Frostschwärmen von Zwergfledermäusen

Phänomen einer Überwinterungsstrategie

Weit verbreitet ist die Annahme, dass die Wochenstuben- und Sommerquartiere auch gleichzeitig Winterquartiere von Zwerg- und Mückenfledermäusen sind. Diese Annahme legt nahe, dass andere Gebäude als Winterquartiere weniger in Frage kommen. Ist das so?

Was wir wissen

Mindestens zwei Methoden der Überwinterung von Zwerg und Mückenfledermäusen sind bekannt:

  • Einzelne Tiere oder kleine, verteilte Gruppen
  • große Gruppen in Massen-Winterquartieren

Unsere mitteleuropäischen Winter sind oft mild, mit leichten Nachtfrösten und ab und zu mäßigen Frostperioden. Setzt starker Frost ein, wandern Zwergfledermäuse in die Massenwinterquartiere. Woher die Tiere kommen, wissen wir meist nicht, vermutlich aber aus der näheren oder weiteren Umgebung. Es sind möglicherweise Zwerg- und Mückenfledermäuse, die das Quartier wechseln, weil das ursprüngliche nicht frostfrei oder sogar zu warm ist. Zwergfledermäuse wechseln also als Teil ihrer Überwinterungsstrategie das Quartier (Sendor, 2002Simon et al. 2004).

Bekannt sind auch Winterfunde einzelner Tiere oder kleinerer Gruppen von Zwergfledermäusen in Kästen, die hauptsächlich im Frühjahr und Herbst als Quartier genutzt werden. Die Tiere verlassen die Kästen bei Frost, kehren aber oft nach der Frostperiode zurück. Es wird vermutet, dass es sich dabei um Männchen handelt, die den Paarungsritus möglichst lange aufrechterhalten wollen. Auch sind Funde in und an Gebäuden und unterirdischen Quartieren bekannt. Wenig bekannt ist, wie die Tiere dort auf Frost- oder Wärmeperioden reagieren.

Die Problematik

Als Massenwinterquartiere kommen Gebäude jeder Größe, jeden Alters und jeder Bauart in Frage, ebenso Ruinen, Brücken und ähnliche Bauwerke, Felsquartiere und unterirdische Quartiere. Diese sind meist schwer zugänglich, schlecht einsehbar und daher kaum zu kontrollieren.

Es gibt kaum Methoden, durch die mit vertretbarem Aufwand Winterquartiere einzelner oder Massen von Zwergfledermäusen mit hoher Sicherheit nachgewiesen oder ausgeschlossen werden können.

Ohne die Möglichkeit einer Untersuchung besteht die Gefahr, dass Massenwinterquartiere zerstört und lokale oder sogar überregionale Populationen der Zwerg- und Mückenfledermaus vernichtet werden. Oft werden Gebäude in den Wintermonaten abgerissen oder saniert, ohne dass eine mögliche Nutzung als Winterquartier berücksichtigt wird.

Mit einer Kombination von Methoden können große Überwinterungsquartiere von Zwergfledermäusen in modernen, mehrstöckigen Gebäuden und Hochhäusern im städtischen Bereich entdeckt werden. Vielfach sind es Gebäude, die bei oberflächlicher Betrachtung als mögliche Quartiere übersehen oder gleich ausgeschlossen werden.

Wirklich keine Methode?

Die niederländischen Kollegen um Erik Korsten, Eric Jansen, Herman Limpens und Martijn Boonman (2016) beschreiben im Artikel „Swarm and switch: on the trail of the hibernating common pipistrelle“ ein bislang wenig bekanntes winterliches Schwarmverhalten von Zwergfledermäusen, das bei einzelnen Tieren, aber auch in Massen an Gebäuden auftritt. Weiter wird das spätsommerliche Schwärmen um Mitternacht als Indikator für mögliche Winterquartiere benannt.

Methode 1:
Spätsommerliches Schwärmen

Zeitpunkt: Anfang August bis Mitte September mit einem Höhepunkt von Mitte bis Ende August. Begehung ab Mitternacht für zwei Stunden, besser zwei Stunden nach Sonnenuntergang bis zwei Stunden vor Sonnenaufgang.
Wetter: möglichst windstille, warme Nächte mit Temperaturen ab 15° C gegen Mitternacht.
Technik: Einfacher Detektor, starke Taschenlampe (Hochhaus), Fernglas, zu Fuß oder per Fahrrad.
Wiederholen: alle paar (fünf bis zehn) Nächte bei optimalem Wetter die Begehung wiederholen.

