28. Jahrestagung des LFA Fledermausschutz NRW

Das 28. Jahrestreffen des LFA Fledermausschutz wird am Samstag, den 12.11.2022 auf dem Heideportal Gut Leidenhausen e.V., Gut Leidenhausen 1 in 51147 Köln stattfinden und wird wie üblich um 10:00 Uhr beginnen. Die Tagung wird vom NABU-Stadtverband Köln und Mitarbeitern des Umweltbildungszentrums Gut Leidenhausen organisiert.

Diese Tagung ist keineswegs nur für Experten bestimmt. Gerade auch Neulinge im Fledermausschutz werden viele interessante Dinge erfahren. Die Teilnahme an der Tagung ist – wie in jedem Jahr – kostenlos. Getränke, Mittagessen, Kaffee und Kuchen müssen aber vor Ort bezahlt werden.

Die Anmeldung zur Tagung wird bald freigeschaltet.

Wir möchten Sie bitten, sich rege an der Tagung zu beteiligen und auch das Programm abwechslungsreich mit zu gestalten. Möglichkeiten für Posterpräsentationen sind vor Ort gegeben.

Vorträge und auch Posterbeiträge bitte bei Christian Giese Tel. 02872 / 981688 oder per Mail giese@fledermausschutz.de anmelden. Vor Ort steht ein Beamer mit Laptop zur Verfügung.

Bisherige Vorträge in unsortierter Reihenfolge:

Dr. Frauke Krüger (LFA): Quartiervariabilität einer Population von Wasserfledermäusen im Sauerland

Dr. Carsten Trappmann (LFA), Christian Patalong (WWU Münster): Fledermäuse im Wildpark in Dülmen. Akustische Erfassungen in einem interessanten Waldgebiet.

Christian Giese (LFA): Winteraktivität von Zwerg- und Mückenfledermäusen – Erfassungsmethoden zum Schutz von Fledermäusen bei Abbruch und Sanierung von Gebäuden im Winter.

Zeitlicher Ablauf:

ZeitVortrag
10:00 UhrDr. Carsten Trappmann (LFA):
Eröffnung der Tagung und Begrüßung der Teilnehmerinnen und Teilnehmer
10:15 Uhr
10:45 Uhr
11:15 UhrKaffeepause
11:45 Uhr
12:15 Uhr
12:45 UhrMittagspause - Zeit zum Austausch
14:30 Uhr
15:00 Uhr
15:30 Uhr
16:00 UhrKaffeepause
16:30 UhrChristian Giese (LFA):
Neues vom LFA Fledermausschutz NRW
17:00 UhrVerschiedenes:

17:30 UhrEnde der Tagung

 

 

Rauhautfledermäuse ziehen weit: 2.486 km von Russland nach Frankreich

Fledermäuse können weiter wandern als bisher bekannt: ein neuer Rekord für die längste Wanderung von Rauhautfledermäusen (Pipistrellus nathusii).

Die Wanderungen von Fledermäusen werden seit langem erforscht, aber große Areale sind in dieser Hinsicht noch wenig untersucht. Nun wird von einer  Rekordwanderung der Rauhautfledermaus berichtet – 2486 km von Russland bis zu den französischen Alpen in nur 63 Tagen. Diese Entfernung übertrifft den bisherigen Rekordflug von Lettland nach Spanien um 260 km. Überwinternde Rauhautfledermäuse sind im Kaukasus bekannt. Die Daten zeigen jedoch, dass die Rauhautfledermäuse viel weiter in die Überwinterungsgebiete fliegen kann.

