Die Bechsteinfledermaus – eine Leitart für den Waldnaturschutz, Handbuch für die Praxis

Förderung eines Kolonieverbundes der Bechsteinfledermaus im europäischen Populationszentrum – Entwicklung und Umsetzung von effizienten Schutzmaßnahmen zur Integration in die forstliche Bewirtschaftung

Der Naturpark Rhein-Taunus hat sich zur Aufgabe gemacht, die seltene Bechsteinfledermaus als „Verantwortungsart“ in unseren Wäldern zu schützen und zu fördern. Dazu hat er ein Schutzprojekt im Rahmen des Förderprogramms „Biologische Vielfalt“ des Bundesamtes für Naturschutz ins Leben gerufen:

„Förderung eines Kolonieverbundes der Bechsteinfledermaus
im europäischen Populationszentrum – 

Entwicklung und Umsetzung von effizienten Schutzmaßnahmen
zur Integration in die forstliche Bewirtschaftung“

Um eine bundesweite Wirkung zu erreichen, sollen die ausgearbeiteten Empfehlungen zur forstlichen Bewirtschaftung unter Berücksichtigung der Bechsteinfledermaus auf möglichst vielen Waldflächen zur integrierten Anwendung kommen. Durch den integrativen Charakter der Empfehlungen ist ein Multiplikationseffekt möglich, der eine bundesweite Wirkung auf die Vorkommen der Bechsteinfledermaus zur Folge haben könnte.

Entwicklung eines Leitfadens für die forstwirtschaftliche Praxis:

Um die Ergebnisse des Vorhabens praxisbezogen und für die Forstwirtschaft anwendbar darzustellen, wurde ein Leitfaden mit detaillierten Angaben zu forstlichen Kennwerten und Stellgrößen für unterschiedlich beschaffene Waldausprägungen zur Förderung der Bechsteinfledermaus ausgearbeitet.

Weiterhin wird die Entwicklung eines praxisnahen Prämienkatalogs angestrebt und in den Leitfadenintegriert, um die Vergütung von Schutzmaßnahmen zu ermöglichen, die über ein wirtschaftlich tragbares Maß hinausgehen.

Mehr über das Projekt und das Handbuch zum kostenlosen Download finden Sie hier:

https://www.bechsteinfledermaus.eu/

Fledermaus-Fachzeitschrift „Nyctalus“ Band 19, Heft 2

Der Nyctalus Neue Folge – Internationale Fledermaus-Fachzeitschrift publiziert Beiträge und Artikel zur Artengruppe der Fledermäuse in deutscher und englischer Sprache. Die Inhalte umfassen weitgefächerte Themenfelder, wie Gefährdung, Schutz, Planung und Forschung im deutschsprachigen Raum sowie darüber hinaus. Die Zeitschrift spricht neben den ehrenamtlichen und wissenschaftlichen Autoren und Lesern auch Gutachter und Behörden an.

Alle veröffentlichten Artikel dienen nach Auffassung des Herausgebers der Verbreitung der natur- und artenschutzfachlichen sowie planerischen und wissenschaftlichen Praxis.

Die neue Ausgabe „Band 19, Heft 2“ kann bestellt werden.

Auszug aus dem aktuellen Inhalt:

GESSNER, B., THIES, M., & SCHNEIDER, S.: Erste Wochenstuben der Wimperfledermaus (Myotis emarginatus Geoffroy, 1806) für Rheinland-Pfalz im Bitburger Gutland (Eifelkreis Bitburg-Prüm)

WIESER, H., GÜNTHER, L., MAYER, F. & RIPPERGER, S.: Temperaturprofile künstlicher und natürlicher Fledermausquartiere in einem städtischen Waldhabitat (Königsheide Forst, Berlin)

von der HEIDE, K.: Lokalisierung fliegender Fledermäuse mit unsynchronisierten Ultraschallrecordern

