Studie: Langfristiges, individuenbasiertes Monitoring im Fledermausschutz

Erkenntnisse aus automatisierten PIT-Tag-Überwachungen

Hintergrund
Die Bedeutung langfristig angelegter, individuenbasierter Feldstudien für die Beantwortung zentraler Fragen des Artenschutzes ist allgemein anerkannt. Bei Fledermäusen sind solche Studien jedoch aufgrund der damit verbundenen Herausforderungen selten.

Ziele
Diese Übersicht fasst den aktuellen Wissensstand zu den Ergebnissen langfristiger, individuenbasierter Beobachtungen zum Schutz von Fledermäusen zusammen, wobei der Schwerpunkt auf Daten liegt, die durch die automatisierte Überwachung mit passiven integrierten Transpondern (PIT-Tags) gewonnen wurden.

Methoden
Das Team hat die Literatur zu langfristigen, individuenbasierten Fledermaus-Monitoringstudien für Naturschutzzwecke ausgewertet, wobei sie sich auf das automatisierte PIT-Tag-Monitoring konzentrierten. Sie führten gezielte Literaturrecherchen zu statistischen Tools für die Analyse individuenbasierter Daten durch, die mit automatisierten Systemen erhoben wurden, sowie zu den damit verbundenen Herausforderungen und Chancen. Abschließend stellen Sie zwei Fallstudien vor, die auf Informationen aus eigenen langfristigen automatisierten PIT-Tag-Monitoring von fünf Fledermausarten in Deutschland basieren.

Ergebnisse
Sie stellten fest, dass nur eine begrenzte Anzahl von Fledermausarten über einen Zeitraum von mehr als drei Jahren mit automatischen PIT-Tag-Loggern überwacht wurde. Bei fast allen Arten handelt es sich um Fledermäuse der gemäßigten Zone. Die Überwachung erfolgte an Sommerquartieren, darunter Gebäude, Höhlen, Fledermauskästen und Baumhöhlen, sowie an Überwinterungsquartieren. Die jeweiligen Studien untersuchten verschiedene für den Artenschutz relevante Variablen, darunter die Bewegung zwischen Quartieren, demografische Parameter wie Überleben und Fortpflanzung sowie Bestandsentwicklungen. Die eigene Forschung zeigt, wie diese Methode artenschutzrelevante Informationen liefern kann, die mit Zählungen oder klassischen Fang-Markierung-Wiederfang-Verfahren, die eine regelmäßige Handhabung der Fledermäuse erfordern, nicht gewonnen worden wären.

Schlussfolgerungen
Das langfristige, individuenbasierte Monitoring bleibt eine anspruchsvolle und ressourcenintensive Aufgabe. Die automatisierte PIT-Tag-Überwachung bietet neue Möglichkeiten für die langfristige Fledermausüberwachung, indem sie die Erfassung hochrelevanter Naturschutzdaten erleichtert.

Quelle
Kerth, G.G. KrivekF. MeierF. ChávezS. Schirmer, and J. van Schaik2026.
Long-Term Individual-Based Monitoring in Bat Conservation: Insights From Automated PIT-Tag Monitoring.” 
Mammal Review 56, no. 3: e70045. https://doi.org/10.1111/mam.70045.

Winterschlaf von Fransen- und Wasserfledermäusen: Individualisiertes Langzeit-Monitoring

Individualisiertes Langzeit-Monitoring von sympatrischen Fledermausarten zeigt deutliche art-, geschlechts- und altersspezifische Unterschiede in der Phänologie des Winterschlafs

Hintergrund

Der Winterschlaf ermöglicht es den Arten, Energie zu sparen und so ungünstige Umweltbedingungen zu überbrücken. Gleichzeitig ist der Winterschlaf aber auch mit erheblichen ökologischen und physiologischen Kosten verbunden. Wenn man versteht, wie sich der Zeitpunkt des Winterschlafs innerhalb einer Art und zwischen verschiedenen Arten unterscheidet, kann man Einblicke in die zugrunde liegenden Faktoren für diesen Zielkonflikt gewinnen. Dazu sind jedoch individuelle Langzeitdaten erforderlich, die oft nicht verfügbar sind. Hier haben wir automatische Überwachungstechniken und eine reproduzierbare Analysepipeline eingesetzt, um die individuelle Winterschlafphänologie zweier sympatrischer Fledermausarten zu bewerten. Unsere Studie basiert auf den Daten von mehr als 1.100 mit RFID-Transpondern versehenen Wasserfledermäusen (Myotis daubentonii) und Fransenfledermäusen (Myotis nattereri), die über einen Zeitraum von sieben Jahren in einem Winterquartier in Deutschland gesammelt wurden. Mithilfe linearer gemischter Modelle analysierten wir art-, geschlechts- und altersspezifische Unterschiede in Bezug auf Einflug, Ausflug und die Dauer des längsten ununterbrochenen Aufenthalts im Winterquartier.

Ergebnisse

Insgesamt flogen Wasserledermäuse früher in das Winterquartier ein und kamen später heraus als Fransenledermäuse, was zu einer fast doppelt so langen Überwinterungsdauer führte. Bei beiden Arten flogen die erwachsenen Weibchen früher ein und kamen später aus dem Winterquartier heraus als die erwachsenen Männchen. Die Dauer des Winterschlafs war bei Jungtieren kürzer als bei erwachsenen Tieren, mit Ausnahme der erwachsenen männlichen Fransenfledermäuse, deren Winterschlafdauer von allen Arten am kürzesten war. Schließlich unterschieden sich die Überwinterungszeiten von Jahr zu Jahr, aber die jährlichen Schwankungen bei den Einflug- und Ausflugzeiten waren bei beiden Arten nicht gleich stark ausgeprägt.

Schlussfolgerungen

Unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass selbst bei sympatrischen Arten und über alle Geschlechts- und Altersklassen hinweg der Zeitpunkt des Winterschlafs durch die Umweltbedingungen unterschiedlich beeinflusst werden kann. Dies unterstreicht die Notwendigkeit, bei der Untersuchung der Auswirkungen von Umweltveränderungen auf die Phänologie der Überwinterung individuelle Informationen zu berücksichtigen.

 

Published: 28 January 2022
Meier, F., Grosche, L., Reusch, C. et al. Long-term individualized monitoring of sympatric bat species reveals distinct species- and demographic differences in hibernation phenology. BMC Ecol Evo 22, 7 (2022).
Download: https://doi.org/10.1186/s12862-022-01962-6

 

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