32. Jahrestagung des LFA Fledermausschutz NRW

Das 32. Jahrestreffen des LFA Fledermausschutz wird am Samstag, den 14.11.2025 in der Zehntscheune der ehemaligen Abtei Heisterbach, Siegburger Str. 10, 53639 Königswinter (Anfahrtsbeschreibung) stattfinden und wie üblich um 10:00 Uhr beginnen.

Auch in diesem Jahr wird die Tagung durch Mittel der Natur- und Umweltschutz-Akademie NRW (NUA) gefördert. Die Tagung findet in Präsenz statt, eine Online-Übertragung ist nicht vorgesehen. Herzlichen Dank an das Team des Bonner Arbeitskreis für Fledermausschutz (BAFF) für die Organisation vor Ort!

Diese Tagung ist keineswegs nur für Experten bestimmt. Gerade auch Neulinge im Fledermausschutz werden viele interessante Dinge erfahren. Selbstverständlich ist die Teilnahme an der Tagung – wie in jedem Jahr – kostenlos.

Wir möchten Sie bitten, sich rege an der Tagung zu beteiligen und auch das Programm abwechslungsreich mit zu gestalten. Möglichkeiten für Posterpräsentationen sind vor Ort gegeben. Vorträge und auch Posterbeiträge bitte bei Christian Giese Tel. 02872 / 981688 oder per Mail giese@fledermausschutz.de melden. Vor Ort steht ein Beamer mit Laptop zur Verfügung.

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Vorläufiger Programmablauf

  1. Lucas Gülcan (NABU NRW): Projektvorstellung „Lebensraumschutz für Waldfledermäuse

32. Tagung (2026) LFA Fledermausschutz NRW

ZeitVortrag
10:00 UhrChristian Giese (LFA):
Eröffnung der Tagung und Begrüßung der Teilnehmerinnen und Teilnehmer
10:15 Uhr
10:45 Uhr
11:15 UhrKaffeepause
11:45 Uhr
12:15 Uhr
12:45 UhrGruppenfoto und anschließend Mittagspause - Zeit zum Austausch
14:00 Uhr
14:45 Uhr
15:15 Uhr
15:45 UhrKaffeepause
16:15 Uhr
16:45 Uhr
17:15 UhrVerschiedenes und Ende der Tagung

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  • Christian Giese (LFA) & ? Ankündigung der 33. Tagung des LFA Fledermausschutz NRW


Poster:

  1. Dr. Carsten Trappmann (LFA): Bemerkenswerte Entwicklung in einem neuen Fledermaus-Winterquartier in Coesfeld
  2. Christian Giese (LFA): Winteraktivität von Zwergfledermäusen – Erfassungsmethoden zum Schutz von Fledermäusen bei Abbruch und Sanierung von Gebäuden im Winter.
  3. Christian Giese (LFA): nrw.Observation.org – Echtzeit-Datenbank zur Vorprüfung des Artenspektrums für Behörden, Gutachter und Ehrenamt.
  4. Christian Giese (LFA): Mopsfledermäuse im Kreis Borken …typisch kann ja jeder!
  5. Christian Giese (LFA): Mopsfledermäuse im Kreis Borken …akustische Nachweise im Winter
  6. Christian Giese (LFA): Mopsfledermäuse im Kreis Borken …Winterfunde in Baumquartieren
  7. Dr. Gabriella Krivek (Universität Greifswald): BatNet – ein auf Deep Learning basierendes Tool zur automatischen Identifizierung von Fledermausarten anhand von Kamerafallenbildern.

Tagungsanmeldung

Die Anmeldung zur Tagung bald freigeschaltet.

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Corona

Zurzeit gibt es bezüglich unserer Tagung keine Verordnung zum Schutz vor Neuinfizierungen mit dem Coronavirus. Dennoch setzen wir auf Ihre Eigenverantwortung. Hierzu sollen die allgemeinen Verhaltensregeln zu Abstand, Hygiene und Masken (sogenannte AHA-Regeln) in allen Lebensbereichen angemessen eigenverantwortlich und solidarisch beachtet werden. Link: Aktuelle Coronaschutzverordnung des Landes NRW

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Neue Art in Europa: Schlitzgesichtfledermaus

Manche zoologischen Nachweise bleiben jahrhundertelang als ungeklärte Spuren bestehen – zu vieldeutig, um sie zu bestätigen, doch zu faszinierend, um sie zu verwerfen. Dies könnte auf die ägyptische Schlitzgesichtfledermaus (Nycteris thebaica) in Sizilien zutreffen, wo Hinweise aus dem 19. Jahrhundert auf Nycteris hispidus keine Angaben zum Fundort, keine Exemplare und keine diagnostischen Beschreibungen enthielten und erst später als mögliche N. thebaica interpretiert wurden.

Pantelleria, eine Vulkaninsel im Kanal von Sizilien und ein biogeografischer Knotenpunkt zwischen Nordafrika und Europa, bietet einen idealen Schauplatz für ein solches, lange übersehenes Vorkommen.

