Quartierverbundes für gebäudebewohnende Fledermausarten durch Sicherung und Ergänzung des bestehenden Quartierangebots an und in Gebäuden, das im Auftrag des Bundesamtes für Naturschutz vom Arbeitskreis Wildbiologie an der Justus-Liebig-Universität Gießen e.V. durchgeführt wurde.

Selbst entwickelt und erprobt, mit umfassenden Informationen ausgestattet liefern beide Mappen vielfältige Anregungen für die Öffentlichkeitsarbeit im Fledermausschutz

Unter Öffentlichkeitsarbeit sind alle Maßnahmen zu verstehen, die zu einer kommunikativen Beziehung zwischen den im Fledermausschutz Tätigen und der Öffentlichkeit führen. Entsprechende Aktionen vertreten die Interessen des Fledermausschutzes, gleichzeitig können öffentliche und private Interessen mit einbezogen werden.

Eine Hauptaufgabe der Öffentlichkeitsarbeit ist die Imagepflege für die Fledermäuse, Akzeptanz-und Vertrauenswerbung für Maßnahmen zum Schutz der gefährdeten Tierarten.

Zunächst ging es um die Frage: Wie läßt sich Öffentlichkeitsarbeit einsetzen, um Fledermausquartiere an Häusern zu erfassen? Relativ gute Ergebnisse bringen Presseumfragen. Ein Teilnehmer suchte die Hausbesitzer, die Quartiere gemeldet hatten, mit Infomaterial auf. Bei späteren Renovierungen oder Umbauten an den Häusern mit Fledermausquartieren zog man ihn hinzu und holte seinen Rat ein. In diesem Zusammenhang wurde auf die überaus erfolgreiche Aktion „Fledermausfreundlich“ in Thüringen hingewiesen.

Dort werden die Hausbesitzer, die ein Fledermausquartier an/in ihrem Haus erhalten oder neu schaffen mit einer Plakette ausge-zeichnet. Unbedingt nachahmenswert! Ein andererTeilnehmer nahm Kontakt zu Schülern und Lehrern auf. Die Schüler führten Befragungen zu Fledermausquartieren bei den Hausbesitzern in ihrem Stadtteil durch und gaben die Meldungen über Vorkommen an die Fachleute weiter. Die Fledermausleute vor Ort überprüften die Hin-weise und bestätigten die meisten der gemeldeten Quartiere.

Auch Fledermaus-Exkursionen helfen bei der Suche nach Quartieren. Befragungen können hierzu gestartet und es kann eine Art Schneeballeffekt in Gang gesetzt werden. Zum Umgang mit Hausbesitzern gehört eine gehörige Portion Fingerspitzengefühl!

Als nächstes stellten sich die Teilnehmer die Frage, mit welchen Mitteln man Werbung und Imagepflege für Fledermäuse und den Fledermausschutz betreibt. Hier wurden an erster Stelle Fledermaus-Exkursionen genannt, bei denen die Fledermäuse für sich selber werben.

Das Glanzlicht einer jeden Exkursion ist ein lebendiges Tier (Dauerpflegling!), aber auch ein Präparat (Achtung: genehmigungspflichtig!). Allerdings, so berichtete ein Teilnehmer aus Niedersachsen, werden Exkursionen nicht überall angenommen. Möglicherweise liegt das an der eher ländlichen Gegend, aus der er kommt.

Neben Exkursionen kann man an Infoständen für die Fledermäuse und die Interessen des Fledermausschutzes werben. Projektstunden oder -tage an Schulen eignen sich ebenfalls. Für die Kontaktaufnahme zu Lehrern empfehlen sich die letzten Wochen vor den Ferien, berichtete eine Teilnehmerin; die Schuljahresarbeit ist dann erledigt, und die Lehrer sind offen für andere Themen, z.B. für Fledermäuse. Allgemein wird empfohlen, spielerisch an das Thema Fledermäuse und Fledermausschutz im Umgang mit Kindern heranzugehen.

Das Interesse an den Fledermäusen läßt erfahrungsgemäß bei Kindern ab dem 12. Lebensjahr nach. Aber es gibt Ausnahmen; so berichtete ein Teilnehmer, daß Kinder und Jugendliche unter seiner Anleitung mit großem Interesse planmäßigen Beringungsaktionen beiwohnten. Kurz tauchte die Frage auf, wie der Naturschutz heute seine Möglichkeiten nutzt, um Kinder und Jugendliche in die Naturschutzarbeit einzubinden.