Erfahrungsberichte

BROCKMANN, D. & ZÖPHEL, U.: Stand der Fledermausmarkierung in Ostdeutschland seit 2001

JENTKE, T., & DECHER, J.: Bericht aus der Fledermaus Beringungszentale Bonn

VLASCHENKO, A., & PRYLUTSKA, A.: Das Bat Rehabilitation Center des „Feldman Ecoparks“, Charkiw, Ukraine

HORN, J.: Erfahrungen zur Aufzucht, Pflege und Auswilderung von in Gefangenschaft geborenen Zweifarbfledermäusen (Vespertilio murinus)

Fledermaus-Artporträt

VIQUEZ-R, L., & TSCHAPKA, M.: Kleine mexikanische Blütenfledermaus Leptonycteris yerbabuenae (Martinez & Villa 1940)

Kurzmitteilungen

PELZ, G.: Erster Winterquartiernachweis der Nordfledermaus (Eptesicus nilssonii) im Land Brandenburg

PASSIOR, K.: Fund einer Nordfledermaus (Eptesicus nilssonii) in Hildesheim (Niedersachsen)

KERN, B.: Beobachtung von Lippenanhängen beim Großen Mausohr (Myotis myotis Borkhausen, 1797)

OTTO, A.: Graues Langohr (Plecotus austriacus) ertrinkt durch Fadenalgen (Zygnema spec.) im Gartenteich

HINKEL, A.: Der Hamburger Zoologin Erna Mohr (1894-1968) zum 50. Todestag

REINECKE, N. A.: Erste Nachweise von Wochenstuben der Mückenfledermaus (Pipistrellus pygmaeus) in Hamburg – vom Fundtier zum Quartier

HOFFMEISTER, U.: Zwei bemerkenswerte Funde vom Kleinabendsegler (Nyctalus leisleri) aus dem Bundesland Brandenburg (Deutschland) in der Provence-Alpes-Côte d’Azur (Frankreich)

BLOHM, T. & HEISE, G.: Zum Alter der Mückenfledermaus (Pipistrellus pygmaeus)

BLOHM, T. & HAUF, H.: Neue Funde des Grauen Langohrs (Plecotus austriacus) in der Uckermark

BLOHM, T. & HAUF, h.: Nachweis einer überwinternden Bechsteinfledermaus (Myotis bechsteinii) in der Uckermark

PELZ, G.: Weiterer Fund einer Rauhautfledermaus (Pipistrellus nathusii) in Ligurien – Italien – aus Ostbrandenburg

OHLENDORF, B. & GATTUS, J.-C.: Langstreckenflug einer Zweifarbfledermaus (Vespertilio murinus) aus dem Nationalpark Harz (Deutschland) in die Seealpen (Frankreich)

Bestellung und weitere Informationen:
https://nyctalus.com

14. BFA Fledermaus-Tagung in Hamburg

12. bis 14. April 2019 / Jetzt anmelden!

Der Bundesfachausschuss (BFA) Fledermausschutz des NABU versteht sich als bundesweite Ausstauschplattform für alle Fledermauskundler und -interessierten. Ziel ist es, Strukturen zur internationalen Zusammenarbeit zu schaffen und zu stärken. Die alle zwei Jahre stattfindende Fachtagung dient dem Austausch und der Information, sowie der Erstellung neuer Konzepte und Stellungnahmen zu relevanten Themen im Fledermausschutz. Es werden die neuesten Ergebnisse von Studien präsentiert und über aktuelle Themen im Fledermausschutz diskutiert. Die Veranstaltung bietet außerdem die Möglichkeit, lokale Projekte vorzustellen.

Erst seit 2017 findet die Tagung unter dem Namen BFA-Tagung statt. Bis dahin waren die Fledermauskundler als Bundesarbeitsgemeinschaft (BAG) im NABU vereint und entsprechend wurde eine BAG-Tagung organisiert.