Nach dem Nachweis ungewöhnlicher Echoortungsrufe von Fledermäusen während der passiven Überwachung führten wir eine gezielte akustische Untersuchung durch. Dazu setzten wir passive Aufnahmegeräte ein, die weniger als 0,5 m über dem Boden angebracht und auf maximale Empfindlichkeit eingestellt waren, um die leisen Rufe dieser tief fliegenden, flüsternden Fledermaus einzufangen. Wir nahmen hochwertige Tonaufnahmen auf, die N. thebaica zuzuordnen sind, darunter sehr kurze, mehrharmonische, frequenzmodulierte Echoortungsrufe, soziale Lautäußerungen sowie eine Sequenz, in der zwei Fledermäuse gemeinsam fliegen. Wir liefern den ersten eindeutigen Nachweis für N. thebaica in Europa und weisen auf das Vorkommen einer kleinen, bisher unentdeckten Population auf Pantelleria hin. Die Art ist bei früheren Erhebungen wahrscheinlich aufgrund ihres niedrigen Fluges, ihrer leisen hochfrequenten Echoortung und ihrer geringen Populationsgröße übersehen worden.

Ihr Vorkommen auf Pantelleria lässt sich am besten als eine lange vernachlässigte Randpopulation afrikanischen Ursprungs interpretieren, die nicht nur eine neue Fledermausart für Europa dokumentiert, sondern auch den ersten europäischen Vertreter der Familie der Nycteridae darstellt. Im weiteren Sinne zeigt unsere Studie, dass gezielte akustische Probenahmen langjährige Unsicherheiten hinsichtlich der Verbreitung von Randpopulationen von Fledermäusen mit leisen Rufen beseitigen und übersehene Bestandteile der regionalen Säugetierfauna aufdecken können.

Quelle:
Danilo Russo, Luca Cistrone, Andrea Biddittu, Mirjam Knörnschild
A ghost from the past: acoustic evidence for the long-overlooked occurrence of the African bat Nycteris thebaica in Europe,
Global Ecology and Conservation, 2026, e04377, ISSN 2351-9894,
https://doi.org/10.1016/j.gecco.2026.e04377.
(https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S2351989426003276)

Sommernachweis der Großen Hufeisennase im Kreis Düren

Außergewöhnlicher Nachweis im Rahmen eines akustischen Langzeit-Fledermausmonitorings
Im Kreis Düren ist im Rahmen eines seit mehreren Jahren durchgeführten akustischen Fledermausmonitorings ein bemerkenswerter Nachweis der Großen Hufeisennase (Rhinolophus ferrumequinum) gelungen. Die Art wurde anhand charakteristischer Ultraschallrufe während der Sommermonate in einem Gebäudedachstuhl registriert.
Der Nachweis erfolgte nicht im Rahmen einer gezielten Suche nach der Großen Hufeisennase, sondern als Beifund eines langfristig angelegten Monitorings zum Vorkommen und zur Gebäudenutzung durch das Graue Langohr (Plecotus austriacus). Der Fund unterstreicht damit die Bedeutung kontinuierlicher akustischer Erfassungen für die Dokumentation seltener und unerwartet auftretender Fledermausarten.

Methodischer Hintergrund
An dem untersuchten Gebäude werden seit mehr als sechs Jahren, teilweise ganzjährig und ganztägig, automatische Ultraschalldetektoren (BatPi, http://www.bat-pi.eu/) eingesetzt. Ziel des Monitorings ist es, die zeitliche Nutzung des Dachraumes durch Fledermäuse zu erfassen und insbesondere die Aktivität des Grauen Langohrs zu dokumentieren.
Im Verlauf der Untersuchungen entstand eine umfangreiche Sammlung von Ultraschallaufnahmen, darunter sowohl Rufsequenzen als auch Aufzeichnungen von Störsignalen. Die zeitintensive und systematische Analyse dieses umfangreichen Datenbestandes brachte unerwartet einzelne Sequenzen zutage, die aufgrund ihrer markanten und eindeutigen Rufcharakteristik der Großen Hufeisennase zugeordnet werden konnten.

Besondere faunistische Bedeutung
Die Große Hufeisennase zählt zu den seltensten Fledermausarten Deutschlands. Nachweise der Art sind insbesondere in Nordrhein-Westfalen ausgesprochen selten. Bekannt gewordene Beobachtungen konzentrierten sich in den vergangenen Jahren vor allem auf Winterquartiere, unter anderem in der Eifel und angrenzenden Naturräumen.

Nachweis während der Sommermonate.
Von besonderem Interesse ist der Zeitpunkt des aktuellen Nachweises. Anders als die bislang bekannten Funde handelt es sich um einen Sommernachweis. Das räumlich nächstgelegene bekannte Wochenstubengebiet befindet sich in Luxemburg. Nach einschlägiger Literatur erscheint dieses jedoch aufgrund der dort beschriebenen, in der Regel kleinräumigen Wanderbewegungen der Art vergleichsweise weit entfernt. Ein Sommernachweis kann aus populationsökologischer Sicht von besonderer Bedeutung sein, da er Hinweise auf eine saisonale Nutzung des betreffenden Naturraums geben kann. Zugleich lässt sich aus einzelnen Nachweisen nicht ableiten, dass sich in der Region bereits eine etablierte Sommer- oder Reproduktionspopulation gebildet hat. Hierfür sind weitere Untersuchungen erforderlich.