Quelle: Bats can migrate farther than it was previously known: a new longest migration record by Nathusius’ pipistrelle Pipistrellus nathusii (Chiroptera: Vespertilionidae). Denis Vasenkov, Jean-François Desmet, Igor Popov, Natalia Sidorchuk 2022

https://www.degruyter.com/document/doi/10.1515/mammalia-2021-0139/html

Vasenkov, Denis, Desmet, Jean-François, Popov, Igor and Sidorchuk, Natalia. „Bats can migrate farther than it was previously known: a new longest migration record by Nathusius’ pipistrelle Pipistrellus nathusii (Chiroptera: Vespertilionidae)“ Mammalia, vol. , no. , 2022. https://doi.org/10.1515/mammalia-2021-0139

 

Film ab: Die Mopsfledermaus im Porträt

Film ab! Das bundesweite Verbundprojekt „Schutz und Förderung der Mopsfledermaus in Deutschland“, welches sich zur Aufgabe gemacht hat unsere seltene Waldbewohnerin zu erforschen und zu schützen, hat nun zwei Filme in Form eines Artportraits und einer Projektvorstellung veröffentlicht.

Film 1: Die Mopsfledermaus im Porträt

Hinter der Rinde von Bäumen versteckt sich eine seltene Waldbewohnerin: Die Mopsfledermaus. Ihre platte Schnauze erinnert ein wenig an die eines Mopses, ansonsten ist sie ganz Fledermaus. Auch sie lebt am Tage im Verborgenen und ist während der Nacht aktiv. Die Mopsfledermaus hat jedoch ganz besondere Ansprüche an ihren Lebensraum und sie ist bedroht. Hier stellen wir euch die Art vor und wie wir sie gemeinsam mit Partnern aus ganz Deutschland schützen.

Film 2: Das Projekt „Schutz und Förderung der Mopsfledermaus in Deutschland“

Warum treffen sich Artenexperten*innen aus mehreren Bundesländern, Wissenschaftler aus dem Norden Deutschlands und Mitarbeitende von verschiedenen Naturschutzorganisationen in einem dunklen Tunnel mitten in Deutschland? Sie sind wegen ihr hier: Der Mopsfledermaus! Gemeinsam setzen sie sich in einem Verbundprojekt im Bundesprogramm Biologische Vielfalt für den Schutz der bedrohten Waldfledermaus ein. Wir stellen euch hier das Projekt, seine vielfältigen Aktivitäten und Partner aus ganz Deutschland vor.

Mehr Informationen über die Mopsfledermaus und das Verbundprojekt:
https://www.mopsfledermaus.de/

Auch Fledermäuse als Grund für den Krieg in der Ukraine missbraucht

Das Ukrainisch-Deutsche Forschungsprojekt über Zecken und Flöhe an Fledermäusen wird von Putin als Grund für den Angriff auf die Ukraine missbraucht. Die Forschung sei Teil eines geheimen, vom Westen finanzierten Biowaffenprojekts. Bei den Arbeiten handle es sich um ein ukrainisches Komplott, bei dem mit Unterstützung der Vereinigten Staaten krankheitsverseuchte Vögel, Fledermäuse und Reptilien über die Grenze geschickt würden, um Russen zu infizieren.

Daran kann man deutlich erkennen, wie verzweifelt und hilflos die russische Regierung versucht durch Lügen ihren Krieg zu rechtfertigen.

https://www.science.org/content/article/russians-must-know-it-s-lie-ukrainian-bat-research-spun-false-tale-bioweapons

Spendenaufruf:
Die Mitarbeiter des Ukrainischen Fledermaus Rehabilitationszentrums brauchen Eure Hilfe!
Es handelt sich um das größte Fledermaus Rehabilitations- und Forschungszentrum Europas in der Stadt Kharkiv/Charkiw. Sie betreuen tausende von Fledermäusen und tun dies selbst jetzt noch, trotz permanentem Beschuss und Bombenhagel durch die russischen Streitkräfte.

https://www.betterplace.me/ueberlebenshilfe-fuer-bat-center-in-ukraine-oder-kharkiv

 

Beachtung von Fledermäusen beim Ausbau der Windenergie

Fachpapier des BFA Fledermäuse im NABU:
Position zur Beachtung von Fledermäusen beim weiteren Ausbau der Windenergie

Die öffentliche Debatte um den Windenergieausbau fokussiert aktuell in erster Linie auf den Konflikt zwischen Windenergieanlagen (WEA) und Vögeln. Die Konfliktlagen, die mit anderen Tiergruppen bestehen, werden in der Debatte weitestgehend ausgeblendet. Im Falle von Fledermäusen liegt dies vermutlich an der Annahme, mit Hilfe technischer Minimierungsmaßnahmen wie der Abschaltung von WEA seien die Konflikte in diesem Spannungsfeld gelöst. Dies ist allerdings ein Irrtum. Hinsichtlich des Fledermausschutzes werden in Deutschland einige artenschutzrechtlich bedenkliche Praktiken im Rahmen von Genehmigungsverfahren von WEA umgesetzt, die einer ökologisch nachhaltigen Energiewende widersprechen.