Methode 2:
Frostschwarmverhalten im Winter

Warten Sie bis zur ersten Frostperiode und suchen in den folgenden zwei, drei und vier Nächten dieser Frostperiode nach schwärmenden Tieren. Die Nächte sollten kalt, mit Temperaturen deutlich unter null sein. Beginnen Sie etwa 45 Minuten nach Sonnenuntergang und für die Dauer von etwa zwei bis drei Stunden.

Die Suche im Winter kann auf das Finden der Schwarmquartiere im August aufbauen. Dies schränkt die Suche auf bestimmte Gebäude und Bereiche der jeweiligen Gebäude deutlich ein. Man kann diese Methode aber auch „auf gut Glück“ bei zum Beispiel ehrenamtlicher, systematischer Suche anwenden, ohne im Spätsommer nach Quartieren gesucht zu haben.

Aber Achtung! Kein Nachweis bedeutet nicht automatisch, dass den ganzen Winter keine Fledermäuse anwesend sind!

Es stellen sich Fragen

  • Schwärmen Zwergfledermäuse auch in den wärmeren Nächten nach einer Frostperiode?
  • Lässt sich das Verhalten auch auf Quartiere in/an Felsen z. B. im Mittelgebirge übertragen?
  • Wie sieht es mit (kleineren) Überwinterungsgruppen an niedrigeren Gebäuden aus?
  • Ist das Frostschwärmen auch bei anderen Arten wie Breitflügelfledermaus, Nordfledermaus oder Zweifarbfledermaus zu beobachten?

Bitte helfen Sie mit

Um Fragen zu klären und vor allem um diese oft übersehenen Quartiere und Fledermäuse zu schützen, sind Sie als Gutachter aufgerufen, dieses Wissen anzuwenden und als Ehrenamtler auch im Winter etwas Zeit zu investieren.

Ganz Wichtig! Melden Sie diese Winterquartiere unbedingt den zuständigen Behörden!

Es wäre schön, wenn Sie Ihre Entdeckungen mit uns und anderen teilen. Dazu sammeln wir möglichst viele Informationen auf dieser Webseite.

Das Video von Erik Korsten (Zoogdiervereniging, NL) von Ende Dezember 2014 zeigt viele schwärmende Zwergfledermäuse bei Schnee und -5°C.

Ohne diese Kenntnisse besteht die Gefahr, dass Massenwinterquartiere zerstört und lokale oder sogar überregionale Populationen der Zwergfledermaus vernichtet werden. Wir wissen, dass diese Gebäudetypen oft abgerissen oder renoviert werden, ohne dass es eine Fledermausuntersuchung mit dem Ziel schwärmende Fledermäuse oder Winterquartiere zu finden, gibt.

Es ist daher wichtig, dass Gutachter die richtigen Untersuchungsmethoden anwenden, um überwinternde Zwergfledermäuse nachzuweisen. Besser wäre es flächendeckende Kartierungen durchzuführen, um diese sehr wichtigen, aber auch sehr anfälligen Quartiere nicht nur den Behörden bekannt zu machen.

Rückmeldung:

Interessant wäre mal eine Rückmeldung ob ihr erfolgreich wart und was ihr beobachten konntet.
Einfach per Mail an Christian Giese: giese@fledermausschutz.de

  1. Ingolstadt: ca. 20 schwärmende Mückenfledermäuse im Dezember an einem einstöckigen Mehrfamilienhaus bei Frost.
  2. Süd-Pfalz (2019): 40-50 schwärmende Mückenfledermäuse bei Frost
  3. Süd-Pfalz (2019): wenige schwärmende Mückenfledermäuse bei Frost an großer (1.000) Wochenstube
  4. Rhede, NRW (2019): einzelne schwärmende Zwergfledermäuse bei Frost (Grundschule, Einfamilienhaus, Mehrfamilienhaus )

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Downloads:

(Massa-)winterverblijfplaatsen van gewone dwergvleermuizen: discussiestuk Vleermuisprotocol 2017 von Erik Korsten (Bureau Waardenburg), Herman Bouman (Arcadis) & Daniel Tuitert (Sweco)

Swarm and switch: on the trail of the hibernating common pipistrelle (2016)

Quelle: Bat News. No. 110 (Summer 2016). p. 8-10. Bat Conservation Trust. London.
Korsten, Erik & Jansen, Eric & Limpens, Herman & Boonman, Martijn & Schillemans, Marcel. (2016). Swarm and switch: on the trail of the hibernating common pipistrelle.