Wiederholte Registrierung über zwei Jahre
Besonders bemerkenswert ist, dass die Große Hufeisennase nicht nur einmalig registriert wurde. Nach den vorliegenden Aufzeichnungen konnten Rufsequenzen über mindestens zwei Sommerperioden und an mehreren Untersuchungstagen zwischen Mai und August erfasst werden.
Damit gewinnt der Befund gegenüber einem isolierten Einzelnachweis deutlich an Aussagekraft. Gleichzeitig stellt sich die Frage, welche Funktion das untersuchte Gebäude beziehungsweise der Dachraum für die Art besitzt.
Denkbar sind verschiedene Formen der Nutzung, beispielsweise eine sporadische Nutzung als Quartier, eine Nutzung im Zusammenhang mit der Nahrungssuche oder auch eine durchgehende Nutzung weiterer Bereiche des Gebäudekomplexes während des gesamten Sommers.
Welche dieser Funktionen tatsächlich vorliegt, lässt sich anhand der bisherigen akustischen Daten nicht beurteilen. Der aktuelle Kenntnisstand wirft daher mehr Fragen auf, als die bisherigen Untersuchungen beantworten können.

Bedeutung der akustischen Erfassung
Die Große Hufeisennase weist eine besondere Rufcharakteristik auf. Ihre überwiegend hochfrequenten Rufe besitzen im Vergleich zu den Signalen vieler anderer europäischer Fledermausarten eine relativ geringe Reichweite. Dadurch ist die Wahrscheinlichkeit eines akustischen Nachweises bei Detektoruntersuchungen begrenzt.
Dies gilt insbesondere für Untersuchungen, bei denen nur kurze Zeiträume – etwa einzelne Nächte oder wenige Tage – in der freien Landschaft erfasst werden.
Durch die kontinuierliche oder wiederholte Datenerhebung steigt insgesamt die Wahrscheinlichkeit, seltene Arten auch dann zu erfassen, wenn deren Aktivität nur sporadisch oder räumlich eng begrenzt auftritt.
Einschränkend gilt, dass auch in großen Innenräumen aufgrund der begrenzten Reichweite der Rufe methodisch akustische Erfassungsgrenzen gegeben sind. Die Reichweite der Rufe der Großen Hufeisennase wird in der Literatur mit etwa 10 m angegeben, sodass sich die akustische Erfassung in einem großen Dachraum auf einen vergleichsweise kleinen Bereich um den Detektor beschränkt.

Meldung an die zuständigen Naturschutzbehörden
Der Fund wurde an die zuständige Untere Naturschutzbehörde des Kreises Düren sowie an das Landesamt für Natur, Umwelt und Klima Nordrhein-Westfalen (LANUK) zur Berücksichtigung im landesweiten Fundortkataster gemeldet.
Eine zeitnahe Dokumentation solcher Nachweise ist insbesondere bei seltenen und streng geschützten Arten von großer Bedeutung. Sie ermöglicht es den zuständigen Fachbehörden, neue Erkenntnisse zur Verbreitung und zur saisonalen Nutzung von Lebensräumen in die naturschutzfachliche Bewertung einzubeziehen.

Konsequenzen für den Gebäudeschutz
Der Nachweis unterstreicht zugleich die Bedeutung geeigneter Gebäudequartiere für den Fledermausschutz. Insbesondere wenig gestörte Dachräume können für Fledermäuse wichtige Funktionen übernehmen.
Bei Gebäuden mit nachgewiesener Fledermausaktivität sollte deshalb vor baulichen Veränderungen, Sanierungsmaßnahmen oder Nutzungsänderungen geprüft werden, welche Bedeutung die jeweiligen Gebäudebereiche für die vorkommenden Arten besitzen. Dies gilt in besonderem Maße für seltene Arten. Die Erhaltung geeigneter Einflugmöglichkeiten, störungsarmer Bereiche und potenzieller Quartierstrukturen kann dabei einen wesentlichen Beitrag zum Schutz der lokalen Fledermausfauna leisten.

Weiterführende Untersuchungen
Aufgrund der wiederholten Nachweise soll das Monitoring am Untersuchungsstandort fortgesetzt und methodisch erweitert werden. Zusätzliche automatische Detektoren sowie eine räumlich differenzierte Erfassung sollen dazu beitragen, die offenen Fragen zum Vorkommen der Großen Hufeisennase einzugrenzen.

Von besonderem Interesse sind folgende Fragen:

  • Wird der untersuchte Dachraum durchgehend oder zeitweise als Quartier genutzt? Wo liegt der Hauptnutzungsbereich im Dachraum?
  • Welche weiteren Bereiche des Gebäudekomplexes werden möglicherweise von der Art genutzt?
  • Handelt es sich um ein einzelnes Individuum oder um mehrere Tiere?
  • Welche Bedeutung haben umliegende Nahrungshabitate?
  • Gibt es weitere Vorkommen der Art im Kreis Düren beziehungsweise in den angrenzenden Naturräumen?