Es ist unbestritten, dass der Ausbau der Windenergie im Ganzen als Teil der Energiewende dem Klimaschutz dient. Biodiversitäts- und Klimakrise sind aber zwei Krisen, die in ihrer ökologischen und gesellschaftlichen Bedeutung als gleichwertig zu behandeln sind. Die Klimakrise fördert zwar das globale Artensterben, die Hauptursache für die Biodiversitätskrise liegt aber in den von Menschen bewirkten weltweiten Landnutzungsänderungen. Da Klimaerwärmung und Biodiversitätskrise unterschiedliche Hauptursachen haben, sind die Ansätze zu deren Bekämpfung unterschiedlich. Genauso wie Naturschutz dem Klimaschutz dient, hilft ökologisch nachhaltiger Klimaschutz auch dem Naturschutz. Klimaschutz kann jedoch wirksamen Artenschutz nicht ersetzen. Im Falle der Fledermäuse ist es unklar, welche Auswirkungen der Klimawandel auf einheimischen Arten haben wird. Der Ausbau der Windenergie ist somit zwar als Klimaschutzmaßnahme zu werten, nicht aber als wichtigste Maßnahme zum Schutz von Fledermäusen oder gar der globalen Biodiversität, wie das regelmäßig in Diskussionen angeführt wird.

Der Zielkonflikt zwischen Naturschutz und Klimaschutz ist bei Planungen von WEA anzuerkennen. Er kann nur dann aufgelöst werden, wenn beiden Zielen gleichwertiger Raum gegeben wird. Auf Grund biologischer Besonderheiten und des hohen Schutzstatus der Fledermäuse besteht die Notwendigkeit einer umfangreichen Berücksichtigung von Fledermäusen bei der Planung und dem Betrieb von WEA. Das folgende Papier soll einige der Konfliktfelder aufführen und Lösungsansätze wiedergeben.

Download: Fachpapier_Windenergie_u_Fledermaeuse_BFA_23_03_2022

Winterschlaf von Fransen- und Wasserfledermäusen: Individualisiertes Langzeit-Monitoring

Individualisiertes Langzeit-Monitoring von sympatrischen Fledermausarten zeigt deutliche art-, geschlechts- und altersspezifische Unterschiede in der Phänologie des Winterschlafs

Hintergrund

Der Winterschlaf ermöglicht es den Arten, Energie zu sparen und so ungünstige Umweltbedingungen zu überbrücken. Gleichzeitig ist der Winterschlaf aber auch mit erheblichen ökologischen und physiologischen Kosten verbunden. Wenn man versteht, wie sich der Zeitpunkt des Winterschlafs innerhalb einer Art und zwischen verschiedenen Arten unterscheidet, kann man Einblicke in die zugrunde liegenden Faktoren für diesen Zielkonflikt gewinnen. Dazu sind jedoch individuelle Langzeitdaten erforderlich, die oft nicht verfügbar sind. Hier haben wir automatische Überwachungstechniken und eine reproduzierbare Analysepipeline eingesetzt, um die individuelle Winterschlafphänologie zweier sympatrischer Fledermausarten zu bewerten. Unsere Studie basiert auf den Daten von mehr als 1.100 mit RFID-Transpondern versehenen Wasserfledermäusen (Myotis daubentonii) und Fransenfledermäusen (Myotis nattereri), die über einen Zeitraum von sieben Jahren in einem Winterquartier in Deutschland gesammelt wurden. Mithilfe linearer gemischter Modelle analysierten wir art-, geschlechts- und altersspezifische Unterschiede in Bezug auf Einflug, Ausflug und die Dauer des längsten ununterbrochenen Aufenthalts im Winterquartier.