Christian Giese
für den LFA Fledermausschutz NRW

Das Video von Erik Korsten (Zoogdiervereniging, NL) vom 18. Januar 2016 zeigt schwärmende Zwergfledermäuse bei -3°C. Erik hat an dem Abend an mehren Gebäuden schwärmende Zwergfledermäuse gefunden.

Video von Erik Korsten (Zoogdiervereniging, NL) vom 19. Januar 2019 in Tilburg Noord (NL).

LFA sucht die seltene Wimperfledermaus

Viele Menschen glauben, dass es bei ihnen zu Hause keine seltenen und besonderen Fledermausarten gibt. Dabei leben auch in NRW trotz riesiger, ausgeräumter Ackerlandschaften und großer Wohn- und Gewerbeflächen solche Arten. Gut sichtbar sind vor allem die häufigen Zwerg- und Breitflügelfledermäuse sowie an vielen großen Wasserflächen Wasserfledermäuse.

Es gibt in NRW bei den Fledermäusen, die an sich schon schwer zu beobachten und zu bestimmen sind, auch eine Besonderheit: die Wimperfledermaus (Myotis emarginatus).

Im Kreis Heinsberg liegen die einzigen bekannten Wochenstuben der Art in ganz Norddeutschland.

Sie hängen zusammen mit Vorkommen in den angrenzenden Niederlanden und Belgien. Während die Wochenstuben und Einzeltiere aus den Orten an der Landesgrenze gut bekannt sind, fehlen Nachweise im restlichen Kreis Heinsberg und aus Nachbarkreisen weitgehend. Aufgrund aktueller Funde im Kreis Viersen sowie Einzelfunden in Moers und Bonn sucht der LFA nun nach weiteren Vorkommen der Art, v.a. im Rheinland.

Karte: Verbreitung der Wimperfledermaus in NRW
Karte: Verbreitung der Wimperfledermaus in Europa
Karte: Rasterkarte des LANUV NRW

Wimperfledermaus außen an einem Gebäude. Foto: NABU Heinsberg

Wimperfledermaus außen an einem Gebäude. Foto: NABU Heinsberg

„Die Wimperfledermaus ist die einzige heimische Art, deren Tiere regelmäßig außen an Gebäuden zu finden sind“, so Michael Straube vom NABU Kreisverband Heinsberg. Gut zu sehen sind sie aber nicht, wenn sie unter überhängenden Dächern im meist dunklen Winkel zwischen Dach, Mauer und Sparren hängen (siehe Foto). Am ehesten fällt der Kot auf, v.a. wenn er auf helle Fensterbänke, Hauseingänge oder Terrassen fällt. Darüber findet man dann die Tiere, die aber oft ihre Quartiere wechseln. Unter den Dächern hängen meist nur ein Tier oder zwei Tiere zusammen. Größere Gruppen bewohnen ungenutzte Dachstühle, die nicht ganz dunkel sein müssen, etwa auf Bauernhöfen oder alten Hofanlagen. Fliegend sind Wimperfledermäuse kaum zu beobachten, da sie erst in der späten Dämmerung abfliegen und ganz nahe an Bäumen und Sträuchern jagen, auch sitzende Insekten und Spinnen.

Meldungen von Wimperfledermäusen bitte per Email (gerne mit Fotos) an den LFA: straube@fledermausschutz.de oder telefonisch: 02434-8094043

Vortrag: Von Wäldern, Brunnen und Fledermäusen – Sommer- und Winterquartiere in den Baumbergen

Die Baumberge (Kreis Coesfeld, NRW) sind attraktiver Lebensraum für unsere Fledermäuse in NRW. An die 10.000 Tiere überwintern hier in Brunnenschächten, Eiskellern und Co. Im Sommer zieht nicht nur die seltene Bechsteinfledermaus ihre Jungen in den Wäldern groß. Die Referentinnen stellen neben besonderen Raritäten auch die häufigeren aber nicht weniger spannenden Arten unserer Siedlungen vor.