Anmeldung, Programm und weiter Infos finden Sie hier:
https://hamburg.nabu.de/tiere-und-pflanzen/fledermausschutz/bfa-tagung/index.html

Fledermäuse und Licht: Leitfaden für die Berücksichtigung von Fledermäusen in Beleuchtungsprojekten

Das Tempo, mit dem die Lichtverschmutzung zunimmt, ist größer als das globale Bevölkerungswachstum und die wirtschaftliche Entwicklung. Achtzig Prozent der Weltbevölkerung ist derzeit lichtverschmutzten Himmeln ausgesetzt, die Milchstraße ist für mehr als ein Drittel der Menschheit nicht mehr sichtbar.

Während die Umgebungsbedingungen in der Nacht sich dramatisch und schnell verändern, werden zirkadiane Rhythmen, Verhalten und Ökologie von Pflanzen und Tiere unmittelbar beeinflusst. Gleichzeitig werden die Auswirkungen künstlicher Beleuchtung, verschiedener Beleuchtungsschemata und Spektren auf die Biodiversität, einschließlich Fledermäuse, derzeit nur unzureichend verstanden, wohingegen Entscheidungsträger und andere an Beleuchtungsprojekten beteiligte Parteien nur eine vage Vorstellung von erforderlichen Minderungs- und Kompensationsaktivitäten haben.

Obwohl die Fledermäuse fast ausschließlich nachtaktiv sind und extrem empfindlich auf die vielfältigen Auswirkungen der Lichtverschmutzung reagieren, werden ihre negativen Auswirkungen auf Fledermäuse neben den notwendigen Maßnahmen zum Schutz der unfragmentierten nächtlichen Landschaften dieser Tiere bei Folgeabschätzung, Planung und Umsetzung häufig außer Acht gelassen.

In diesem Band werden verfügbare Nachweise für die Wirkung von Kunstlicht in der Nacht auf die europäischen Fledermäuse zusammengestellt. Auf der Grundlage des aktuellen Wissensstands werden Lösungen vorgeschlagen, um mögliche nachteilige Auswirkungen von Beleuchtungsprojekten auf Fledermäuse und ihre funktionalen Lebensräume zu vermeiden, abzuschwächen und zu kompensieren. Wir haben auch Forschungsschwerpunkte für zukünftige Studien skizziert, die für ein tieferes Verständnis des Problems und die Bewertung der Effizienz der vorgeschlagenen Minderungsmaßnahmenerforderlich sind.

Es ist jedoch wichtig, den Erfolgsgrad der in diesem Dokument beschriebenen Minderungsstrategien zu messen und zu bestimmen, ob sie für Fledermäuse lokale und landschaftliche Vorteile bieten. Weiterhin ist es wichtig zu untersuchen, wie diese Maßnahmen verbessert werden können. Quantitative Bewertungen der Wirksamkeit von Minderungsmaßnahmen, die für die Weiterentwicklung und Verbesserung von Strategien für die Zukunft von entscheidender Bedeutung sind, können nur erreicht werden, wenn strukturierte Daten von mehreren Standorten abgerufen werden.

Download: Leitfaden für die Berücksichtigung von Fledermäusen bei Beleuchtungsprojekten (PDF)
Download: Guidelines for consideration of bats in lighting projects (PDF)
Voigt, C.C, C. Azam, J. Dekker, J. Ferguson, M. Fritze, S. Gazaryan, F. Hölker, G. Jones, N. Leader, D. Lewanzik, H.J.G.A. Limpens, F. Mathews, J. Rydell, H. Schofield, K. Spoelstra, M. Zagmajster (2018): Guidelines for consideration of bats in lighting projects. EUROBATS Publication Series No. 8. UNEP/EUROBATS Secretariat, Bonn, Germany, 62 pp.