Ergebnisse

Insgesamt flogen Wasserledermäuse früher in das Winterquartier ein und kamen später heraus als Fransenledermäuse, was zu einer fast doppelt so langen Überwinterungsdauer führte. Bei beiden Arten flogen die erwachsenen Weibchen früher ein und kamen später aus dem Winterquartier heraus als die erwachsenen Männchen. Die Dauer des Winterschlafs war bei Jungtieren kürzer als bei erwachsenen Tieren, mit Ausnahme der erwachsenen männlichen Fransenfledermäuse, deren Winterschlafdauer von allen Arten am kürzesten war. Schließlich unterschieden sich die Überwinterungszeiten von Jahr zu Jahr, aber die jährlichen Schwankungen bei den Einflug- und Ausflugzeiten waren bei beiden Arten nicht gleich stark ausgeprägt.

Schlussfolgerungen

Unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass selbst bei sympatrischen Arten und über alle Geschlechts- und Altersklassen hinweg der Zeitpunkt des Winterschlafs durch die Umweltbedingungen unterschiedlich beeinflusst werden kann. Dies unterstreicht die Notwendigkeit, bei der Untersuchung der Auswirkungen von Umweltveränderungen auf die Phänologie der Überwinterung individuelle Informationen zu berücksichtigen.

 

Published: 28 January 2022
Meier, F., Grosche, L., Reusch, C. et al. Long-term individualized monitoring of sympatric bat species reveals distinct species- and demographic differences in hibernation phenology. BMC Ecol Evo 22, 7 (2022).
Download: https://doi.org/10.1186/s12862-022-01962-6

 

COVID: Handlungsempfehlungen und Hintergründe zur Arbeit mit Fledermäusen

Bitte beachten Sie bei Kontrollen von Winterquartieren, Pflege von Fledermäusen, wissenschaftlicher Forschung und sonstigem Kontakt zu Fledermäusen folgende Handlungsempfehlungen zur Arbeit mit Fledermäusen. Sie finden in dem Download wissenschaftliche Fakten zu häufigen Fragen, aktualisierte Handlungsempfehlungen und Hintergründe zur Arbeit mit Fledermäusen in Zeiten von SARS-CoV 2 (Version 2.0) zur Vermeidung der Übertragung von SARS-CoV 2 von Menschen auf Fledermäuse.

Es besteht ein geringes, aber begründetes Risiko der Übertragung von SARS-CoV 2 von Menschen auf Fledermäuse [35]. Bei allen Aktivitäten zum Schutz und zur Erforschung von Fledermäusen sollte das Risiko einer Übertragung von SARS-CoV 2 auf Fledermäuse auf ein Minimum reduziert werden [3].

Hintergründe und Handlungsempfehlungen zur Arbeit mit Fledermäusen in Zeiten von SARS-CoV 2 – Version 2.0

Um eine Übertragung auszuschließen, fordern wir bei fledermauskundlichen Arbeiten die strikte Einhaltung der bereits etablierten und wirksamen Schutz- und Hygienemaßnahmen, wie das Tragen von Handschuhen und eines Mund-Nasenschutzes. Auf den direkten Kontakt (d.h. Handling) mit Hufeisennasenarten sollte grundsätzlich weitestgehend verzichtet werden (Quartierkontrollen nur mit äußerster Vorsicht), bis aussagekräftige Daten zu ihrer Gefährdung (Ansteckung durch Menschen) vorliegen. Zusätzlich raten wir dringend dazu, dass ausschließlich nur vollständig immunisierte oder PCR-getestete Personen direkt mit Fledermäusen arbeiten.

Wir möchten dabei zu bedenken geben, dass es zu ernsten Konsequenzen für den Fledermausschutz und den Tätigkeiten rund um den Fledermausschutz kommen kann, wenn fahrlässig mit den Tieren umgegangen wird.