Termin: Mittwoch, den 31. Oktober von 18:00 bis ca. 21:00 Uhr

Treffpunkt: Naturschutzzentrum, Alter Hof Schoppmann, (der Parkplatz des Hofes ist über die Navi-Adresse Wullaweg 2, 48301 Nottuln-Darup zu erreichen)

Leitung: Frauke Meier und Lena Grosche (Echolot – Büro für Fledermauskunde, Landschaftsökologie und Umweltbildung)

Anmeldung und weitere Informationen: keine

Kostenbeitrag: kostenfrei

Fledermaus-Fachzeitschrift „Nyctalus“

Der Nyctalus Neue Folge – Internationale Fledermaus-Fachzeitschrift publiziert Beiträge und Artikel zur Artengruppe der Fledermäuse in deutscher und englischer Sprache. Die Inhalte umfassen weitgefächerte Themenfelder, wie Gefährdung, Schutz, Planung und Forschung im deutschsprachigen Raum sowie darüber hinaus. Die Zeitschrift spricht neben den ehrenamtlichen und wissenschaftlichen Autoren und Lesern auch Gutachter und Behörden an.

Alle veröffentlichten Artikel dienen nach Auffassung des Herausgebers der Verbreitung der natur- und artenschutzfachlichen sowie planerischen und wissenschaftlichen Praxis.

Die neue Ausgabe „Band 19, Heft 1“ kann bestellt werden.

Auszug aus dem aktuellen Inhalt:

Rainer Hutterer, Johannes Handwerk und Christine Meyer-Cords: In Rüdersdorf begann die Beringung von Fledermäusen in Mitteleuropa: Martin Eisentraut und Mitarbeiter 1932-1951

Simon Thorn, Sebastian Seibold, Osmo Heikkala, Matti Koivula, Parvathy Venugopal und Jari Kouki: Neue Nachweise der Nordfledermaus (Eptesicus nilssonii) unterstreichen den Erhalt von Einzelbäumen auf borealen Kahlschlägen

Kathleen Kuhring und Robert Drangusch: Bemerkenswertes Quartier des Großen Mausohrs (Myotis myotis) – Der Kalkringofen bei Förderstedt im Salzlandkreis, Sachsen-Anhalt

Guido Pfalzer: Können Alt- und Totholzkonzepte waldbewohnenden Fledermäusen helfen? – Ein Beispiel aus Rheinland-Pfalz

Marie Viehl: Zur Quartiernutzung der Mopsfledermaus (Barbastella barbastellus) im Eckertal (Nationalpark Harz) – Zusammenfassung mehrjähriger Untersuchungsergebnisse

Wolfram Blug und Heinz Wissing: Erstnachweis einer Wochenstube der Wimperfledermaus – (Myotis emarginatus Geoffroy, 1806) – in der Südpfalz

Bestellung und weitere Informationen:
https://nyctalus.com

Methodenstandards Akustik

Endlich ist er da: Der Leitfaden für den Einsatz akustischer Methoden im Rahmen von Gutachten und wissenschaftlichen Arbeiten unter Berücksichtigung der Möglichkeiten je Art, Fragestellung und Technik.

Das Expertengremium des Bundesverband für Fledermauskunde Deutschland e.V. um Lothar Bach, Ingrid Kaipf, Henrike und Holger Körber, Falko Meyer, Christopher Paton, Volker Runkel und Bernadette Wimmer hat grundlegende Anforderungen an häufig angewandte Erfassungsmethoden
von Fledermäusen formuliert, um in einem weiteren Schritt eine bundeseinheitliche Zertifizierung
qualifizierter Gutachter zu ermöglichen.

Der Fokus liegt auf einer sinnvollen Anwendung der akustischen Methoden mit Hilfestellungen zur
Daten- und Ergebnisinterpretation, sowie klare Darstellung der Grenzen und Möglichkeiten.