Exemplare der Publikation sind im Internet erhältlich
EUROBATS-Sekretariat
UN-Umwelt
Campus der Vereinten Nationen
Platz der Vereinten Nationen 1
53113 Bonn, Deutschland
Tel (+49) 228 815 2421
Fax (+49) 228 815 2445
E-Mail an eurobats@eurobats.org
Web www.eurobats.org
ISBN 978-92-95058-39-2 (gedruckte Version)
ISBN 978-92-95058-40-8 (elektronische Version)

Seminar: Analyse von Fledermauskot und Baumhöhlenuntersuchungen

Fledermäuse wechseln ihre Quartiere häufig, so dass sie nur selten in Quartieren angetroffen werden. Oftmals lassen sich Fledermausquartiere aber anhand der Hinterlassenschaften (Kotpillen) nachweisen. Diese Kotkrümel können aufgrund des Fundortes, der Größe und Färbung Fledermausgruppen zugeordnet werden. Eine weitere Bestimmung bis hin zur Art erfordert jedoch meist die feinere Analyse der Kotpille. Hierbei werden die unverdaulichen Reste der Beute (Insekten und Spinnen) sowie die beim Putzen geschluckten Haare betrachtet. Im Rahmen des Seminars werden auch Baumhöhlen (auf Fledermauskot) untersucht. Anhand von gesammelten Kotpillen wird die Kotanalyse in praktischen Übungen vermittelt. Das Seminar richtet sich an Interessierte aus dem ehrenamtlichen und amtlichen Naturschutz.

Freitag 15.02.2019 bis Sonntag 17.02.2019
Biologiezentrum Gut Bustedt, Hiddenhausen, Kreis Herford

Tagungskosten: 95 € (BUND-Mitglieder 70 €)

Anmeldung
BUND Herford, Laarer Straße 318, 32051 Herford
bund.herford@bund.net

Download: Programm (PDF)

Handbuch: Praxis der akustischen Fledermauserfassung

Keine andere Methode der Fledermauserfassung erfreut sich heute einer so großen Beliebtheit und Verbreitung im Rahmen von Umweltgutachten und ehrenamtlichen Tätigkeiten wie die akustische Erfassung. Der Wunsch nach Evidenzien bei der Bewertung von Eingriffen – und hier vor allem der Windenergie – sowie die Vielzahl an hochentwickelten Geräten auf dem Markt sind sicherlich ein Grund hierfür. Ein anderer Grund ist, dass sich diese Methode langsam aber sicher etabliert und eine Vielzahl von Untersuchungen ermöglicht. Noch vor einigen Jahren konnten beinahe nur anekdotische Daten mit Detektoren erhoben werden, die Vielzahl an modernen Geräten haben diese Methode weitergebracht. So befindet sie sich heute auf einem deutlich höherem Niveau.

Wer sich mit der akustischen Erfassung beschäftigt wird jedoch schnell erkennen, dass es bei aller Euphorie doch auch recht viele offene Fragen zu den Möglichkeiten und Grenzen gibt. Klare Definitionen zum Umgang mit den Daten fehlen meist. So gibt es zum Beispiel keine eindeutig beschriebenen Aktivitätsindizes.

Dieses Buch hat als Ziel einen Überblick der möglichen Anwendungen der akustischen Fledermauserfassung zu liefern. Ausführliche technische Vergleiche werden jedoch, abgesehen von wenigen Ausnahmen, nicht vorgenommen. Vielmehr werden die zahlreichen typischen Fragen zur Anwendung aufgegriffen. Wichtige technische Begriffe und physikalische Grundlagen zur Arbeit mit Ultraschall werden im letzten Kapitel kurz erläutert.

Volker Runkel, Guido Gerding, Ulrich Marckmann

Bestellung: https://tredition.de/autoren/volker-runkel-24900/handbuch-praxis-der-akustischen-fledermauserfassung-paperback-107301/

Frostschwärmen von Zwergfledermäusen

Phänomen einer Überwinterungsstrategie

Weit verbreitet ist die Annahme, dass die Wochenstuben- und Sommerquartiere auch gleichzeitig Winterquartiere von Zwerg- und Mückenfledermäusen sind. Diese Annahme legt nahe, dass andere Gebäude als Winterquartiere weniger in Frage kommen. Ist das so?