  • Fledermauskundler sollten bei engem Kontakt mit den Tieren, bei einer Annäherung von weniger als 2 m zum Tier und bei längerfristigem Aufenthalt. (> 15 min) in kleinräumigen Quartieren ebenfalls einen Mund-Nasenschutz (FFP2-Maske) verwenden.
  • Fledermauskundler, die positiv auf Covid-19 getestet wurden oder Krankheitssymptome zeigen, müssen auf den Kontakt zu den Tieren vollständig verzichten. Überdies sollte eine vollständige Immunisierung gegen SARS-CoV 2 vor der Arbeit mit Fledermäusen erfolgt sein. Falls dies nicht möglich ist, sollte bei engem Kontakt mit Fledermäusen vorher (tagesaktuell) ein PCR-Test durchgeführt werden.
  • Aufgrund der relativ engen Verwandtschaft von SARS-CoV 2 zu Coronaviren in Hufeisennasen sollte der Kontakt zu Hufeisennasen (inkl. Aufenthalt in den Quartieren) auf ein Minimum reduziert werden, bis aussagekräftige Daten zu ihrer Gefährdung (Ansteckung durch Menschen und den sich daraus ergebenden Konsequenzen) vorliegen. Falls ein Kontakt zum Schutz und zur Erforschung der Tiere zwingend erforderlich ist, sollten auch vollständig immunisierte Personen vorher einen entsprechenden Test durchführen.

Treffen sie bei Kontrollen von Winterquartieren erweiterte Hygiene-Maßnahmen zum gegenseitigen Schutz und zum Schutz der Fledermäuse:

  • Tragen Sie einen Mund-Nasenschutz (FFP2-Maske)
  • Betreten Sie das Quartier so kurz und mit so wenigen Personen wie möglich
  • Halten Sie den größtmöglichen Abstand zu den Tieren
  • Machen Sie am Tag der Kontrolle einen Corona-Schnelltest
  • Wer positiv auf SARS-CoV-2 getestet wurde oder Krankheitssymptome zeigt, darf keine Quartiere betreten!

Allgemeine Hinweise zur Kontrolle von Fledermaus-Winterquartieren

Um eine Störung der Fledermäuse während der kritischen Phase des Winterschlafes so gering wie möglich zu halten, müssen einige Richtlinien im Winterquartier befolgt werden:

  • Berühren Sie unter keinen Umständen winterschlafende Fledermäuse.
  • Reduzieren Sie die Beleuchtung und passen die Leistung der Lampen an die Entfernung der Tiere an.
  • Machen Sie so wenig Fotos wie möglich.
  • Vermeiden Sie Geräusche und verhalten sich leise (flüstern, nur einmal vorbeigehen).
  • Bleiben Sie so kurz wie möglich in der Nähe von Fledermäusen und im Allgemeinen im Winterquartier.
  • Atmen Sie nicht unter oder in Richtung von Fledermäusen aus, die sich in Ihrer Nähe befinden.
  • Gehen Sie mit so wenig Personen wie möglich, in Abhängigkeit der Größe, in das Quartier.

Download: https://bvfledermaus.de/wp-content/uploads/2022/01/Informationsblatt-SARS-CoV-2-und-Fledermaeuse-in-Deutschland-2.0.pdf

Quellen:

https://bvfledermaus.de/update-informationsblatt-einheimische-fledermaeuse-und-sars-cov-2/

[3] IUCN SBSG. 2021 IUCN SSC Bat Specialist Group (BSG) Recommended Strategy for Researchers to Reduce the Risk of Transmission of SARS-CoV-2 from Humans to Bats.

[35] Olival KJ et al. 2020 Possibility for reverse zoonotic transmission of SARS-CoV-2 to free-ranging wildlife: A case study of bats. PLoS Pathog 16, e1008758. (doi:10.1371/journal.ppat.1008758)

 

Gefährdung von Amphibien durch Winterquartierkontrollen?