Erst durch eine Kombination aus weiterem akustischem Langzeit-Monitoring, gezielten Gebäudekontrollen und gegebenenfalls weiteren Untersuchungsmethoden wird sich die ökologische Bedeutung des Fundortes belastbar beurteilen lassen

Ausblick
Der Nachweis der Großen Hufeisennase im Kreis Düren stellt einen fachlich besonders interessanten Beitrag zur Kenntnis der aktuellen Verbreitung der Art in Nordrhein-Westfalen dar. Vor allem die wiederholte akustische Registrierung während zweier Sommerperioden rechtfertigt eine weiterführende Untersuchung.
Der Fund zeigt zugleich, dass langfristige und systematische Fledermauserfassungen auch über die ursprünglich definierte Zielsetzung hinaus einen erheblichen Erkenntnisgewinn liefern können. Gerade bei seltenen Arten sind kontinuierliche Monitoringansätze von besonderem Wert, da sporadische Einzeluntersuchungen das tatsächliche Vorkommen aufgrund artspezifischer Verhaltensweisen und begrenzter Nachweiswahrscheinlichkeiten möglicherweise unterschätzen.
Die weitere Untersuchung des Fundortes soll daher dazu beitragen, die Bedeutung des Gebäudes und seines Umfeldes für die Große Hufeisennase genauer einzuordnen und mögliche Schutzmaßnahmen auf eine belastbare fachliche Datengrundlage zu stellen.

AK Fledermausschutz Aachen, Düren, Euskirchen (NABU / BUND / LNU)
Leitung: Dr. Henrike und Holger Körber
Am Hofacker 12
52379 Langerwehe
E-Mail: holger.koerber@online.de

Studie: Langfristiges, individuenbasiertes Monitoring im Fledermausschutz

Erkenntnisse aus automatisierten PIT-Tag-Überwachungen

Hintergrund
Die Bedeutung langfristig angelegter, individuenbasierter Feldstudien für die Beantwortung zentraler Fragen des Artenschutzes ist allgemein anerkannt. Bei Fledermäusen sind solche Studien jedoch aufgrund der damit verbundenen Herausforderungen selten.

Ziele
Diese Übersicht fasst den aktuellen Wissensstand zu den Ergebnissen langfristiger, individuenbasierter Beobachtungen zum Schutz von Fledermäusen zusammen, wobei der Schwerpunkt auf Daten liegt, die durch die automatisierte Überwachung mit passiven integrierten Transpondern (PIT-Tags) gewonnen wurden.

Methoden
Das Team hat die Literatur zu langfristigen, individuenbasierten Fledermaus-Monitoringstudien für Naturschutzzwecke ausgewertet, wobei sie sich auf das automatisierte PIT-Tag-Monitoring konzentrierten. Sie führten gezielte Literaturrecherchen zu statistischen Tools für die Analyse individuenbasierter Daten durch, die mit automatisierten Systemen erhoben wurden, sowie zu den damit verbundenen Herausforderungen und Chancen. Abschließend stellen Sie zwei Fallstudien vor, die auf Informationen aus eigenen langfristigen automatisierten PIT-Tag-Monitoring von fünf Fledermausarten in Deutschland basieren.

Ergebnisse
Sie stellten fest, dass nur eine begrenzte Anzahl von Fledermausarten über einen Zeitraum von mehr als drei Jahren mit automatischen PIT-Tag-Loggern überwacht wurde. Bei fast allen Arten handelt es sich um Fledermäuse der gemäßigten Zone. Die Überwachung erfolgte an Sommerquartieren, darunter Gebäude, Höhlen, Fledermauskästen und Baumhöhlen, sowie an Überwinterungsquartieren. Die jeweiligen Studien untersuchten verschiedene für den Artenschutz relevante Variablen, darunter die Bewegung zwischen Quartieren, demografische Parameter wie Überleben und Fortpflanzung sowie Bestandsentwicklungen. Die eigene Forschung zeigt, wie diese Methode artenschutzrelevante Informationen liefern kann, die mit Zählungen oder klassischen Fang-Markierung-Wiederfang-Verfahren, die eine regelmäßige Handhabung der Fledermäuse erfordern, nicht gewonnen worden wären.

Schlussfolgerungen
Das langfristige, individuenbasierte Monitoring bleibt eine anspruchsvolle und ressourcenintensive Aufgabe. Die automatisierte PIT-Tag-Überwachung bietet neue Möglichkeiten für die langfristige Fledermausüberwachung, indem sie die Erfassung hochrelevanter Naturschutzdaten erleichtert.

Quelle
Kerth, G.G. KrivekF. MeierF. ChávezS. Schirmer, and J. van Schaik2026.
Long-Term Individual-Based Monitoring in Bat Conservation: Insights From Automated PIT-Tag Monitoring.” 
Mammal Review 56, no. 3: e70045. https://doi.org/10.1111/mam.70045.

Fledermäuse: Elektromagnetisches Rauschen beeinträchtigt Orientierung

Wie sich vom Menschen verursachte elektromagnetische Störungen auf Lebewesen auswirken können, ist ein bislang kaum erforschter Aspekt einer zunehmend urbanisierten natürlichen Umwelt, insbesondere wenn diese Störungen in nicht tödlicher Form auftreten. In dieser Studie untersuchte das Autoren-Team um Dr. Oliver Lindecke die Auswirkungen schwacher breitbandiger Hochfrequenzfelder (HF-Felder) auf das Verhalten von Tieren.