Was wir wissen

Mindestens zwei Methoden der Überwinterung von Zwerg und Mückenfledermäusen sind bekannt:

  • Einzelne Tiere oder kleine, verteilte Gruppen
  • große Gruppen in Massen-Winterquartieren

Unsere mitteleuropäischen Winter sind oft mild, mit leichten Nachtfrösten und ab und zu mäßigen Frostperioden. Setzt starker Frost ein, wandern Zwergfledermäuse in die Massenwinterquartiere. Woher die Tiere kommen, wissen wir meist nicht, vermutlich aber aus der näheren oder weiteren Umgebung. Es sind möglicherweise Zwerg- und Mückenfledermäuse, die das Quartier wechseln, weil das ursprüngliche nicht frostfrei oder sogar zu warm ist. Zwergfledermäuse wechseln also als Teil ihrer Überwinterungsstrategie das Quartier (Sendor, 2002Simon et al. 2004).

Bekannt sind auch Winterfunde einzelner Tiere oder kleinerer Gruppen von Zwergfledermäusen in Kästen, die hauptsächlich im Frühjahr und Herbst als Quartier genutzt werden. Die Tiere verlassen die Kästen bei Frost, kehren aber oft nach der Frostperiode zurück. Es wird vermutet, dass es sich dabei um Männchen handelt, die den Paarungsritus möglichst lange aufrechterhalten wollen. Auch sind Funde in und an Gebäuden und unterirdischen Quartieren bekannt. Wenig bekannt ist, wie die Tiere dort auf Frost- oder Wärmeperioden reagieren.

Die Problematik

Als Massenwinterquartiere kommen Gebäude jeder Größe, jeden Alters und jeder Bauart in Frage, ebenso Ruinen, Brücken und ähnliche Bauwerke, Felsquartiere und unterirdische Quartiere. Diese sind meist schwer zugänglich, schlecht einsehbar und daher kaum zu kontrollieren.

Es gibt kaum Methoden, durch die mit vertretbarem Aufwand Winterquartiere einzelner oder Massen von Zwergfledermäusen mit hoher Sicherheit nachgewiesen oder ausgeschlossen werden können.

Ohne die Möglichkeit einer Untersuchung besteht die Gefahr, dass Massenwinterquartiere zerstört und lokale oder sogar überregionale Populationen der Zwerg- und Mückenfledermaus vernichtet werden. Oft werden Gebäude in den Wintermonaten abgerissen oder saniert, ohne dass eine mögliche Nutzung als Winterquartier berücksichtigt wird.

Mit einer Kombination von Methoden können große Überwinterungsquartiere von Zwergfledermäusen in modernen, mehrstöckigen Gebäuden und Hochhäusern im städtischen Bereich entdeckt werden. Vielfach sind es Gebäude, die bei oberflächlicher Betrachtung als mögliche Quartiere übersehen oder gleich ausgeschlossen werden.

Wirklich keine Methode?

Die niederländischen Kollegen um Erik Korsten, Eric Jansen, Herman Limpens und Martijn Boonman (2016) beschreiben im Artikel „Swarm and switch: on the trail of the hibernating common pipistrelle“ ein bislang wenig bekanntes winterliches Schwarmverhalten von Zwergfledermäusen, das bei einzelnen Tieren, aber auch in Massen an Gebäuden auftritt. Weiter wird das spätsommerliche Schwärmen um Mitternacht als Indikator für mögliche Winterquartiere benannt.