Die Wichtigkeit der Kontaktaufnahme zu Behörden, Vereinen, Verbänden und bestimmten Berufsgruppen wurde von den Teilnehmern immer wieder besonders hervorgehoben. Mögliche Adressaten werden unten aufgeführt.

Die vielen Anregungen, Hinweise und Tipps aus dem Teilnehmerkreis für die Öffentlichkeitsarbeit lassen sich wie folgt zusammenfassen:

  • Kontaktaufnahme zu Fachbehörden wie ULB und OLB bzw. UNB und ONB, zu Baubehörden, Grün-flächenämtern, Forstbehörden, Umweltverbänden, Obst- und Gartenbauvereinen, Bauern- und Landfrauenverbänden, Haus- und Grundbesitzervereinen, Zeitungsredaktionen, Dachdeckern, Antennenbauern, Förstern und Waldbesitzern, Feuerwehrzentralen, Tierärzten, Fremdenverkehrsvereinen;
  • Kontakte zur Multiplikatoren, wie Lehrerinnen, Erzieherinnen;
  • Kontakte zu allen Massenmedien;
  • Umfragen zu Fledermausquartieren über die Medien (Presse, Funk, Fernsehen), per Fragebogen und anläß-lich von Fledermaus-Exkursionen;
  • Fledermaus-Exkursionen zur Sympathiewerbung bei der Bevölkerung für die bedrohten Tiere nutzen, auch als Angebot für Kindergeburtstage, Rallyes zum Thema (dabei können Kinder als Fledermäuse verkleidet sein!);
  • Infostände auf Öko- und Umweltmärkten, mit Postern, Bastelarbeiten zum Thema. Man kann Fledermaus-Guano verschenken mit Informationen, wo, wie und wann der Guano eingesetzt werden kann.
  • Mit Sympathieträgern wie T-Shirts, Stoff-Fledermäusen, Stickern, Aufklebern, Fledermausschmuck kann man erfolgreich werben.
  • Hinweis: Am 25./26.8.2001 findet die 5. Europäische Fledermausnacht statt. Dies ist ein guter Termin für alle Öffentlichkeitsaktionen der Fledermausschutzgruppen. Die Organisation der Batnight liegt bei der NABU-Umweltpyramide in Bremervörde.
  • Das Thema Fledermausschutz läßt sich in die lokale Agenda 21 einbringen.
  • Weiterbildungen, z.B. Workshops zur Fledermaus-Bestimmung mit dem Bat-Detektor;
  • Weiterbildungen für Pädagogen (Multiplikatioren – s.o.);
  • Weiterbildungen für Forstarbeiter über die Lebensraumansprüche der Fledermäuse in Wäldern und zum Schutz von Höhlenbäumen;
  • Aktionen mit Kindern, wie Bauen und Anbringen von Fledermauskästen;
  • Hinweise: Unter der Internet-Adresse www.eurobats.ord wird das Logo von EUROBATS bereitgestellt.
  • Tipp: Mit Ideen zu solchen Gruppen gehen, die von Hause aus ein Interesse am Fledermausschutz haben müßten, z.B. mit Fledermaus-Guano die Gartenbauvereine besuchen.

Viele der vorgeschlagenen Aktivitäten können parallel laufen, wichtig ist die Kontinuität der Öffentlichkeitsarbeit. Mit Exkursionen hat man eine bewährte Möglichkeit, in den Fledermausschutz vor Ort einzusteigen.

Die meisten Menschen, die einmal fliegende und jagende Fledermäuse beobachtet haben, werden zu Freunden der faszinierenden Nachtjäger. Das gilt besonders für Kinder! Über die Kinder werden die Eltern erreicht! Von einem Fall sehr gelungener Sympathiewerbung berichtete ein Teilnehmer:

Er hatte den zuständigen Förster und dessen kleinen Sohn zu einem Waldspaziergang eingeladen. Bei dieser Gelegenheit erklärte er ihnen, welche Fledermäuse in diesem Wald leben, wie die Arten heißen, welche Strukturen als Quartiere genutzt werden, zeigte Fledermauskästen und Bäume mit Höhlen, Rissen und Spalten. Der kleine Junge merkte sich alle Namen der Fledermäuse, auch die wissenschaftlichen. Seinen Vater drängt er seitdem, vor dem Fällen eines Höhlenbaumes mit den Fledermausschützern Kontakt aufzunehmen – mit Erfolg!

Protokollführung: Dipl.-Biol. Mechthild Höller, AK Fledermäuse in Leverkusen (NABU & BUND), Reuterstraße 55, D-51375 Leverkusen

Quelle: BAG Mitteilungsblatt

Quelle: BAG Mitteilungsblatt

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