Winterschwärmen von Zwerg- und Mückenfledermäuse

Erfassungsmethoden bei Abbruch und Sanierung von Gebäuden im Winter.

Als Winterquartiere kommen Gebäude jeder Größe, jeden Alters und jeder Bauart in Frage, ebenso Ruinen, Brücken und ähnliche Bauwerke, Felsen und unterirdische Quartiere. Diese sind meist schwer zugänglich, schlecht einsehbar und daher kaum zu kontrollieren. Oft werden Gebäude in den Wintermonaten abgerissen oder saniert, eine mögliche Nutzung als Winterquartier wird selten berücksichtigt. Es besteht die Gefahr, dass (Massen)winterquartierezerstört und lokale oder sogar überregionale Populationen der Zwerg- und Mückenfledermaus vernichtet werden.

Es gibt scheinbar kaum Methoden, durch die mit vertretbarem Aufwand Winterquartiere einzelner oder Massen von Zwergfledermäusen mit hoher Sicherheit nachgewiesen oder ausgeschlossen werden können.

Es ist wichtig, dass Gutachterinnen und Gutachter die richtigen Methoden anwenden, um überwinternde Zwerg- und Mückenfledermäuse nachzuweisen.

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Windräder in Wäldern verdrängen Waldfledermäuse

Da im Zuge der Energiewende mehr Windenergieanlagen (WEA) installiert und Abstandsregeln zu Siedlungen verschärft wurden, sind geeignete Standorte schwerer zu finden. Daher werden WEA immer häufiger auch in Wäldern errichtet – zum Nachteil für Waldspezialisten unter den Fledermäusen. In einer neuen Untersuchung wies ein Forschungsteam unter Leitung des Leibniz-Instituts für Zoo- und Wildtierforschung (Leibniz-IZW) nach, dass solche Fledermäuse, die unterhalb der Baumkrone nach Nahrung suchen, zwar kein erhöhtes Risiko haben, an solchen Anlagen zu verunglücken, diese Fledermäuse aber über hunderte von Metern Abstand zu solchen Windkraftanlagen halten. Waldstandorte sollten daher entweder gar nicht oder nur in Ausnahmefällen mit beauflagten Ausgleichsmaßnahmen zum Schutz von Waldfledermäusen genutzt werden, so das Team in einem Aufsatz im „Journal of Applied Ecology.“

Weltweit werden immer mehr Windkraftanlagen aufgestellt, um die Ziele der nationalen Klimastrategien zu erreichen. In Deutschland sind derzeit ungefähr 30.000 WEA auf dem Festland in Betrieb. Die offenen Flächen, auf denen Windkraftanlagen in der Nähe von Städten und Dörfern geduldet werden, sind jedoch begrenzt. Deshalb werden immer häufiger Windkraftanlagen in Wäldern errichtet. „Wälder sind sensible Ökosysteme und wertvolle Lebensräume für viele seltene und geschützte Fledermausarten“, sagt PD Dr. Christian Voigt, Leiter der Abteilung für Evolutionäre Ökologie am Leibniz-IZW. „Windkraftanlagen in Wäldern können Fledermäusen in mehrfacher Hinsicht Probleme bereiten. Fledermäuse, die oberhalb der Baumkronen nach Insekten jagen, können direkt an den Anlagen getötet werden, durch Kollision mit Rotorblätter oder einfach durch die erheblichen Druckunterschiede, die sie nicht überstehen können. Fledermäuse, die in der Vegetation unter den Baumkronen jagen, verlieren durch die Rodungen einen Teil ihres Lebensraums.“ Auch im weiteren Umfeld von Windkraftanlagen und Rodungen könne sich ihr Lebensraum verschlechtern, wenn sie durch den Betrieb der Anlagen gestört werden.