Das Team setzte wandernde Mückenfledermäuse (Pipistrellus pygmaeus) HF-Feldern im Bereich von 0,01 bis 300 Megahertz aus und testete anschließend ihre Orientierungsfähigkeit im Laufe der Nacht. Während sich die Fledermäuse der Kontrollgruppe normal orientierten, zeigten die Fledermäuse, die HF-Störsignalen ausgesetzt waren, eine zufällige Flugrichtung beim Abflug, was auf Störeffekte hindeutet, die über die unmittelbare Einwirkung hinaus andauern.

Diese Ergebnisse legen nahe, dass elektromagnetische Verschmutzung das Potenzial hat, das Verhalten von Tieren stärker zu beeinflussen als bisher angenommen.

Die vom Menschen verursachte elektromagnetische Strahlung kann demnach Stressfaktor für Wildtiere wirken, wobei die Auswirkungen sogar über die unmittelbare Belastung hinausgehen. Das Autorenteam belegt einen reproduzierbaren Nachwirkungseffekt menschengemachter elektromagnetischer Störungen auf die Orientierungsfähigkeit von Fledermäusen.

Unabhängig vom konkreten Grund für den beobachteten Nachwirkungseffekt sind die potenziellen ökologischen Folgen der hier aufgezeigten Störung besorgniserregend, da sich die aktuellen Belastungsgrenzwerte ausschließlich auf Menschen beziehen, wodurch Wildtiere selbst innerhalb der Grenzwerte gefährdet bleiben.

Der weithin erwartete Anstieg der elektromagnetischen Belastung als Folge von Urbanisierungstrends und der weltweiten Verbreitung drahtloser Technologien könnte die Auswirkungen des vom Menschen verursachten Klimawandels und der Landnutzungsänderung weiter verstärken, indem er die Wanderbewegungen von Wildtieren stört.

Quelle:

Oliver Lindecke, William T. Schneider, Viesturs Vintulis, Nicole Jordan, Fyodor Cellarius, Lara C. Marggraf, Jaclyn Niehues, Valts Jaunzemis, Oskars Keišs, Richard A. Holland
Disruptive effects of brief radiofrequency noise exposure on migratory bat navigation. Science392,977-979(2026).DOI:10.1126/science.adq4418

Weitere Publikation:

Stille Störung: Vom Menschen verursachte elektromagnetische Störungen haben langfristige Auswirkungen auf die Flugorientierung von Fledermäusen
Alfonso Balmori, Alfonso Balmori-de la Puente, Silent  nterference, Science, 3926801, (922-923), (2026).
https://www.science.org/doi/10.1126/science.aei2381

 

Kleinabendsegler: Neue Studie zeigt überraschende Flugrouten

Der Kleinabendsegler, Fledermaus des Jahres 2026/27, legt auf seinen saisonalen Wanderungen quer durch Europa erstaunliche Strecken zurück. Forschende konnten jetzt im Rahmen einer vom Bundesamt für Naturschutz geförderten Studie erstmals die Zugwege dieser seltenen und geschützten Art genau nachverfolgen.

Ergebnisse des Projekts „Ein Arten-Aktionsplan für den Kleinabendsegler“ zeigen eindrucksvoll, welche Leistungen die kleinen Säugetiere vollbringen: Trotz eines Körpergewichts von nur etwa 13 bis 18 Gramm – ungefähr so schwer wie zwei 1-Euro-Münzen – und einer Kopf-Rumpf-Länge von weniger als sieben Zentimetern legten manche Individuen mehr als 380 Kilometer in nur einer Nacht zurück, etwa vom Thüringer Wald bis zum Bodensee. Innerhalb weniger Nächte flogen die Kleinabendsegler Distanzen von bis zu über 1.000 Kilometern. Einzelne Tiere überquerten dabei sogar die Alpen. Möglich wurden diese Erkenntnisse erst durch den Einsatz einer neuartigen Sendertechnologie. Insgesamt lieferten die besenderten Fledermäuse Positionsdaten aus zwölf europäischen Ländern. 

Überraschend sind auch die individuell sehr unterschiedlichen Zugwege. Weibchen aus demselben Wintergebiet starteten an unterschiedlichen Tagen und flogen in völlig verschiedene Regionen. So zogen Tiere aus Südbaden im Frühjahr zum Beispiel nach Minden, auf die Insel Rügen oder bis nach Prag. Fledermäuse aus dem Tessin flogen hingegen bis nach Südpolen und Ungarn. Auch im Herbst verteilten sich die Tiere aus einer Thüringer Sommerkolonie auf weit auseinanderliegende Überwinterungsorte – von Luxemburg und Nordrhein-Westfalen über den Starnberger See in Süddeutschland bis in die Schweiz und sogar nach Südfrankreich. Trotz der großen individuellen Unterschiede deuten die Daten darauf hin, dass einzelne Tiere dabei jedes Jahr dasselbe Sommer- bzw. Wintergebiet aufsuchen und dafür dieselben Zugwege nutzen. 