Methode 1:
Spätsommerliches Schwärmen

Zeitpunkt: Anfang August bis Mitte September mit einem Höhepunkt von Mitte bis Ende August. Begehung ab Mitternacht für zwei Stunden, besser zwei Stunden nach Sonnenuntergang bis zwei Stunden vor Sonnenaufgang.
Wetter: möglichst windstille, warme Nächte mit Temperaturen ab 15° C gegen Mitternacht.
Technik: Einfacher Detektor, starke Taschenlampe (Hochhaus), Fernglas, zu Fuß oder per Fahrrad.
Wiederholen: alle paar (fünf bis zehn) Nächte bei optimalem Wetter die Begehung wiederholen.

Methode 2:
Frostschwarmverhalten im Winter

Warten Sie bis zur ersten Frostperiode und suchen in den folgenden zwei, drei und vier Nächten dieser Frostperiode nach schwärmenden Tieren. Die Nächte sollten kalt, mit Temperaturen deutlich unter null sein. Beginnen Sie etwa 45 Minuten nach Sonnenuntergang und für die Dauer von etwa zwei bis drei Stunden.

Die Suche im Winter kann auf das Finden der Schwarmquartiere im August aufbauen. Dies schränkt die Suche auf bestimmte Gebäude und Bereiche der jeweiligen Gebäude deutlich ein. Man kann diese Methode aber auch „auf gut Glück“ bei zum Beispiel ehrenamtlicher, systematischer Suche anwenden, ohne im Spätsommer nach Quartieren gesucht zu haben.

Aber Achtung! Kein Nachweis bedeutet nicht automatisch, dass den ganzen Winter keine Fledermäuse anwesend sind!

Es stellen sich Fragen

  • Schwärmen Zwergfledermäuse auch in den wärmeren Nächten nach einer Frostperiode?
  • Lässt sich das Verhalten auch auf Quartiere in/an Felsen z. B. im Mittelgebirge übertragen?
  • Wie sieht es mit (kleineren) Überwinterungsgruppen an niedrigeren Gebäuden aus?
  • Ist das Frostschwärmen auch bei anderen Arten wie Breitflügelfledermaus, Nordfledermaus oder Zweifarbfledermaus zu beobachten?

Bitte helfen Sie mit

Um Fragen zu klären und vor allem um diese oft übersehenen Quartiere und Fledermäuse zu schützen, sind Sie als Gutachter aufgerufen, dieses Wissen anzuwenden und als Ehrenamtler auch im Winter etwas Zeit zu investieren.

Ganz Wichtig! Melden Sie diese Winterquartiere unbedingt den zuständigen Behörden!

Es wäre schön, wenn Sie Ihre Entdeckungen mit uns und anderen teilen. Dazu sammeln wir möglichst viele Informationen auf dieser Webseite.

Das Video von Erik Korsten (Zoogdiervereniging, NL) von Ende Dezember 2014 zeigt viele schwärmende Zwergfledermäuse bei Schnee und -5°C.

Ohne diese Kenntnisse besteht die Gefahr, dass Massenwinterquartiere zerstört und lokale oder sogar überregionale Populationen der Zwergfledermaus vernichtet werden. Wir wissen, dass diese Gebäudetypen oft abgerissen oder renoviert werden, ohne dass es eine Fledermausuntersuchung mit dem Ziel schwärmende Fledermäuse oder Winterquartiere zu finden, gibt.

Es ist daher wichtig, dass Gutachter die richtigen Untersuchungsmethoden anwenden, um überwinternde Zwergfledermäuse nachzuweisen. Besser wäre es flächendeckende Kartierungen durchzuführen, um diese sehr wichtigen, aber auch sehr anfälligen Quartiere nicht nur den Behörden bekannt zu machen.

