Abendsegler: Paarung nach dem Winterschlaf?

Fortpflanzungszeitpunkt bei Fledermäusen: Hinweise auf eine Paarung im Frühjahr nach dem Winterschlaf

Fledermäuse der gemäßigten Zonen paaren sich in der Regel im Herbst, doch vereinzelte Hinweise deuten darauf hin, dass einige Arten sich möglicherweise auch im Frühjahr paaren. Am Beispiel der Abendsegler (Nyctalus noctula) untersuchte das Autorenteam den Fortpflanzungsstatus nach dem Winterschlaf, um das Vorkommen von Paarungen im Frühjahr zu beurteilen.

Das Team untersuchte Merkmale bei Männchen (Bukkal-Drüsen, Hoden, Nebenhoden) und Weibchen (Bukkal-Drüsen, Fortpflanzungsstatus) und entwickelte eine minimalinvasive Methode zur Vaginallavage, die für die Fortpflanzungsbeurteilung bei weiblichen Fledermäusen im Feld geeignet ist.

Sie stellten fest, dass die Nebenhoden der Männchen nach dem Winterschlaf häufig geschwollen waren, was auf zurückgehaltene Spermien hindeutet, obwohl die Spermatogenese im Herbst und während des Winterschlafs unterbrochen war. Die vaginale Zytologie ergab keine Hinweise auf eine unmittelbare Befruchtung nach dem Erwachen, doch 15 % der Abstriche deuteten auf eine kürzlich erfolgte Paarung hin. Die Größe der Bukkal-Drüsen stand in positivem Zusammenhang mit der Jahreszeit und der Größe der Nebenhoden, was sowohl mit einer sexuellen, als auch einer umfassenderen sozialen Funktion im Einklang steht.

Zusammengenommen deuten diese Ergebnisse darauf hin, dass die aktive Paarung bei N. noctula bis in den Frühling hinein andauern kann, was möglicherweise Möglichkeiten zur Fortpflanzung vor der Wanderung bietet. Darüber hinaus liefert das Team den ersten histologischen Nachweis für die Spermienphagozytose durch Neutrophile bei Fledermäusen, was die Hypothese der leukozytären Beseitigung nicht lebensfähiger Spermien stützt, wie sie bei anderen Säugetieren dokumentiert ist.

Quelle:
Mathgen, X., Busse, P., Fasel, N. et al. Reproductive timing in bats: evidence of spring mating following hibernationMamm Biol (2026). https://doi.org/10.1007/s42991-026-00581-8

Wochenstube vom Großen Abendsegler im Kreis Kleve

Liebe Fledermausfreunde,
in diesem Jahr habe ich wieder eine Wochenstube Abendsegler mit ca. 10 Weibchen. Die Jungen sind ca. 4 Wochen alt. Sie saßen in der gleichen Buntspechthöhle wie 2002. Inzwischen sind aber nur noch 2 Weibchen in der Höhle. Die anderen sind umgezogen, vermutlich wegen den heißen Wetters.

Ansonsten habe ich 6 Wochenstuben Fransenfledermäuse, erst 3 Wochenstuben Braune Langohren, nur zweimal Wasserfledermauswochenstuben (0,56 statt in 2002: 0,103). Mit den Grauen Langohren bin ich noch beschäftigt. Erstaunlich groß sind die Zwergfledermauswochenstuben Geldern 88 (statt 60 in 2002) und 62 (statt 50) in Issum-Sevelen.

Auf dem Bild sieht man deutlich eine alte Rotbuche, die von Spuren der Wasserfledermäuse gezeichnet ist. Es handelt sich um eine alte Grünspechthöhle, die bis auf einen Spalt zugewachsen ist und nach oben ca. 30 cm ausgefault ist.

Der Einschlupfspalt wird von mir jährlich auf Löffelgröße vergrößert, um die Wochenstube zu säubern. Im Jahr 2002 hielten sich dort 27 Weibchen Wasserfledermäuse und 10 Abendsegler-Weichen gleichzeitig während der Schwangerschaft auf. Zur Wochenstubenzeit zogen die Abendsegler auf die Rückseite des Baumes in eine relativ neue Buntspechthöhle um.

In 2003 blieben die Abendsegler unter sich in den gleichen Höhlen. Dazu siedelte sich noch eine Männchengruppe von 11 Abendseglern in einer Buntspechthöhle direkt darüber an. Am 11. 6. 03 flogen 10 Weibchen aus, am 20.6.03 allerdings nur noch zwei. Vermutlich war das heiße Wetter am Umzug schuld. Auch die Männchen waren umgezogen. Ich konnte beim bloßen Schauen in die Wochenstubenhöhle ein Jungtier erkennen. Es war noch rosa-hautfarben und hatte einen spärlichen Haarwuchs.

Hermann-Josef Windeln

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