Auf ihren weiten Wanderungen sind die Fledermäuse zahlreichen Gefahren ausgesetzt. Eine zunehmende Rolle spielen dabei auch Windenergieanlagen, an denen es zu Kollisionen kommen kann. Hinzu kommt der Verlust geeigneter Lebensräume. Die Fledermäuse sind auf insektenreiche Gebiete und alte Wälder mit Höhlenbäumen angewiesen, da sie ausreichend Nahrung und sichere Quartiere benötigen – sowohl in den Sommer- und Überwinterungsgebieten als auch entlang ihrer Zugwege. Um auf die Schutzbedürftigkeit dieser Art aufmerksam zu machen und Schutzmaßnahmen zu fördern, haben die Mitgliedsverbände von BatLife Europe den Kleinabendsegler zur Fledermaus des Jahres 2026/27 gewählt.

Das Projekt „Ein Arten-Aktionsplan für den Kleinabendsegler“ schafft eine verlässliche Datengrundlage für gezielte Schutzmaßnahmen. Aufgrund seiner weiten Wanderungen ist der Kleinabendsegler auf international abgestimmte Schutzmaßnahmen angewiesen, zu deren Umsetzung Deutschland unter anderem im Rahmen der Bonner Konvention sowie des EUROBATS-Abkommens verpflichtet ist. Die im Projekt gewonnenen Erkenntnisse fließen in einen konkreten Maßnahmenplan ein und bilden zugleich die Grundlage für einen nationalen Arten-Aktionsplan. Ziel ist es, den Kleinabendsegler langfristig besser zu schützen und seine wichtigen Lebensräume dauerhaft zu sichern. Das Projekt wird vom Bundesamt für Naturschutz mit Mitteln des Bundesumweltministeriums im Nationalen Artenhilfsprogramm (nAHP) gefördert.

Quelle:
Pressemitteilung Nationales Artenhilfsprogramm „Ein Aktionsplan für den Kleinabendsegler“
https://www.bfn.de/aktuelles/kleine-fledermaeuse-auf-grosser-reise-neue-studie-zeigt-ueberraschende-flugrouten

Künstliches Licht und Ultraschall vertreibt Wasserfledermäuse

Fledermäuse haben die Fähigkeit, ihre Beute im nächtlichen Himmel mittels Echoortung aufzuspüren, doch diese dunkle und ruhige sensorische Nische wird zunehmend durch künstliche Licht- und Lärmbelastung beeinträchtigt.

Das Autoren-Team teste die Hypothesen, dass solche Belastungen Fledermäuse von ihren Jagdgebieten vertreiben und dass diese Vertreibung mit der Intensität der Stressfaktoren zunimmt. Dazu setzten sie wildlebende Wasserfledermäuse (Myotis daubentonii) kontrollierten Licht- oder breitbandigen Ultraschallgeräuschen aus und zeichneten die Aktivitätsniveaus der Fledermäuse mittels passiver akustischer Überwachung in unterschiedlichen Entfernungen zu den Störfaktoren auf.

Sie stellen fest, dass Licht- und Lärmbelastungen die Fledermausaktivität im Vergleich zu Kontrollzeiträumen in einem Umkreis von 6 m um die Stressorquelle um 43 % bzw. 49 % reduzierten. Der Verdrängungseffekt nahm mit zunehmender Entfernung zu den Licht- und Lärmquellen ab.

In 20 m Entfernung von der Quelle führte eine Lichtstärke von 1 Lux noch zu einer leichten Verringerung der Fledermausaktivität. Im Gegensatz dazu lösten Lärmpegel von 56 dB re. 20 μPa RMS in 20 m Entfernung keine messbare Verdrängung der Fledermäuse mehr aus.

Sie kommen zu dem Schluss, dass mäßige künstliche Licht- und Lärmbelastung Fledermäuse von ihren Nahrungsgebieten verdrängen kann und dass Licht- und Ultraschallbelastung in der Umgebung kritischer Fledermauslebensräume vermieden werden sollte.

Quelle:
Caspersen, M.R., Mortensen, S.A., Beedholm, K. et al. Light and ultrasonic noise pollution displaces trawling Daubenton’s bats. Sci Rep (2026). https://doi.org/10.1038/s41598-026-50747-0

Abendsegler: Paarung nach dem Winterschlaf?

Fortpflanzungszeitpunkt bei Fledermäusen: Hinweise auf eine Paarung im Frühjahr nach dem Winterschlaf

Fledermäuse der gemäßigten Zonen paaren sich in der Regel im Herbst, doch vereinzelte Hinweise deuten darauf hin, dass einige Arten sich möglicherweise auch im Frühjahr paaren. Am Beispiel der Abendsegler (Nyctalus noctula) untersuchte das Autorenteam den Fortpflanzungsstatus nach dem Winterschlaf, um das Vorkommen von Paarungen im Frühjahr zu beurteilen.

Das Team untersuchte Merkmale bei Männchen (Bukkal-Drüsen, Hoden, Nebenhoden) und Weibchen (Bukkal-Drüsen, Fortpflanzungsstatus) und entwickelte eine minimalinvasive Methode zur Vaginallavage, die für die Fortpflanzungsbeurteilung bei weiblichen Fledermäusen im Feld geeignet ist.