Der Landesfachausschuss Fledermausschutz NRW gratuliert zu dem gelungenen Leitfaden und empfiehlt Gutachtern und Behörden diesen in der täglichen Praxis zu berücksichtigen:

Weitere Informationen und Download

 

 

Gefährdung von Amphibien durch Winterquartierkontrollen?

Die Winterquartierkontrollen sind wieder voll im Gange. Jedes Jahr machen sich viele Fledermausschützer auf, um in den Winterquartierhabitaten, in Höhlen und Stollen, die überwinternden Fledermäuse zu zählen. Dabei betreten wir aber nicht nur den Lebensraum der Fledermäuse, sondern auch anderer Arten, die in den kühlen und feuchten unterirdischen Strukturen den Winter verbringen. Eine bestimmte Art fällt uns dabei regelmäßig aufgrund ihrer auffälligen Färbung auf: der Feuersalamander.

Schnell sind die Exemplare auf die Hand genommen, Fotos gemacht, bevor die Fledermauskontrollen im nächsten Quartier fortgesetzt werden. Ein eigentlich unbedenklicher Vorgang, meinen wir vielleicht. Aber Feuersalamander haben ein riesen Problem!

Seit vielen Jahren falle Amphibien in der ganzen Welt dem Chytridpilz Batrachochytridium dendrobatidis zum Opfer. Dieser Pilz, der aus den asiatischen Tropen stammt, befällt die Haut vor allem von Froschluchen, verstopft deren Poren und lässt die Hautatmer ersticken. Weltweit hat B. dendrobatidis (kurz: Bd) bereits zahlreiche Amphibienarten ausgerottet – allein in Panama mindestens 40 Prozent aller Froschspezies. Mehr als 700 Arten sind weltweit von der Epidemie betroffen.

Seit 2013 ist nun ein weiterer Pilz der Gattung Batrachochytridium bekannt, der ausschließlich Schwanzlurche, Salamander und Molche, befällt (Martel et al. 2013, PNAS). Dieser Pilz, Batrachochytridium salamandrivorens (kurz: Bsal, übersetzt: „Salamanderfresser“) wird für ein erhebliches Feuersalamandersterben in Zuid-Limburg (Niederlande) in 2008 und in den Ardennen (Belgien) in 2014 verantwortlich gemacht. In den Niederlanden ist die gesamte Population seither rapide zurückgegangen.

Martel und Kollegen beschreiben in ihrem Artikel aus 2014 (Martel et al. 2014, Science) die hohe Infektionsrate und die hohen Verlustraten unter heimischen Feuersalamandern. Der Pilz stammt aus dem tropischen Asien und wurde wahrscheinlich mit exotischen Salamanderarten eingeschleppt. Bsal gedeiht zwischen 10 und 15°C und zeigt damit ein niedrigeres Temperaturoptimum als bei den bisher bekannten Chytridpilz (Bd: 17-25°C) (Blooi et al. 2015, Scientific Reports). Daher ist davon auszugehen, dass Bsal besser mit den europäischen Klimabedingungen zurechtkommt und ein höheres Ausbreitungspotenzial hat als Bd. Bsal befällt die Haut der Salamander und führt zu deutlich sichtbaren Läsionen bis hin zu Löchern. Wie bei Bd führt der Befall zu einem Versagen der Hautatmung und damit zum Erstickungstod der Tiere. Aber auch Sekundärinfektionen aufgrund der geschädigten Haut können zum Tode der Tiere führen.

Insgesamt stellt der neu entdeckte Chytridpilz eine sehr ernst zunehmende Bedrohung für den Feuersalamander dar.

Da Deutschland im Zentrum des Verbreitungsgebietes des Feuersalamanders (Salamandra salamandra) liegt und einen nennenswerten Anteil der weltweiten Verbreitung beherbergt, tragen wir in Deutschland eine hohe nationale Verantwortung für die Art.

Die Ausbreitung des „Salamanderfresser-Pilzes“ in Deutschland wird jetzt in einem Verbundprojekt erforscht. Zugleich werden im Projekt auch Maßnahmen zur Eindämmung seiner Ausbreitung erarbeitet. Das Bundesamt für Naturschutz (BfN) fördert das gemeinsame Vorhaben der Universitäten Trier und Braunschweig und der Biologischen Stationen der Städteregion Aachen und des Kreises Düren (https://www.bfn.de/presse/pressearchiv/2018/detailseite.html?tx_ttnews%5Btt_news%5D=6241&cHash=d6a30692334c739fa3bf9c55349b2619).

