Was ist das Besondere daran?
Erinnern wir uns an Zeiten, als Tollwut hierzulande noch weit verbreitet war. Obwohl Füchse das eigentliche Reservoir waren, erkrankten Tiere der verschiedensten Arten, sicherlich auch hin und wieder eine Fledermaus.
Im Fall der Fledermäuse liegt aber eine ganz andere Situation vor. Um dies zu erklären, bedarf es eines kleinen historischen Exkurses.
- Der erste Tollwutnachweis bei einer Fledermaus in Deutschland wurde 1956 in Hamburg geführt. Tollwut bei Fledermäusen war ein seltener Befund und gelang in Deutschland bis 1984 nur achtmal.
- Nachdem 1970 in Südafrika ein Mensch nach Verletzung durch eine Fledermaus an Tollwut starb, wurde festgestellt, dass das Virus nicht mit den bis dahin bekannten Tollwutviren identisch ist.
Das entdeckte Virus wurde als Duvenhage-Typ bezeichnet. Zwei andere vom klassischen Tollwutvirus unterscheidbare Virustypen waren schon bekannt.
Auch die ersten von Fledermäusen isolierten Viren in Deutschland waren dem Duvenhage-Typ sehr ähnlich.
Erst eine verfeinerte Diagnostik ließ erkennen, dass es sich hier um eigenständige Virustypen handelt, die als European Bat Lyssavirus (EBL oder Europäisches Fledermaus-Tollwutvirus) bezeichnet werden.
Somit ist die Fledermaustollwut eine eigenständige Erkrankung, die von der Fuchstollwut abzugrenzen ist.
Es wurde der Begriff der "Tollwutähnlichen Viren" geprägt. Diese Bezeichnung ist unzureichend, weil sie eine Gefahr, die diese Viren verursachen, nicht zum Ausdruck bringt.
Bei landwirtschaftlichen Nutz- bzw. Haustieren wurde lediglich beim Schaf (1998) in Dänemark über eine Tollwutinfektion, bei der Fledermäuse die Ursache waren, berichtet.
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