Sie stellten fest, dass die Nebenhoden der Männchen nach dem Winterschlaf häufig geschwollen waren, was auf zurückgehaltene Spermien hindeutet, obwohl die Spermatogenese im Herbst und während des Winterschlafs unterbrochen war. Die vaginale Zytologie ergab keine Hinweise auf eine unmittelbare Befruchtung nach dem Erwachen, doch 15 % der Abstriche deuteten auf eine kürzlich erfolgte Paarung hin. Die Größe der Bukkal-Drüsen stand in positivem Zusammenhang mit der Jahreszeit und der Größe der Nebenhoden, was sowohl mit einer sexuellen, als auch einer umfassenderen sozialen Funktion im Einklang steht.

Zusammengenommen deuten diese Ergebnisse darauf hin, dass die aktive Paarung bei N. noctula bis in den Frühling hinein andauern kann, was möglicherweise Möglichkeiten zur Fortpflanzung vor der Wanderung bietet. Darüber hinaus liefert das Team den ersten histologischen Nachweis für die Spermienphagozytose durch Neutrophile bei Fledermäusen, was die Hypothese der leukozytären Beseitigung nicht lebensfähiger Spermien stützt, wie sie bei anderen Säugetieren dokumentiert ist.

Quelle:
Mathgen, X., Busse, P., Fasel, N. et al. Reproductive timing in bats: evidence of spring mating following hibernationMamm Biol (2026). https://doi.org/10.1007/s42991-026-00581-8

Teichfledermäuse: Ruhen oder fliegen – Funktionale Lebensraumnutzung

Als wichtige Akteure in vielen Landökosystemen haben insektenfressende Fledermäuse in Europa hohe Priorität im Naturschutz und stehen unter internationalem Schutz. Die fortschreitende Ausdehnung menschlicher Siedlungen und Landnutzungsänderungen haben ihre Lebensräume jedoch tiefgreifend verändert, und das Verständnis ihrer Lebensraumnutzung ist für eine effektive Naturschutzplanung unerlässlich. Dennoch werden Verhaltenszustände, insbesondere die nächtliche Ruhephase, bei der Quantifizierung der Lebensraumnutzung selten berücksichtigt.

Diese Studie präsentiert die erste auf GPS-Tracking basierende quantitative Bewertung der Lebensraumnutzung der Teichfledermaus (Myotis dasycneme), einer gefährdeten Spezialistin für die Nahrungssuche über der Wasseroberfläche, unter Berücksichtigung unterschiedlicher Aktivitäts- und Ruheverhalten außerhalb des Quartiers.

Durch die Kombination von hochauflösendem GPS-Tracking mit dreiachsiger Beschleunigungsmessung unterschied das Autorenteam Aktivität (Futtersuche und Fortbewegung) von Ruhezuständen und untersuchten mithilfe verallgemeinerter linearer gemischter Modelle ihre funktionale Lebensraumnutzung in Bezug auf relevante Landbedeckungstypen und Landschaftsmetriken.

Sie stellten fest, dass Teichfledermäuse einen erheblichen Teil der Nacht zwischen den aktiven Phasen mit Ruhen verbrachten, wobei mehr als die Hälfte der Ruhephasen außerhalb von Gebäuden stattfand. Sie nutzten vielfältige, einfach strukturierte Süßgewässer und Uferbereiche zur Unterstützung ihrer aktiven Verhaltensweisen und mieden konsequent Anbauflächen, während sie sich auf Mosaike aus offener und geschlossener Vegetation, vor allem Waldränder und vereinzelte Bäume in der Nähe von Nahrungsgewässern, konzentrierten, um das nächtliche Ruhen außerhalb von Gebäuden zu ermöglichen.

Der Schutz von Teichfledermäusen erfordert die Erhaltung von Nahrungshabitaten (z. B. vielfältige Gewässer mit Ufervegetation) und Transitwegen (z. B. regelmäßig gestaltete Uferböschungen) sowie die Erhaltung oder Bereitstellung landschaftsspezifischer Nachtquartiere in der Nähe von Nahrungsgebieten.

Die Einbeziehung verhaltensspezifischer Habitatnutzung, insbesondere von Nachtquartieren, ist entscheidend für einen wirksamen Fledermausschutz und ein gezieltes Landschaftsmanagement.

 

Quelle:
Gijs van der Velden, Bart Kranstauber, Anne-Jifke Haarsma, René Janssen, Mees van Horssen, Wouter Halfwerk, Anton van Meurs, Cynthia Bom, Maarten Schrama, Yali Si,
To rest or to roam: Functional habitat use of an insectivorous bat species during active and resting behavior,
Biological Conservation, Volume 318, 2026, 111823, ISSN 0006-3207,
https://doi.org/10.1016/j.biocon.2026.111823.

 

Das Ende des Artenschutzes beim Ausbau der Windenergie in NRW?