Auch bei den regelmäßigen Kontrollen der Fledermauswinterquartiere, die häufig in den Überwinterungslebensräumen der Feuersalamander stattfinden, können Sporen des Pilzes verbreitet werden. Zudem kann der direkte Kontakt mit Feuersalamandern zu einer Infektion der Tiere führen.

Daher sind auch die Fledermausschützer gefragt, ihre Hygienestandards zu überdenken und das möglichste zu tun, eine weitere Verbreitung des Pilzes zu verlangsamen. Dazu hat die Universität Trier folgende Handlungsempfehlungen herausgegeben:

  • Bsal entwickelt auch widerstandsfähige Dauerstadien, so dass ein Durchtrocknen vermutlich nicht ausreicht. Eine sichere Maßnahme ist damit nach der gründlichen Reinigung (Bodenreste!) die Behandlung mit einem Pilzmittel wie Virkon S. Sowohl durch Bodenreste (z. B. im Profil von Schuhen) als auch durch Wasser/Feuchtigkeit (etwa an Geräten, Schuhen) kann der Pilz verbreitet werden.
  • vor einem Wechsel zwischen zwei Gewässern (bzw. hier: zwischen zwei möglichen Überwinterungslebensräumen) immer die Stiefel/Wanderschuhe sowie Geräte (z. B. Kescher, Fallen) wechseln oder mit geeignetem Mittel (z. B. Virkon S) nach gründlicher Reinigung mit Wasser desinfizieren
  • Stiefel und Geräte immer nach Gebrauch mit Wasser gründlich reinigen und anschließend gut durchtrocknen lassen

 

Weitere Informationen:

Ausbreitung der Salamanderpest in Nordrhein-Westfalen (Natur in  NRW, Heft 4/18)

https://www.bfn.de/infothek/daten-fakten/zustand-der-natur/tiere-pflanzen-und-pilze/ii-11-3-verbreitung-feuersalamanders-in-dl.html

http://www.bs-aachen.de/de/artenschutz/salamander-pilz/

http://www.amphibia.be/downloads/PNAS_2013.pdf

https://www.lanuv.nrw.de/landesamt/veroeffentlichungen/pressemitteilungen/

http://www.herpetofauna-nrw.de/downloads/pathogene-bei-amphibien.pdf

 

Dr. Frauke Krüger
für den LFA Fledermausschutz NRW

24. Jahrestreffen des LFA 2017

Update 25.10.2017: Vorträge aktualisiert.

Das 24. Jahrestreffen des „LFA Fledermausschutz“ wird am Samstag, dem 18. 11. 2017 in Leverkusen stattfinden. Die Tagung wird vom AK-Fledermäuse des NABU und BUND Leverkusen organisiert. Das Treffen wird wie üblich um 10:00 Uhr beginnen.

Wir treffen uns im Forum Leverkusen. Das Forum liegt direkt in der Innenstadt, 5 Minuten Fußweg vom Bahnhof Leverkusen Mitte entfernt. Wegen des Umbaus des Busbahnhofs gegenüber vom Bahnhof wird in der schriftlichen Einladung eine Wegebeschreibung gegeben.

Diese Tagung ist keineswegs nur für Experten bestimmt.
Gerade auch Neulinge im Fledermausschutz werden viele interessante Dinge erfahren.

Selbstverständlich ist die Teilnahme an der Tagung – wie in jedem Jahr – kostenlos. Getränke und Mittagessen müssen wir aber berechnen.

Es gibt schon einige interessante Vormerkungen für einen Vortrag. Gerne können auch Sie einen Vortrag anmelden. Es wäre schön, wenn Sie etwas zu einem kleinen Projekt, den Fledermäusen in Ihrer Region oder möglicherweise einen Reisebericht beisteuern können.