Gemeinsam mit Kolleginnen und Kollegen von der Phillips-Universität Marburg und der Christian-Albrechts-Universität Kiel untersuchte Voigt und seine Studentin vor allem jene Fledermäuse, die unterhalb der Baumkrone im Schutz der Vegetation nach Nahrung suchen. Dazu erfassten sie an 24 Waldstandorten in Hessen die Aktivität von Fledermäusen in verschiedenen Abständen zu den Windkraftanlagen mit Hilfe von Ultraschalldetektoren. Die aufgenommenen Rufe ordneten die Wissenschaftler:innen drei Gruppen von Fledermäusen zu. Erstens jene, die in offenem Gelände (z.B. über den Baumkronen) auf Nahrungssuche gehen, zweitens die Arten, die an Randstrukturen jagen und drittens die Spezialisten für Nahrungssuche auf engen Räumen, also beispielsweise Waldspezialisten unterhalb des Kronendachs wie die Fledermäuse der Gattungen Mausohren (Myotis) oder Langohrfledermäuse (Plecotus). „Wir stellten fest, dass diese Waldspezialisten in der Nähe von Windkraftanlagen deutlich weniger aktiv sind, insbesondere in der Nähe von Turbinen mit großen Rotoren, sowie in den Hochsommermonaten“, sagt Voigt. Ab einer Entfernung von 450 Metern nimmt die Aktivität dieser Fledermäuse in Richtung der Anlagen um fast 50 Prozent ab.

Windkraftanlagen an Waldstandorten stellen somit nicht nur eine Bedrohung für solche Fledermäuse dar, die oberhalb der Baumkronen nach Insekten jagen, sondern beeinträchtigen auch den Lebensraum für Fledermäuse, die unterhalb der Baumkrone in den Wäldern leben und dort nach Insekten jagen. „Waldspezialisten sind daher keine typischen Schlagopfer, ihr Lebensraum und ihr Aktivitätsradius ist dennoch deutlich eingeschränkt in einem Umkreis von mehreren Hundert Metern um eine Anlage“, schließt Voigt.

Die Autor:innen empfehlen daher, Windkraftanlagen nicht in Wäldern, sondern in der offenen Landschaft aufzustellen und insbesondere naturnahe Wälder mit einer abwechslungsreichen Vegetationsstruktur als Standorte zu vermeiden. Müssten Windkraftanlagen dennoch in Wäldern errichtet werden, dann sind Maßnahmen zum Ausgleich essenziell. Ein Teil dieser Ausgleichsmaßnahmen sollte es sein, eine entsprechend große Waldfläche für die Waldfledermäuse aus der intensiven Waldbewirtschaftung zu nehmen, damit der durch den Betrieb der Anlagen verursachte Lebensraumverlust ausgeglichen werden kann.

Publikation

Ellerbrok J, Delius A, Peter F, Farwig N, Voigt CC (2022): Activity of forest specialist bats decreases towards wind turbines at forest sites. Journal of Applied Ecology. DOI: 10.1111/1365-2664.14249.

Städtische Gebiete können Rückzugsgebiet für Fledermäuse sein

Daten von Bürgerwissenschaftler:innen über Berlin zeigen, dass städtische Gebiete ein Rückzugsgebiet für Fledermäuse sein können

Die Verstädterung stellt eine erhebliche Bedrohung für Fledermauspopulationen auf der ganzen Welt dar, insbesondere durch künstliches Licht während der Nacht und die Verringerung des Lebensraums und Nahrungsangebots. Unter bestimmten Voraussetzungen können jedoch Flächen innerhalb von Ballungsräumen für Fledermäuse geeignet sein, so dass ein entsprechender Umgang mit diesen Flächen zum Fledermausschutz beitragen kann. Ein Wissenschaftsteam des Leibniz-Instituts für Zoo- und Wildtierforschung (Leibniz-IZW) identifizierte mit der Unterstützung von mehr als 200 Berliner Bürgerwissenschaftler:innen diese Bedingungen und erforschte, wie sie sich auf die Verbreitung und Häufigkeit von Fledermausarten auswirken. Das Team kommt zu dem Schluss, dass bereits ein geringes Maß an nächtlichem künstlichem Licht für alle Fledermäuse in Städten nachteilig ist, für viele ist darüber hinaus der Zugang zu Vegetation und Gewässern wichtig. Die Ergebnisse und Schlussfolgerungen sind in der Fachzeitschrift „Environmental Pollution“ veröffentlicht.