Fledermausschutz – Empfehlungen zur Kontrolle von Winterquartieren in Zeiten von Corona

Räumliches Verhalten und Habitatnutzung von Braunem und Grauem Langohr

Nur wenige Studien befassen sich mit den ökologischen Unterschieden zwischen genetisch nahen und morphologisch fast identischen insektenfressenden Fledermausarten. Diese Informationen sind jedoch für wirksame und nachhaltige Naturschutzstrategien unerlässlich.

Ziel dieser Studie ist es, Unterschiede in der räumlichen Ökologie der Langohrfledermausarten Braunes Langohr (Plecotus auritus) und Graues Langohr (Plecotus austriacus) in einer typischen Kulturlandschaft Brandenburgs zu untersuchen, in der die beiden Arten sympatrisch vorkommen.

Die Rekonstruktion des Beutespektrums ergab, dass sich Braunes Langohr (Plecotus auritus) und Graues Langohr (Plecotus austriacus) in ihrer Ernährung stark überschneiden. Unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass die Aufteilung der Ressourcen auf der Nutzung unterschiedlicher Nahrungshabitate beruht. Während die per Funk georteten Weibchen vom Braunen Langohr stark mit Waldgebieten assoziiert waren, was zu kleinräumigen Aktivitätsgebieten von nur wenigen Quadratkilometern führte, umfassten die Aktivitätsgebiete von Grauen Langohr eine großräumige Matrix von Grünlandhabitaten in der Größenordnung einer Kleinstadt.

Auf der Grundlage dieser Ergebnisse ermitteln wir vorrangige Schutzbedürfnisse für die beiden Arten, um sicherzustellen, dass diese Unterschiede im räumlichen Verhalten und in der Lebensraumnutzung bei künftigen Naturschutzbemühungen angemessen berücksichtigt werden können.

von Nicole Starik, Thomas Göttert und Ulrich Zeller
Animals 2021, 11(12), 3460; https://doi.org/10.3390/ani11123460
Received: 2 November 2021 / Revised: 27 November 2021 / Accepted: 2 December 2021 / Published: 5 December 2021

MDPI and ACS Style
Starik, N.; Göttert, T.; Zeller, U. Spatial Behavior and Habitat Use of Two Sympatric Bat Species. Animals 2021, 11, 3460. https://doi.org/10.3390/ani11123460

AMA Style
Starik N, Göttert T, Zeller U. Spatial Behavior and Habitat Use of Two Sympatric Bat Species. Animals. 2021; 11(12):3460. https://doi.org/10.3390/ani11123460

Chicago/Turabian Style
Starik, Nicole, Thomas Göttert, and Ulrich Zeller. 2021. „Spatial Behavior and Habitat Use of Two Sympatric Bat Species“ Animals 11, no. 12: 3460. https://doi.org/10.3390/ani11123460

Neue Ausgabe „Der Flattermann“ erschienen

„Der Flattermann“ ist das Vereinsorgan der Arbeitsgemeinschaft Fledermausschutz Baden-Württemberg e.V. (AGF BW) und erscheint jährlich in gedruckter Form und zum Download.

Aus dem Inhalt:

  • Mausohr-Wochenstuben im RBZ Freiburg – Zählungen und Lichtwirkungen von Sara BAUER
  • Wochenstubenkolonien des Großen Mausohrs im Regierungsbezirk Karlsruhe von Kerstin BACH
  • Großes Mausohr – Bestand und Kontrolle im RP Stuttgart und Tübingen ausschließlich für Wochenstuben-Quartiere vom 01.01.2019-15.10.2021 von Marion KASPAR
  • Das Rätsel um den Erfolg der Auswilderung unserer von Hand aufgezogenen Fledermausjungtiere? von Marion KASPAR
  • Durch Zufall zur ersten Wochenstube der Weißrandfledermaus in Tübingen von Ingrid KAIPF
  • Streifenmahd – eine wichtige Maßnahme zum Insekten- und Fledermausschutz von Christian DIETZ & Isabel DIETZ
  • Ist Lörrach eine „Bat-City“? Kartierung von Fledermausrufen im Stadtgebiet von Julian KEHM
  • Das AGF-Flederhaus 2021: Fledermausfundtiere-Notaufnahme von Ingrid KAIPF
  • Kurzberichte
  • Besprechungen
  • Veranstaltungshinweise
  • Fledermaus-Allerlei