Rückmeldung:

Interessant wäre mal eine Rückmeldung ob ihr erfolgreich wart und was ihr beobachten konntet.
Einfach per Mail an Christian Giese: giese@fledermausschutz.de

  1. Ingolstadt: ca. 20 schwärmende Mückenfledermäuse im Dezember an einem einstöckigen Mehrfamilienhaus bei Frost.
  2. Süd-Pfalz (2019): 40-50 schwärmende Mückenfledermäuse bei Frost
  3. Süd-Pfalz (2019): wenige schwärmende Mückenfledermäuse bei Frost an großer (1.000) Wochenstube
  4. Rhede, NRW (2019): einzelne schwärmende Zwergfledermäuse bei Frost (Grundschule, Einfamilienhaus, Mehrfamilienhaus )

—-

Downloads:

(Massa-)winterverblijfplaatsen van gewone dwergvleermuizen: discussiestuk Vleermuisprotocol 2017 von Erik Korsten (Bureau Waardenburg), Herman Bouman (Arcadis) & Daniel Tuitert (Sweco)

Swarm and switch: on the trail of the hibernating common pipistrelle (2016)

Quelle: Bat News. No. 110 (Summer 2016). p. 8-10. Bat Conservation Trust. London.
Korsten, Erik & Jansen, Eric & Limpens, Herman & Boonman, Martijn & Schillemans, Marcel. (2016). Swarm and switch: on the trail of the hibernating common pipistrelle.

Christian Giese
für den LFA Fledermausschutz NRW

Das Video von Erik Korsten (Zoogdiervereniging, NL) vom 18. Januar 2016 zeigt schwärmende Zwergfledermäuse bei -3°C. Erik hat an dem Abend an mehren Gebäuden schwärmende Zwergfledermäuse gefunden.

Video von Erik Korsten (Zoogdiervereniging, NL) vom 19. Januar 2019 in Tilburg Noord (NL).

LFA sucht die seltene Wimperfledermaus

Viele Menschen glauben, dass es bei ihnen zu Hause keine seltenen und besonderen Fledermausarten gibt. Dabei leben auch in NRW trotz riesiger, ausgeräumter Ackerlandschaften und großer Wohn- und Gewerbeflächen solche Arten. Gut sichtbar sind vor allem die häufigen Zwerg- und Breitflügelfledermäuse sowie an vielen großen Wasserflächen Wasserfledermäuse.

Es gibt in NRW bei den Fledermäusen, die an sich schon schwer zu beobachten und zu bestimmen sind, auch eine Besonderheit: die Wimperfledermaus (Myotis emarginatus).

Im Kreis Heinsberg liegen die einzigen bekannten Wochenstuben der Art in ganz Norddeutschland.

Sie hängen zusammen mit Vorkommen in den angrenzenden Niederlanden und Belgien. Während die Wochenstuben und Einzeltiere aus den Orten an der Landesgrenze gut bekannt sind, fehlen Nachweise im restlichen Kreis Heinsberg und aus Nachbarkreisen weitgehend. Aufgrund aktueller Funde im Kreis Viersen sowie Einzelfunden in Moers und Bonn sucht der LFA nun nach weiteren Vorkommen der Art, v.a. im Rheinland.

Karte: Verbreitung der Wimperfledermaus in NRW
Karte: Verbreitung der Wimperfledermaus in Europa
Karte: Rasterkarte des LANUV NRW

Wimperfledermaus außen an einem Gebäude. Foto: NABU Heinsberg

Wimperfledermaus außen an einem Gebäude. Foto: NABU Heinsberg

„Die Wimperfledermaus ist die einzige heimische Art, deren Tiere regelmäßig außen an Gebäuden zu finden sind“, so Michael Straube vom NABU Kreisverband Heinsberg. Gut zu sehen sind sie aber nicht, wenn sie unter überhängenden Dächern im meist dunklen Winkel zwischen Dach, Mauer und Sparren hängen (siehe Foto). Am ehesten fällt der Kot auf, v.a. wenn er auf helle Fensterbänke, Hauseingänge oder Terrassen fällt. Darüber findet man dann die Tiere, die aber oft ihre Quartiere wechseln. Unter den Dächern hängen meist nur ein Tier oder zwei Tiere zusammen. Größere Gruppen bewohnen ungenutzte Dachstühle, die nicht ganz dunkel sein müssen, etwa auf Bauernhöfen oder alten Hofanlagen. Fliegend sind Wimperfledermäuse kaum zu beobachten, da sie erst in der späten Dämmerung abfliegen und ganz nahe an Bäumen und Sträuchern jagen, auch sitzende Insekten und Spinnen.