Der Verlust der biologischen Vielfalt gefährdet wichtige Ökosystemfunktionen und damit die Gesundheit und das Wohlergehen der Menschen in einer Größenordnung, die mit anderen Prozessen des globalen Wandels wie dem Klimawandel vergleichbar ist. Zu den Hauptursachen für den Verlust biologischer Vielfalt gehören der Verlust und die Verschlechterung von Lebensräumen. Hier spielen Landwirtschaft und Holzeinschlag eine wichtige Rolle, aber auch die Verstädterung, die eine dramatische Umwandlung von natürlichen in extrem vom Menschen überformte (anthropogene) Landschaften bewirkt. Diese Prozesse haben schwerwiegende nachteilige Auswirkungen auf viele der über 1.400 Fledermausarten, die einen erheblichen Anteil der gesamten Säugetiervielfalt ausmachen. „Für den Fledermausschutz ist es wichtig, mehr über die Bedingungen zu erfahren, die sich positiv oder negativ auf Fledermäuse in diesen unterschiedlichen Ökosystemen – auch in Städten – auswirken“, sagt Daniel Lewanzik, Wissenschaftler in der der Leibniz-IZW-Abteilung Evolutionäre Ökologie. Lewanzik und seine Kolleg:innen arbeiteten mit mehr als 200 Bürgerwissenschaftler:innen zusammen, um die Ultraschallrufe von fünf Fledermausarten bis zu sechs Mal im Laufe von zwei Jahren an 600 Stellen in Berlin aufzuzeichnen. „Mit diesem großen Datensatz konnten wir untersuchen, welche Eigenschaften der urbanen Landschaft die Anwesenheit von Fledermäusen beeinflussen. Darüber wollten wir verstehen, wie man diese Umgebungen so verbessern kann, dass Fledermauspopulationen selbst in Stadtlebensräumen bestehen können“, erklärt Christian Voigt, Leiter der Leibniz-IZW-Abteilung für Evolutionäre Ökologie und Seniorautor der Untersuchung.

Die Ergebnisse untermauern den Verdacht, dass sich künstliches Licht in der Nacht negativ auf alle Fledermausarten auswirkt und sogar das Vorkommen von Arten verringert, die bisher als „lichttolerant“ galten. Mückenfledermäuse erwiesen sich als besonders lichtempfindlich: Bereits bei mittlerer Beleuchtungsstärke wurden sie nur noch selten im Stadtlebensraum entdeckt, bei höherer Beleuchtungsstärke verschwanden sie ganz. Außerdem kamen Mückenfledermäuse fast viermal häufiger in Gebieten mit weißen Laternen als in Gebieten mit orangefarbenen Laternen vor, während Rauhautfledermäuse und Mausohrfledermäuse keine Vorliebe für eine bestimmte Lichtfarbe zeigten. Zusätzlich zeigte sich bei Mausohrfledermäusen ein Einfluss der Jahreszeiten: sie reagierten im Sommer negativ auf zunehmende künstliche Beleuchtung bei Nacht, im Herbst jedoch nicht.

Vegetation, die Anwesenheit offener Gewässer sowie das Ausmaß der durch Straßen und Gebäude versiegelten Flächen hatten ebenfalls einen erheblichen Einfluss auf einige Arten, in Abhängigkeit von deren Nahrungsgewohnheiten. Arten, die entlang von Vegetationsrändern (z. B. Zwergfledermäuse) nach Nahrung suchen, benötigen in der Regel Baumreihen, Arten die direkt über Wasserflächen (z. B. Wasserfledermäuse) nach Nahrung suchen, sind auf offenes Wasser angewiesen. Die meisten untersuchten Arten, insbesondere solche, die im offenen Luftraum jagen, mieden stark versiegelte Flächen mit einem hohen Anteil an umliegenden Gebäuden.