Vorläufiger Programm-Ablauf

Beginn 10.00 Uhr: Begrüßung der Teilnehmer
10:15 Uhr – 11:15 Uhr Vorträge
11:15 Uhr – 11:45 Uhr Kaffeepause
11:45 Uhr – 12:30 Uhr Vorträge und Wahlen
12:30 Uhr – 14:30 Uhr Mittagpause
14:30 Uhr – 16:00 Uhr Vorträge
16:00 Uhr – 16:30 Uhr Kaffeepause
16:30 Uhr – 18:00 Uhr Vorträge und Verschiedenes
18:00 Uhr Ende der Vorträge

Vorläufige Referentenliste

  • Mechtild Höller: 20 Jahre Arbeitskreis Fledermäuse bei NABU und BUND Leverkusen, Rückblick und Ausblick
  • Stephan Risch: Zur aktuellen Situation der Fledermausfauna in Leverkusen
  • Winfried Knickmeier Fledermäuse und Baurecht
  • Dieter Mahlke: Highspeed-Fotografie, Fledermäuse im Flug gestoppt
  • Christian Giese: Das online-Meldesystem „nrw.observation.org“
  • Helmut Pötsch: Fledertiervorkommen an der touristischen Höhle Sarako Lezea im Departement Pyrénées Atlantiques (Frankreich) Sommer 2016

Die endgültige Vortragsliste wird erst kurz vor der Tagung festgelegt.
Bitte melden Sie Vorträge oder Posterbeiträge bei Carsten Trappmann 0251 – 88145 (Trappmann@Fledermausschutz.de) an.

Download: Einladung, vorläufiges Programm und Anfahrtsbeschreibung (PDF)

Anmeldung:
Zur besseren Planung, inbesondere der Verpflegung wollen wir Sie erstmals bitten, sich im Vorfeld für die Tagung anzumelden. Es soll den Ausrichtern vor Ort die Planung einfacher gestalten.
Bitte beachten Sie: Anmeldeschluss ist der 13.11.2017

Die Anmeldefrist ist nun abgelaufen.

Tagungsort:
Forum Leverkusen
Am Büchelter Hof 9
51373 Leverkusen.

Eine Anfahrtsbeschreibung finden sie hier: https://www.kulturstadtlev.de/?id=206

Routenplaner


18.08.-20.08.2017: Fledermäuse – Jäger der Nacht (Einsteigerseminar)

Fledermäuse sind faszinierende Tiere und mit vielen Geheimnissen verwoben. Ihre nächtliche Lebensweise verdeckt noch viele Geheimnisse. Erst in den letzten Jahren rückten diese Tiere in das Interesse von Wissenschaft und Technik. Die größte Menge der Erfahrungen an und mit heimischen Fledermausarten sammelten ehrenamtliche Forscher und Naturschützer.

Dieser Lehrgang führt unbedarfte Einsteiger an das Thema heran. In der Theorie werden Grundlagen zum Fledermausschutz, zur Bestimmung der einzelnen Arten am Tier, Präparat oder über den Ultraschall durchgeführt. Praktische Übungen wie Telemetrie, Kastenkontrollen, Netzfang und andere Methoden werden getestet.

Die Biologen Paul Schnitzler und Milan Podany sind langjährig erfahrene Praktiker in Sachen Fledermausschutz. Sie führen an diesem Wochenende in lockerer Form die Teilnehmer in das Thema ein und stehen zur Beantwortung aller Fragen zur Verfügung.

Dauer: 18.08.-20.08.2017
Beginn Freitag 19 Uhr (Anreise ab 16 Uhr), Abschluss Sonntag 14 Uhr

Kosten: Ermäßigter Preis für NABU-Mitglieder: 191 Euro/Pers. (inkl. Verpflegung, zzgl. Übernachtung), Preis für alle anderen: 211 Euro/Pers. (inkl. Verpflegung, zzgl. Übernachtung)

Dieses Seminar ist auch für Bundesfreiwillige geeignet. Die Seminarkosten inkl. Verpflegung/Übernachtung werden im Rahmen des Bundesfreiwilligendienstes und den damit verbundenen Bildungstagen übernommen.

Seminarleitung: Milan Podany, Fledermausforscher und Paul Schnitzler, Biologe, www.batwork.de

Anmeldung:
NABU Gut Sunder / NABU-Wildtiernis Gut Sunder
29308 Winsen/A. OT Meißendorf
Verwaltung: 05056 970111
Durchwahl: 05056 970113
https://niedersachsen.nabu.de/natur-und-landschaft/natur-erleben/gut-sunder/seminare/18729.html

Umfrage zur Umsiedlung von Fledermäusen

Sehr geehrte Damen und Herren,

immer wieder kommt es, zumeist im Rahmen von Eingriffsplanungen und Sanierungsmaßnahmen, zu Versuchen, Fledermäuse verschiedener Arten umzusiedeln. Selten werden selten Berichte oder Beschreibungen von Umsiedlungen veröffentlicht.