Meldungen von Wimperfledermäusen bitte per Email (gerne mit Fotos) an den LFA: straube@fledermausschutz.de oder telefonisch: 02434-8094043

Vortrag: Von Wäldern, Brunnen und Fledermäusen – Sommer- und Winterquartiere in den Baumbergen

Die Baumberge (Kreis Coesfeld, NRW) sind attraktiver Lebensraum für unsere Fledermäuse in NRW. An die 10.000 Tiere überwintern hier in Brunnenschächten, Eiskellern und Co. Im Sommer zieht nicht nur die seltene Bechsteinfledermaus ihre Jungen in den Wäldern groß. Die Referentinnen stellen neben besonderen Raritäten auch die häufigeren aber nicht weniger spannenden Arten unserer Siedlungen vor.

Termin: Mittwoch, den 31. Oktober von 18:00 bis ca. 21:00 Uhr

Treffpunkt: Naturschutzzentrum, Alter Hof Schoppmann, (der Parkplatz des Hofes ist über die Navi-Adresse Wullaweg 2, 48301 Nottuln-Darup zu erreichen)

Leitung: Frauke Meier und Lena Grosche (Echolot – Büro für Fledermauskunde, Landschaftsökologie und Umweltbildung)

Anmeldung und weitere Informationen: keine

Kostenbeitrag: kostenfrei

Fledermaus-Fachzeitschrift „Nyctalus“

Der Nyctalus Neue Folge – Internationale Fledermaus-Fachzeitschrift publiziert Beiträge und Artikel zur Artengruppe der Fledermäuse in deutscher und englischer Sprache. Die Inhalte umfassen weitgefächerte Themenfelder, wie Gefährdung, Schutz, Planung und Forschung im deutschsprachigen Raum sowie darüber hinaus. Die Zeitschrift spricht neben den ehrenamtlichen und wissenschaftlichen Autoren und Lesern auch Gutachter und Behörden an.

Alle veröffentlichten Artikel dienen nach Auffassung des Herausgebers der Verbreitung der natur- und artenschutzfachlichen sowie planerischen und wissenschaftlichen Praxis.

Die neue Ausgabe „Band 19, Heft 1“ kann bestellt werden.

Auszug aus dem aktuellen Inhalt:

Rainer Hutterer, Johannes Handwerk und Christine Meyer-Cords: In Rüdersdorf begann die Beringung von Fledermäusen in Mitteleuropa: Martin Eisentraut und Mitarbeiter 1932-1951

Simon Thorn, Sebastian Seibold, Osmo Heikkala, Matti Koivula, Parvathy Venugopal und Jari Kouki: Neue Nachweise der Nordfledermaus (Eptesicus nilssonii) unterstreichen den Erhalt von Einzelbäumen auf borealen Kahlschlägen

Kathleen Kuhring und Robert Drangusch: Bemerkenswertes Quartier des Großen Mausohrs (Myotis myotis) – Der Kalkringofen bei Förderstedt im Salzlandkreis, Sachsen-Anhalt

Guido Pfalzer: Können Alt- und Totholzkonzepte waldbewohnenden Fledermäusen helfen? – Ein Beispiel aus Rheinland-Pfalz

Marie Viehl: Zur Quartiernutzung der Mopsfledermaus (Barbastella barbastellus) im Eckertal (Nationalpark Harz) – Zusammenfassung mehrjähriger Untersuchungsergebnisse

Wolfram Blug und Heinz Wissing: Erstnachweis einer Wochenstube der Wimperfledermaus – (Myotis emarginatus Geoffroy, 1806) – in der Südpfalz

Bestellung und weitere Informationen:
https://nyctalus.com

Call Now Button