„Unsere Ergebnisse zeigen, wie wichtig es ist, das künstliche Licht in der Nacht auf das für menschliche Aktivitäten absolut notwendige Minimum zu reduzieren und, wo immer möglich, Optionen zum Dimmen von Beleuchtung im Außenbereich einzusetzen, zum Beispiel über Bewegungssensoren“, fassen Lewanzik und Voigt zusammen. Sie empfehlen außerdem, bestehende Biotope unbedingt zu erhalten und zudem neue zu schaffen, wo immer dies möglich ist, und diese Fragmente durch ununterbrochene Vegetation und Dunkelkorridore (z. B. Wohngärten und Baumreihen) miteinander und mit Gewässern zu verbinden. Die Untersuchung zeigt, dass auch Städte geeignete Lebensräume für geschützte und bedrohte Arten bieten können, wenn diese Voraussetzungen beachtet werden.

Das gemeinsame Sammeln von Daten mit Bürgerwissenschaftler:innen („Citizen Scientists“) war eine positive Erfahrung, sagen die Autoren. „Die Zusammenarbeit mit mehr als 200 hochmotivierten Helferinnen und Helfern ermöglichte es, zeitgleich Daten im gesamten Stadtgebiet Berlins zu erheben“, sagt Miriam Brandt, Leiterin des Leibniz-IZW-Wissenschaftsmanagements und Leiterin des Projekts „WTimpact“. WTimpact ist ein vom Bundesministerium für Bildung und Forschung von 2017 bis 2021 gefördertes Verbundprojekt, in dessen Rahmen die Forschungsarbeiten zu Fledermäusen in Berlin durchgeführt wurden. „Gleichzeitig konnten wir interessierten Bürgerinnen und Bürgern einen meist kaum wahrgenommenen Teil der Stadtnatur nahebringen – viele Teilnehmende waren überrascht, Fledermäuse in urbanen Gegenden zu finden, wo sie sie nicht vermutet hätten.“

Publikation

Lewanzik D, Straka TM, Lorenz J, Marggraf L, Voigt-Heucke S, Schumann A, Brandt M, Voigt CC (2021): Evaluating the potential of urban areas for bat conservation with citizen science data. Environmental Pollution. https://doi.org/10.1016/j.envpol.2021.118785

Globale Erwärmung führt zu größeren Fledermäusen

Ob Arten mit Umweltveränderungen zurechtkommen, hängt wesentlich von ihrer Lebensdauer ab. Fledermäuse haben eine lange Lebensspanne und eine niedrige Reproduktionsrate, was sie anfällig für Änderungen der Umwelt macht.

Die globale Erwärmung führt dazu, dass Bechsteinfledermäuse (Myotis bechsteinii) größere Weibchen hervorbringen, die einem höheren Sterberisiko ausgesetzt sind. Wir untersuchen hier, ob diese größeren Weibchen ihr erhöhtes Sterberisiko durch eine schnellere Lebensweise ausgleichen können.

Wir analysierten einen auf Individuen basierenden 25-Jahres-Datensatz von 331 mit RFID-Tags versehenen wildlebenden Fledermäusen und kombinierten genetische Stammbäume mit Daten zu Lebensdauer, Fortpflanzung und Körpergröße.

Wir stellen fest, dass der beobachtete Anstieg der Sterblichkeit durch die größenabhängige Fruchtbarkeit und das Alter bei der ersten Fortpflanzung bedingt ist. Da größere Weibchen einen früheren Reproduktionsbeginn und kürzere Entwicklungszeiten haben, bleibt der lebenslange Reproduktionserfolg bei Individuen mit unterschiedlichen Körpergrößen bemerkenswert stabil.