Download: https://www.agf-bw.de/verein/flattermann

Baumquartiere: Maßnahmen bei vorhabenbedingter Zerstörung

Hinweisblatt der Koordinationsstellen für Fledermausschutz in Bayern zu artenschutzrechtlichen Maßnahmen für vorhabenbedingt zerstörte Fledermausquartiere. Das Hinweisblatt bietet für Eingriffsverursacher, Planungsbüros und Genehmigungs- und Fachbehörden eine wichtige Planungsgrundlage. Gleichwohl kann es erforderlich werden, die konkreten Umsetzungshinweise für den Einzelfall anzupassen. Hier sollte eine frühzeitige Abstimmung zwischen dem Planungsbüro und den Naturschutzbehörden erfolgen. Das Hinweisblatt ist als Hilfestellung zu verstehen und weder allgemein- noch behördenverbindlich.

Sind in einem Wald Fledermäuse und Bäume mit Quartierstrukturen (Höhlen, Spalten) vorhanden, ist davon auszugehen, dass alle diese Strukturen essenzielle Fortpflanzungs- und Ruhestätten von Fledermäusen sind. Denn es kann in der Regel nicht belegt werden, dass ein Quartier nicht genutzt wird. Werden durch Eingriffe Bäume mit Quartierstrukturen beseitigt, müssen daher die Zugriffsverbote nach § 44 Abs. 1 Bundesnaturschutzgesetz (BNatSchG) beachtet werden: Tötungsverbot, Störungsverbot und Schädigungsverbot. Auch eine Entwertung von Quartieren (z. B. wenn künstliches Licht die weitere Nutzung einer Baumhöhle verhindert) entspricht rechtlich einer Beschädigung oder Zerstörung der Fortpflanzungs- und Ruhestätten. Vermeidungsmaßnahmen, vorgezogene Ausgleichsmaßnahmen (CEF), Maßnahmen zur Minderung der Eingriffsfolgen und populationsstützende Maßnahmen (FCS) verhindern einen Verstoß gegen diese Verbote bzw. reduzieren negative Auswirkungen eines Vorhabens.

Erfassung der Quartiere

Vor dem Eingriff ist stets eine Erfassung potenzieller Quartierbäume und Baumquartiere durch eine fledermauskundlich erfahrene Fachkraft durchzuführen.

Vermeidung einer Zerstörung/Entwertung von Fortpflanzungs- und Ruhestätten

Eine Zerstörung von Quartieren an/in Bäumen kann vermieden werden durch:

  • Verringerung des Eingriffsbereichs und -umfangs
  • Entlastungschnitt ohne Beeinträchtigung der Quartierstrukturen
  • Köpfen geeigneter, ausschlagfähiger Bäume oberhalb der Quartierstrukturen

Eine Entwertung von Quartierkomplexen durch Eingriffe im Umfeld lässt sich z. B. durch Abschattung der Quartiere (bei Gefahr einer Aufhellung) oder Aufwertung bzw. Neuschaffung angrenzender Jagdhabitate (beim Verlust essenzieller Jagdlebensräume) vermeiden.

Vermeidung einer signifikanten Erhöhung des Tötungsrisikos und / oder einer erheblichen Störung

Für die Fällung von Bäumen mit Quartierstrukturen ist eine Begleitung durch eine Fachkraft erforderlich. Der Umfang der Begleitung hängt von der Jahreszeit ab (Tab. 1) und reicht von einer Einweisung der Fällteams bis
zur Durchführung konkreter Maßnahmen durch die Fachkraft. Ohne nähere Begutachtung sollten Bäume mit Quartierpotenzial nur in den Zeiträumen vom 11.09. bis 31.10. (vorrangig) oder vom 16.03. bis 30.04. gefällt
werden. Ansonsten sind weiterführende Untersuchungen nötig. Sind Quartiere besetzt, bedingt dies in der Regel eine Verschiebung der Fällung. Maßnahmen zur Vermeidung einer signifikanten Erhöhung des Tötungsund Verletzungsrisikos (Tab. 2) sind zu allen Zeiten erforderlich (z. B. nächtliche Fällung, sanftes Bergen der Quartierstrukturen, Einwegverschluss).

