Bechsteinfledermaus: Lebensraumnutzung in Wald-Windparks
Windparks werden zunehmend in Waldgebieten errichtet, die einen sensiblen Lebensraum für Fledermäuse darstellen. Infolgedessen werden Waldlebensräume durch Holzeinschlag, Randeffekte und Betriebsgeräusche der Windkraftanlagen gestört und verändert.
Die Bechsteinfledermaus (Myotis bechsteinii) ist für ihre Quartiere und Nahrungssuche in hohem Maße auf Waldlebensräume angewiesen. Das Autorenteam hat die Lebensraumnutzung von Wochenstuben der Bechsteinfledermaus in zwei Windparks analysiert.
Über einen Zeitraum von vier Jahren haben sie 31 Individuen per Radiotelemetrie verfolgt und ihre Wochenstuben sowie ihre Nahrungsgebiete identifiziert. Sie haben den Einfluss der Windkraftanlagen auf ihre Lebensraumnutzung sowie die Auswirkungen von Windgeschwindigkeit und Rotorblattdrehung auf den Abstand der Fledermäuse zu den Anlagen analysiert.
Die Kolonien besiedelten Baumquartiere, die sich wenige hundert Meter von den Windkraftanlagen entfernt befanden. Nahrungshabitate in der Nähe der Anlagen wurden bevorzugt genutzt, wenn sich die Fledermäuse in der Nähe der Wochenstuben befanden. Die Vegetation in diesen Gebieten bestand aus großen Bäumen und einer geringen Bedeckung durch Sträucher und Krautgewächse, was auf einen hochwertigen Nahrungslebensraum hindeutet. Der Abstand der jagenden Fledermäuse zu den Windkraftanlagen nahm jedoch mit zunehmender Rotorblattdrehung bei hohen Windgeschwindigkeiten zu.
Die Ergebnisse zeigen, dass Bechsteinfledermäuse in ihrer Lebensraumnutzung selektiver werden, je näher sie sich an den Windkraftanlagen befinden. In der Nähe ihrer Wochenstuben scheinen die Vorteile eines hochwertigen Lebensraums die Störeffekte zu überwiegen, und die Fledermäuse nutzten trotz der Nähe der Windkraftanlagen weiterhin die Wochenstuben und die umliegenden Nahrungshabitate. Weiter entfernt von ihren Quartieren mieden sie jedoch die Nahrungssuche in der Nähe von Windkraftanlagen.
Durch eine sorgfältige Standortplanung, die empfindliche Waldlebensräume ausschließt, in Kombination mit eingeschränkten Betriebszeiten der Windkraftanlagen im Sommer könnten die negativen Auswirkungen von Störungen durch Windkraftanlagen für die Wochenstubenkolonien der Bechsteinfledermäuse abgeschwächt oder vermieden werden.
Quelle:
Hurst J, Korner-Nievergelt F, Brinkmann R (2026) Habitat use of Bechstein´s bats (Myotis bechsteinii) within wind parks in forests. PLoS One 21(3): e0344730. https://doi.org/10.1371/journal.pone.0344730