Unsere Studie verdeutlicht einen raschen Wechsel zu einem schnelleren Lebenstempo bei einem Säugetier mit einer langsamen Lebensweise.

Quelle: 
Mundinger, C., Fleischer, T., Scheuerlein, A. et al.

Global warming leads to larger bats with a faster life history pace in the long-lived Bechstein’s bat (Myotis bechsteinii). Commun Biol 5, 682 (2022). https://doi.org/10.1038/s42003-022-03611-6

Analyse von Pestiziden und Schadstoffen in Fledermäusen

Fledermäuse sind in ganz Europa streng geschützt. Sie sind eine äußerst vielfältige Säugetierordnung, was Körpergröße, Körpergewicht, Wanderverhalten, trophische Nischen-Spezialisierung und Lebensraumnutzung angeht. Ihr Lebensraum reicht von städtischen Gebieten über Ackerland bis hin zu Wäldern.

Aufgrund ihrer geringen Reproduktionsrate können umweltbedingte Stressfaktoren große Auswirkungen auf Fledermauspopulationen haben. Insbesondere Pestizide werden als ein wichtiger Faktor für den Rückgang von Fledermauspopulationen diskutiert. In dieser Arbeit haben wir fast 400 Tiere von fünf verschiedenen Arten (Eptesicus serotinus, Myotis myotis, Nyctalus noctula, Pipistrellus pipistrellus und Plecotus auritus) aus ganz Deutschland auf Rückstände von 209 Pestiziden und persistenten organischen Schadstoffen untersucht.

Die Rückstandsanalyse wurde mit einer bereits entwickelten Methode durchgeführt, bei der eine miniaturisierte schnelle, einfache, billige, effektive, robuste und sichere (QuEChERS) Probenvorbereitung und Gaschromatographie-Tandem-Massenspektrometrie zur Trennung und zum Nachweis verwendet wurden. Diese analytischen Daten wurden statistisch mit den bekannten Daten der Tiere (z. B. Alter, Geschlecht, Fundort und -zeit) korreliert.

Von 209 untersuchten Pestiziden und Schadstoffen wurden 28 Verbindungen nachgewiesen, wobei die häufigsten chlororganische Insektizide und polychlorierte Biphenyle waren, die seit Jahrzehnten durch das „Stockholmer Übereinkommen über persistente organische Schadstoffe“ verboten sind.

Zu den nachgewiesenen neueren Pestiziden, die in den letzten zehn Jahren legal verwendet wurden, gehörten Azol-Antimykotika und das Insektizid Fipronil. Die Fledermäuse waren mit Rückständen zwischen vier und 25 verschiedenen Stoffen belastet.

Statistische Datenanalysen zeigten, dass die Verteilung in ganz Deutschland weitgehend vergleichbar ist, einzelne Ausnahmen wurden in spezialisierten ökologischen Nischen beobachtet. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass diese Arbeit den bisher größten Datensatz zu Rückständen von Pestiziden und persistenten organischen Schadstoffen in europäischen Fledermäusen liefert.

Quelle:
Sonja Schanzer, Martin Koch, Andreas Kiefer, Thalia Jentke, Michael Veith, Franz Bracher, Johannes Bracher, Christoph Müller

Download: https://doi.org/10.1016/j.chemosphere.2022.135342.

Analysis of pesticide and persistent organic pollutant residues in German bats, Chemosphere, Volume 305, 2022, 135342, ISSN 0045-6535

28. Jahrestagung des LFA Fledermausschutz NRW

Das 28. Jahrestreffen des LFA Fledermausschutz wird am Samstag, den 12.11.2022 auf dem Heideportal Gut Leidenhausen e.V., Gut Leidenhausen 1 in 51147 Köln stattfinden und wird wie üblich um 10:00 Uhr beginnen. Die Tagung wird vom NABU-Stadtverband Köln und Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Umweltbildungszentrums Gut Leidenhausen organisiert.