CEF-Maßnahmen

Folgende Maßnahmen eignen sich zum Erhalt der ökologischen Funktion (hier: Quartierverbund) im räumlichen Zusammenhang:

  • Fledermauskästen (nur falls die betroffenen Fledermauspopulationen bereits Kästen nutzen)
  •  Ringeln von Bäumen zur Schaffung von Spaltenquartieren hinter abstehender Rinde
  • Bohrung künstlicher Höhlen in lebende Bäume.

Maßnahmen zur Minderung der Eingriffsfolgen

Im Zusammenhang mit der Beseitigung von Fledermausquartieren eignen sich hierfür:

  • Anbringung von Stammstücken mit bestehenden Quartierstrukturen an Bäumen
  • Lebendverpflanzung von Quartierbäumen
  • Kappen von Bäumen oberhalb von Natur- oder Bohrhöhlen (bei Absterben des Baumes)

FCS-Maßnahmen

FCS-Maßnahmen beziehen sich auf die Populationen der betroffenen Fledermausarten in der biogeografischen Region. Wo eine Zielart bereits Kästen nutzt, aber dennoch Quartiermangel besteht, eignen sich zusätzliche
Kästen. Ist eine Kastennutzung am vorgesehenen Standort nicht belegt, eignen sich die Maßnahmen „Ringeln von Bäumen“ und „Bohren von Baumhöhlen“ in Verbindung mit der Förderung von Spechten, dem Verzicht auf
Nutzung ausreichend großer, älterer Waldbereiche und waldbaulichen Maßnahmen zur dauerhaften Erhöhung des Totholzanteils. Zur Unterstützung von Populationen, die nicht durch das Quartierangebot limitiert werden,
bzw. als Ergänzung neben einer Optimierung der Quartiersituation eignen sich Maßnahmen zur Verbesserung des Nahrungsangebots (Beispiele: Anlage von Extensivweiden, Gewässern, Staudensäumen an Waldrändern,
Vernetzung von Jagdhabitaten, Förderung von Eichen).

Ergänzende forstwirtschaftliche Maßnahmen

Bei allen Maßnahmen, die künstliche oder temporäre Quartiere beinhalten (Kästen, Bohrhöhlen, Anbringung von Stammstücken etc.) sind zusätzlich ergänzende forstwirtschaftliche Maßnahmen erforderlich, um mittelund langfristig ausreichend natürliche Quartiere zu schaffen:

  • Altbäume aus der Nutzung nehmen, möglichst in Gruppen
  • Erhöhung der Bestandsdichte von Spechten als „Baumeister“ natürlicher Quartiere durch Anreicherung von stehendem Totholz durch Ringeln von Stämmen, Kappen von Bäumen etc.

Nur durch die Förderung von Spechten entstehen kurzfristig zusätzliche (!) Höhlen in den aus der Nutzung genommenen Bäumen.

 

Quelle:
ZAHN, A., HAMMER, M. & PFEIFFER, B. (2021): Vermeidungs-, CEF- und FCS-Maßnahmen für vorhabenbedingt zerstörte Fledermausbaumquartiere. Hinweisblatt der Koordinationsstellen für Fledermausschutz in Bayern, 23 S.
Download unter Aktuelles auf: https://www.tierphys.nat.fau.de/fledermausschutz/

Download: https://www.anl.bayern.de/publikationen/anliegen/doc/an43205zahn_et_al_2021_cef_massnahmen.pdf

Download: https://www.tierphys.nat.fau.de/files/2021/07/empfehlung_vermeidung_cef_fcs-masnahmen_fledermausbaumquartiere_2021.pdf

Buchtipp: Bat Roosts in Trees A Guide to Identification and Assessment for Tree-Care and Ecology Professionals
https://www.nhbs.com/bat-roosts-in-trees-book

 

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