Kleinabendsegler: Neue Studie zeigt überraschende Flugrouten
Der Kleinabendsegler, Fledermaus des Jahres 2026/27, legt auf seinen saisonalen Wanderungen quer durch Europa erstaunliche Strecken zurück. Forschende konnten jetzt im Rahmen einer vom Bundesamt für Naturschutz geförderten Studie erstmals die Zugwege dieser seltenen und geschützten Art genau nachverfolgen.
Ergebnisse des Projekts „Ein Arten-Aktionsplan für den Kleinabendsegler“ zeigen eindrucksvoll, welche Leistungen die kleinen Säugetiere vollbringen: Trotz eines Körpergewichts von nur etwa 13 bis 18 Gramm – ungefähr so schwer wie zwei 1-Euro-Münzen – und einer Kopf-Rumpf-Länge von weniger als sieben Zentimetern legten manche Individuen mehr als 380 Kilometer in nur einer Nacht zurück, etwa vom Thüringer Wald bis zum Bodensee. Innerhalb weniger Nächte flogen die Kleinabendsegler Distanzen von bis zu über 1.000 Kilometern. Einzelne Tiere überquerten dabei sogar die Alpen. Möglich wurden diese Erkenntnisse erst durch den Einsatz einer neuartigen Sendertechnologie. Insgesamt lieferten die besenderten Fledermäuse Positionsdaten aus zwölf europäischen Ländern.
Überraschend sind auch die individuell sehr unterschiedlichen Zugwege. Weibchen aus demselben Wintergebiet starteten an unterschiedlichen Tagen und flogen in völlig verschiedene Regionen. So zogen Tiere aus Südbaden im Frühjahr zum Beispiel nach Minden, auf die Insel Rügen oder bis nach Prag. Fledermäuse aus dem Tessin flogen hingegen bis nach Südpolen und Ungarn. Auch im Herbst verteilten sich die Tiere aus einer Thüringer Sommerkolonie auf weit auseinanderliegende Überwinterungsorte – von Luxemburg und Nordrhein-Westfalen über den Starnberger See in Süddeutschland bis in die Schweiz und sogar nach Südfrankreich. Trotz der großen individuellen Unterschiede deuten die Daten darauf hin, dass einzelne Tiere dabei jedes Jahr dasselbe Sommer- bzw. Wintergebiet aufsuchen und dafür dieselben Zugwege nutzen.
Auf ihren weiten Wanderungen sind die Fledermäuse zahlreichen Gefahren ausgesetzt. Eine zunehmende Rolle spielen dabei auch Windenergieanlagen, an denen es zu Kollisionen kommen kann. Hinzu kommt der Verlust geeigneter Lebensräume. Die Fledermäuse sind auf insektenreiche Gebiete und alte Wälder mit Höhlenbäumen angewiesen, da sie ausreichend Nahrung und sichere Quartiere benötigen – sowohl in den Sommer- und Überwinterungsgebieten als auch entlang ihrer Zugwege. Um auf die Schutzbedürftigkeit dieser Art aufmerksam zu machen und Schutzmaßnahmen zu fördern, haben die Mitgliedsverbände von BatLife Europe den Kleinabendsegler zur Fledermaus des Jahres 2026/27 gewählt.
Das Projekt „Ein Arten-Aktionsplan für den Kleinabendsegler“ schafft eine verlässliche Datengrundlage für gezielte Schutzmaßnahmen. Aufgrund seiner weiten Wanderungen ist der Kleinabendsegler auf international abgestimmte Schutzmaßnahmen angewiesen, zu deren Umsetzung Deutschland unter anderem im Rahmen der Bonner Konvention sowie des EUROBATS-Abkommens verpflichtet ist. Die im Projekt gewonnenen Erkenntnisse fließen in einen konkreten Maßnahmenplan ein und bilden zugleich die Grundlage für einen nationalen Arten-Aktionsplan. Ziel ist es, den Kleinabendsegler langfristig besser zu schützen und seine wichtigen Lebensräume dauerhaft zu sichern. Das Projekt wird vom Bundesamt für Naturschutz mit Mitteln des Bundesumweltministeriums im Nationalen Artenhilfsprogramm (nAHP) gefördert.
Quelle:
Pressemitteilung Nationales Artenhilfsprogramm „Ein Aktionsplan für den Kleinabendsegler“
https://www.bfn.de/aktuelles/kleine-fledermaeuse-auf-grosser-reise-neue-studie-zeigt-ueberraschende-flugrouten