Diese Tagung ist keineswegs nur für Experten bestimmt. Gerade auch Neulinge im Fledermausschutz werden viele interessante Dinge erfahren. Die Teilnahme an der Tagung ist – wie in jedem Jahr – kostenlos. Getränke, Mittagessen, Kaffee und Kuchen müssen aber vor Ort bezahlt werden.

Die Anmeldung zur Tagung und das Programm sind nunfreigeschaltet. Wir sind in diesem Jahr auf 100 Teilnehmerinnen und Teilnehmer limitiert und es sind bereits 112 Plätze vergeben.

Wir möchten Sie bitten, sich rege an der Tagung zu beteiligen und auch das Programm abwechslungsreich mit zu gestalten. Möglichkeiten für Posterpräsentationen sind vor Ort gegeben. Vorträge und auch Posterbeiträge bitte bei Christian Giese Tel. 02872 / 981688 oder per Mail giese@fledermausschutz.de anmelden. Vor Ort steht ein Beamer mit Laptop zur Verfügung.

Corona

Zurzeit gibt es bezüglich unserer Tagung keine Verordnung zum Schutz vor Neuinfizierungen mit dem Coronavirus. Dennoch setzen wir auf Ihre Eigenverantwortung. Hierzu sollen die allgemeinen Verhaltensregeln zu Abstand, Hygiene und Masken (sogenannte AHA-Regeln) in allen Lebensbereichen angemessen eigenverantwortlich und solidarisch beachtet werden. Link: Aktuelle Coronaschutzverordnung des Landes NRW

 

Programm der 28. Tagung des LFA Fledermausschutz NRW

ZeitVortrag
10:00 UhrDr. Carsten Trappmann (LFA):
Eröffnung der Tagung und Begrüßung der Teilnehmerinnen und Teilnehmer
10:15 UhrNABU Stadtverband Köln:
Fledermausschutz in Köln
10:45 UhrWilfried Knickmeier:
Änderung des Bundesnaturschutzgesetzes (BNatSchG) und die Auswirkungen auf den Schutz von Fledermäusen.
11:15 UhrKaffeepause
11:45 UhrDr. Frauke Krüger (LFA):
Quartiervariabilität einer Population von Wasserfledermäusen im Sauerland
12:15 UhrChristian Giese (LFA):
Winteraktivität von Zwerg- und Mückenfledermäusen - Erfassungsmethoden zum Schutz von Fledermäusen bei Abbruch und Sanierung von Gebäuden im Winter.
12:45 UhrMittagspause - Zeit zum Austausch
14:30 UhrDr. Carsten Trappmann (LFA), Christian Patalong (WWU Münster):
Fledermäuse im Wildpark in Dülmen. Akustische Erfassungen in einem interessanten Waldgebiet.
15:00 UhrChristian Jungmann:
Der Hoxeler Eisenbahntunnel - ein Winterquartier für 12 Arten
15:30 UhrMartin Starrach (LFA):
Analyse von Fledermauskot und Baumhöhlenuntersuchung.
16:00 UhrKaffeepause
16:30 UhrChristine Meyer-Cords
Das EUROBATS Abkommen: 30 Jahre Fledermausschutz in Europa
17:00 UhrTom Wegner (BAFF):
Die Ofenkaulen - FFH-Schutzgebiet und Winterquartier im Siebengebirge.
17:30 UhrMechthild Höller (LFA):
Fledermausfauna in Leverkusen – Einblick und Rückblick
18:00 UhrVerschiedenes und Ende der Tagung

 

Tagungsanmeldung

17.10.2022: Die Anmeldung ist nun geschlossen, wir sind mit 112 Teilnehmerinnen und Teilnehmern ausgebucht.

 

 

 

 

Rauhautfledermäuse ziehen weit: 2.486 km von Russland nach Frankreich

Fledermäuse können weiter wandern als bisher bekannt: ein neuer Rekord für die längste Wanderung von Rauhautfledermäusen (Pipistrellus nathusii).