Mit dieser Umfrage soll ein Überblick erarbeitet werden, welche Umsiedlungsversuche im deutschsprachigen Raum an welchen Fledermausarten durchgeführt wurden und ob diese erfolgreich waren. Ihre Antworten sollen helfen eine bessere Grundlage für Entscheidungen von Genehmigungsbehörden, Naturschutzverbänden etc. zu schaffen.

In diesem Zusammenhang interessieren uns Umsiedlungen von Sommer- und Wintergesellschaften aller Fledermausarten in verschiedenen Habitaten (Dachböden, Spalten in Außenbereich von Gebäuden, Baumquartiere im Winter, Keller, Bunker, Tunnel, Höhlen, Bergwerke, Brückenbauwerke im Sommer und Winter). Darunter fallen auch Ersatzquartiere innerhalb eines Bauwerks, z. B. Ersatzkästen für den Wegfall von Gewölbespalten in Brücken oder ähnliches. Ausgenommen sind lediglich Fledermauskästen, die als Ersatz für weggefallene Baumquartiere im Sommer installiert wurden.

Für die Umfrage ist es unerheblich, ob Sie direkt an einer Umsiedlung teilgenommen haben, oder fundiertes Wissen darüber besitzen. Gegebenenfalls abgegebene personenbezogene Daten werden bei der Auswertung und einer späteren Veröffentlichung anonymisiert. Auch geographische Bezüge werden soweit zusammengefasst oder generalisiert, dass keine indirekten Rückschlüsse mehr möglich sind.

Die Beantwortung aller Fragen dauert maximal 15 Minuten. Der online-Fragebogen ist bis zum 30. September 2017 freigeschaltet.

Wenn Sie Angaben zu mehreren Umsiedlungen machen können, ist es notwendig, für jede Maßnahme getrennt diese Umfragebogen auszufüllen. Wir bitten um Ihr Verständnis.

Bitte beteiligen Sie sich an dieser Umfrage und wenn möglich leiten Sie den Link an Ihre Kolleginnen und Kollegen weiter. Jeder Erfahrungsbericht ist ein wichtiger Baustein für einen Erkenntnisgewinn zum Wohle der Fledermäuse.

Weitere Informationen erhalten Sie, wenn Sie folgendem Link zur Umfrage folgen: https://www.soscisurvey.de/Fledermaus-Umsiedlungen/

Über eine rege Beteiligung würden wir uns sehr freuen!

Mit freundlichen Grüßen,

Michael Veith & Andreas Kiefer
Ein Projekt der Biogeographie, Universität Trier – 2017

Rauhautfledermaus-Workshop

08.09.2017 – 10.09.2017. In dem Workshop sollen im Rahmen des internationalen Rauhaut-Zugmonitorings durchziehende Rauhautfledermäuse per Netzfang gefangen und Kastenkontrollen durchgeführt werden. Die Tiere werden vermessen, bestimmt und ggf. beringt, bzw. von beringten Tieren die Ringe abgelesen.

Der Workshop wendet sich an Fledermausexperten, die Erfahrung mit dem Fang von Fledermäusen haben aber auch an Laien, die Interesse haben den Fang von Fledermäusen und die Kontrolle von Fledermauskästen kennenzulernen.

Veranstaltungs-Nr.: 082-17
Titel: Rauhautfledermaus-Workshop
Datum: 08.09.2017 – 10.09.2017
Ort: Hiddenhausen

Anmeldeschluss 25.08.2017
Anmeldung bei
BUND Herford
Laarer Str. 318
32051 Herford
bund.herford@bund.net
www.herford.bund.net

Teilnahmegebühr
95,- €, BUND Mitglieder 80,- €, Studenten/Schüler, etc. 65,- €
Ausrichter BUND Herford, AG Biotopkartierung

Leitung: Bernd Meier-Lammering, BUND Herford

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