Wochenstuben – Junge werden geboren
Wochenstube der Fransenfledermaus (Myotis nattereri). Foto: Dietmar Nill.

Wochenstube der Fransenfledermaus (Myotis nattereri). Foto: Dietmar Nill.

Mitte März bis Anfang April erwachen die Fledermäuse langsam aus ihrer Lethargie und machen sich auf den Weg in ihre angestammten Sommerlebensräume. Dabei legen sie Strecken zurück, die je nach Art bis zu 1.500 Kilometer weit reichen können.

Wochenstube der Wimperfledermaus (Myotis emarginatus) in einem Kuhstall. Foto: Dietmar Nill.

Wochenstube der Wimperfledermaus (Myotis emarginatus) in einem Kuhstall. Foto: Dietmar Nill.

In ihren Sommerquartieren angekommen, finden sich die Weibchen zu Gesellschaften zusammen, den sogenannten Wochenstuben, in denen sie ihre Jungen zur Welt bringen. Fledermäuse gebären ein, selten zwei Junge pro Jahr. Diese werden von der Mutter ungefähr 4 – 6 Wochen gesäugt, bis sie flügge sind. Während die Mutter nachts zur Beutejagd geflogen ist, bleiben die Jungen in den Wochenstuben zurück. Die Mutter kehrt allerdings mehrmals in der Nacht von ihren Beuteflügen zurück, um die Jungen zu säugen und zu wärmen. Tagsüber verfallen die Fledermäuse in eine Tagesschlaflethargie, die dem Winterschlaf ähnelt, wobei die Körperfunktionen aber nicht so extrem abfallen.

In dieser Tagesschlaflethargie können die Tiere auch Schlechtwetterperioden überdauern, benötigen aber nach wenigen Tagen wieder Nahrung.

Nach 4 – 6 Wochen, wenn die Jungtiere kräftig genug sind und selbst fliegen können, lernen sie von der Mutter das Insektenjagen und alles, was sie zum Überleben brauchen.

Die Wochenstuben und Männchenquartiere befinden sich, je nach Fledermausart, in Dachstühlen von Gebäuden, an der Außenfassade in kleinen Mauerritzen, in Viehställen oder aber in Baumhöhlen.

Die überwiegende Zahl der bei uns beheimateten Fledermausarten bevorzugt Baumhöhlen als Tagesverstecke. Allerdings müssen diese Quartiere bestimmte Kriterien erfüllen. Ein entscheidender Faktor ist das Vorhandensein eines ausgefaulten Bereiches oberhalb des Einschlupfloches. Typische Baumhöhlenbewohner sind der Große Abendsegler, der Kleinabendsegler, die Bechsteinfledermaus und das Braune Langohr.

Zum Herbst hin müssen sich die Fledermäuse nun in sehr kurzer Zeit einen großen Fettvorrat anfressen, um den langen Winterschlaf zu überstehen.

Während des Zuges in die Winterquartiere, der im Herbst stattfindet, paaren sich die geschlechtsreifen Tiere bereits wieder, die Befruchtung und die Entwicklung der Embryonen erfolgt aber erst mit dem Aufwachen im nächsten Frühjahr, nach 5 – 6 Monaten Winterschlaf.

Fledermäuse können recht alt werden, die durchschnittliche Lebenserwartung liegt bei 5 – 6 Jahren, es sind aber auch Tiere gefunden worden, die über 20 Jahre alt waren.