Die Wanderungen von Fledermäusen werden seit langem erforscht, aber große Areale sind in dieser Hinsicht noch wenig untersucht. Nun wird von einer  Rekordwanderung der Rauhautfledermaus berichtet – 2486 km von Russland bis zu den französischen Alpen in nur 63 Tagen. Diese Entfernung übertrifft den bisherigen Rekordflug von Lettland nach Spanien um 260 km. Überwinternde Rauhautfledermäuse sind im Kaukasus bekannt. Die Daten zeigen jedoch, dass die Rauhautfledermäuse viel weiter in die Überwinterungsgebiete fliegen kann.

Quelle: Bats can migrate farther than it was previously known: a new longest migration record by Nathusius’ pipistrelle Pipistrellus nathusii (Chiroptera: Vespertilionidae). Denis Vasenkov, Jean-François Desmet, Igor Popov, Natalia Sidorchuk 2022

https://www.degruyter.com/document/doi/10.1515/mammalia-2021-0139/html

Vasenkov, Denis, Desmet, Jean-François, Popov, Igor and Sidorchuk, Natalia. „Bats can migrate farther than it was previously known: a new longest migration record by Nathusius’ pipistrelle Pipistrellus nathusii (Chiroptera: Vespertilionidae)“ Mammalia, vol. , no. , 2022. https://doi.org/10.1515/mammalia-2021-0139

 

Film ab: Die Mopsfledermaus im Porträt

Film ab! Das bundesweite Verbundprojekt „Schutz und Förderung der Mopsfledermaus in Deutschland“, welches sich zur Aufgabe gemacht hat unsere seltene Waldbewohnerin zu erforschen und zu schützen, hat nun zwei Filme in Form eines Artportraits und einer Projektvorstellung veröffentlicht.

Film 1: Die Mopsfledermaus im Porträt

Hinter der Rinde von Bäumen versteckt sich eine seltene Waldbewohnerin: Die Mopsfledermaus. Ihre platte Schnauze erinnert ein wenig an die eines Mopses, ansonsten ist sie ganz Fledermaus. Auch sie lebt am Tage im Verborgenen und ist während der Nacht aktiv. Die Mopsfledermaus hat jedoch ganz besondere Ansprüche an ihren Lebensraum und sie ist bedroht. Hier stellen wir euch die Art vor und wie wir sie gemeinsam mit Partnern aus ganz Deutschland schützen.

Film 2: Das Projekt „Schutz und Förderung der Mopsfledermaus in Deutschland“

Warum treffen sich Artenexperten*innen aus mehreren Bundesländern, Wissenschaftler aus dem Norden Deutschlands und Mitarbeitende von verschiedenen Naturschutzorganisationen in einem dunklen Tunnel mitten in Deutschland? Sie sind wegen ihr hier: Der Mopsfledermaus! Gemeinsam setzen sie sich in einem Verbundprojekt im Bundesprogramm Biologische Vielfalt für den Schutz der bedrohten Waldfledermaus ein. Wir stellen euch hier das Projekt, seine vielfältigen Aktivitäten und Partner aus ganz Deutschland vor.

Mehr Informationen über die Mopsfledermaus und das Verbundprojekt:
https://www.mopsfledermaus.de/

Auch Fledermäuse als Grund für den Krieg in der Ukraine missbraucht

Das Ukrainisch-Deutsche Forschungsprojekt über Zecken und Flöhe an Fledermäusen wird von Putin als Grund für den Angriff auf die Ukraine missbraucht. Die Forschung sei Teil eines geheimen, vom Westen finanzierten Biowaffenprojekts. Bei den Arbeiten handle es sich um ein ukrainisches Komplott, bei dem mit Unterstützung der Vereinigten Staaten krankheitsverseuchte Vögel, Fledermäuse und Reptilien über die Grenze geschickt würden, um Russen zu infizieren.