Naturschutzverbände kritisieren neues „Artenschutzfachbeitrags-Tool“ der Landesregierung

Die Landesregierung Nordrhein-Westfalen hat kürzlich ein digitales Instrument zur Prüfung der Artenschutzbelange im Rahmen von Planungs- und Genehmigungsverfahren für Windenergieanlagen innerhalb der sogenannten „Beschleunigungsgebiete“ veröffentlicht und verbindlich für die behördliche Anwendung vorgeschrieben. Die nordrhein-westfälischen Naturschutzverbände BUND, NABU und LNU kritisieren das „Artenschutzfachbeitrags-Tool“ (AFB-Tool) scharf:

Fachliche Mängel bei den Ergebnissen aufgrund lückenhafter und veralteter Datenbestände und fehlender räumlicher Zuordnung führten zu rechtlichen Unsicherheiten und zum Abbau des ohnehin schon drastisch verschlechterten Artenschutzstandards bei der Planung und Genehmigung von Windenergieanlagen. Besonders gravierend – den unteren Naturschutzbehörden werde jeglicher Handlungsspielraum zur artenschutzkonformen Beurteilung und Genehmigung eines Antrags genommen.

Auf Grundlage der behördlichen Datengrundlage soll – so die Logik des Instruments – der erforderliche Artenschutzfachbeitrag inklusive der notwendigen Minderungsmaßnahmen für potenziell von der Windenergie beinträchtige Arten komplett automatisiert „per Mausklick“ generiert werden. Ob die Arten an Ort und Stelle überhaupt vorkommen, spielt keine Rolle mehr. „Digitalisierung und standardisierte Verfahren sind zwar wichtige Bausteine für den benötigten beschleunigten Ausbau der Windenergie. Doch ohne robuste Datengrundlage und ohne die Möglichkeit für Behörden, wirksame Minderungsmaßnahmen nach eigenem Ermessen auf Grundlage aktueller fachwissenschaftlicher Erkenntnislage anzuordnen kommt dieses Instrument faktisch der Abschaffung des Artenschutzes und der Herabstufung zentraler behördlicher Kompetenzen in den Beschleunigungsgebieten gleich“, so Dr. Heide Naderer, Vorsitzende des NABU Nordrhein-Westfalen.

Bereits während der Planung von Windenergiegebieten in den mittlerweile größtenteils abgeschlossenen Regionalplanverfahren hatten die Naturschutzverbände auf Defizite bei der Auswahl der Gebiete hingewiesen. „Diese Entwicklung setzt die Landesregierung nun durch die Einführung des automatisierten AFB-Tools fort und räumt per Erlass jegliche Abweichungen zugunsten des Artenschutzes im Einzelfall aus. Das ist skandalös und steht auch rechtlich auf wackeligen Beinen“, sagt der Vorsitzende des BUND in NRW, Holger Sticht. Das Abwägen zwischen den Interessen, die erneuerbaren Energien auszubauen und dem Biodiversitätsverlust Einhalt zu gebieten, gerate so immer mehr in Schieflage.

So kritisieren die Naturschutzverbände unter anderem die Qualität der Minderungsmaßnahmen. Sie würden nicht sicherstellen, dass durch die Anlagen keine erheblichen Nachteile für betroffene Arten entstehen. Einerseits gibt es völlig unzureichende Mindestabstände zwischen Mast und Horstbaum sowie Bauzeitenbeschränkungen bei Bautätigkeiten. Andererseits ist davon auszugehen, dass im Regelfall bei Auswahlmöglichkeiten die wirklich wirksamen, aber aufwändigeren Maßnahmen selten gewählt werden. Groß ist zudem die Befürchtung von BUND, LNU und NABU, dass dieses Tool zukünftig auch auf andere Planverfahren Anwendung finden wird.
Und Mark vom Hofe, Vorsitzender der LNU ergänzt: „Seit Jahren weisen die Naturschutzverbände auf die landesweit schlechte Datengrundlage hin. Wir brauchen eine Datenaufbereitungs-Offensive des Landes, bei der systematisch sämtliche an unterschiedlichen Stellen vorhandene Daten abgefragt und zusammengeführt werden. Denn klar ist: Das Land steht in der Pflicht, eine fundierte Datengrundlage zum Vorkommen windenergiesensibler Arten sicherzustellen.“ Die Aktualität der Datengrundlage sei nicht Aufgabe des ehrenamtlichen Naturschutzes.

 

Quelle: https://nrw.nabu.de/news/2026/37067.html

Für Rückfragen:
Dr. Heide Naderer, Vorsitzende des NABU Nordrhein-Westfalen, T.: 0211 15 9251-41, Heide.Naderer@NABU-NRW.de
Holger Sticht, Vorsitzender des BUND NRW, T.: 0152 34289594, holger.sticht@bund.nrw
Mark vom Hofe, Vorsitzender der LNU NRW, T.: 0170/1509152, lnu.nrw@t-online.de

Herausgeber: NABU NRW (Naturschutzbund Deutschland e.V.) 40225 Düsseldorf
Redaktion: NABU-Pressestelle NRW, Birgit Königs (verantwortlich)
Tel. 0211.15 92 51 – 14 | Fax -15 | E-Mail: E-Mail: B.Koenigs@NABU-NRW.de

 

Weitere Informationen: Mitteilung des Ministerium für Umwelt, Naturschutz und Verkehrdes Landes Nordrhein-Westfalen:
Artenschutz-Prüfung per Knopfdruck: Wie das Land die Genehmigung von Windenergie-Anlagen beschleunigt

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