Daran kann man deutlich erkennen, wie verzweifelt und hilflos die russische Regierung versucht durch Lügen ihren Krieg zu rechtfertigen.

https://www.science.org/content/article/russians-must-know-it-s-lie-ukrainian-bat-research-spun-false-tale-bioweapons

Spendenaufruf:
Die Mitarbeiter des Ukrainischen Fledermaus Rehabilitationszentrums brauchen Eure Hilfe!
Es handelt sich um das größte Fledermaus Rehabilitations- und Forschungszentrum Europas in der Stadt Kharkiv/Charkiw. Sie betreuen tausende von Fledermäusen und tun dies selbst jetzt noch, trotz permanentem Beschuss und Bombenhagel durch die russischen Streitkräfte.

https://www.betterplace.me/ueberlebenshilfe-fuer-bat-center-in-ukraine-oder-kharkiv

 

Beachtung von Fledermäusen beim Ausbau der Windenergie

Fachpapier des BFA Fledermäuse im NABU:
Position zur Beachtung von Fledermäusen beim weiteren Ausbau der Windenergie

Die öffentliche Debatte um den Windenergieausbau fokussiert aktuell in erster Linie auf den Konflikt zwischen Windenergieanlagen (WEA) und Vögeln. Die Konfliktlagen, die mit anderen Tiergruppen bestehen, werden in der Debatte weitestgehend ausgeblendet. Im Falle von Fledermäusen liegt dies vermutlich an der Annahme, mit Hilfe technischer Minimierungsmaßnahmen wie der Abschaltung von WEA seien die Konflikte in diesem Spannungsfeld gelöst. Dies ist allerdings ein Irrtum. Hinsichtlich des Fledermausschutzes werden in Deutschland einige artenschutzrechtlich bedenkliche Praktiken im Rahmen von Genehmigungsverfahren von WEA umgesetzt, die einer ökologisch nachhaltigen Energiewende widersprechen.

Es ist unbestritten, dass der Ausbau der Windenergie im Ganzen als Teil der Energiewende dem Klimaschutz dient. Biodiversitäts- und Klimakrise sind aber zwei Krisen, die in ihrer ökologischen und gesellschaftlichen Bedeutung als gleichwertig zu behandeln sind. Die Klimakrise fördert zwar das globale Artensterben, die Hauptursache für die Biodiversitätskrise liegt aber in den von Menschen bewirkten weltweiten Landnutzungsänderungen. Da Klimaerwärmung und Biodiversitätskrise unterschiedliche Hauptursachen haben, sind die Ansätze zu deren Bekämpfung unterschiedlich. Genauso wie Naturschutz dem Klimaschutz dient, hilft ökologisch nachhaltiger Klimaschutz auch dem Naturschutz. Klimaschutz kann jedoch wirksamen Artenschutz nicht ersetzen. Im Falle der Fledermäuse ist es unklar, welche Auswirkungen der Klimawandel auf einheimischen Arten haben wird. Der Ausbau der Windenergie ist somit zwar als Klimaschutzmaßnahme zu werten, nicht aber als wichtigste Maßnahme zum Schutz von Fledermäusen oder gar der globalen Biodiversität, wie das regelmäßig in Diskussionen angeführt wird.

Der Zielkonflikt zwischen Naturschutz und Klimaschutz ist bei Planungen von WEA anzuerkennen. Er kann nur dann aufgelöst werden, wenn beiden Zielen gleichwertiger Raum gegeben wird. Auf Grund biologischer Besonderheiten und des hohen Schutzstatus der Fledermäuse besteht die Notwendigkeit einer umfangreichen Berücksichtigung von Fledermäusen bei der Planung und dem Betrieb von WEA. Das folgende Papier soll einige der Konfliktfelder aufführen und Lösungsansätze wiedergeben.

Download: Fachpapier_Windenergie_u_Fledermaeuse_BFA_23_03_2022

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