Teichfledermäuse: Ruhen oder fliegen – Funktionale Lebensraumnutzung

Als wichtige Akteure in vielen Landökosystemen haben insektenfressende Fledermäuse in Europa hohe Priorität im Naturschutz und stehen unter internationalem Schutz. Die fortschreitende Ausdehnung menschlicher Siedlungen und Landnutzungsänderungen haben ihre Lebensräume jedoch tiefgreifend verändert, und das Verständnis ihrer Lebensraumnutzung ist für eine effektive Naturschutzplanung unerlässlich. Dennoch werden Verhaltenszustände, insbesondere die nächtliche Ruhephase, bei der Quantifizierung der Lebensraumnutzung selten berücksichtigt.

Diese Studie präsentiert die erste auf GPS-Tracking basierende quantitative Bewertung der Lebensraumnutzung der Teichfledermaus (Myotis dasycneme), einer gefährdeten Spezialistin für die Nahrungssuche über der Wasseroberfläche, unter Berücksichtigung unterschiedlicher Aktivitäts- und Ruheverhalten außerhalb des Quartiers.

Durch die Kombination von hochauflösendem GPS-Tracking mit dreiachsiger Beschleunigungsmessung unterschied das Autorenteam Aktivität (Futtersuche und Fortbewegung) von Ruhezuständen und untersuchten mithilfe verallgemeinerter linearer gemischter Modelle ihre funktionale Lebensraumnutzung in Bezug auf relevante Landbedeckungstypen und Landschaftsmetriken.

Sie stellten fest, dass Teichfledermäuse einen erheblichen Teil der Nacht zwischen den aktiven Phasen mit Ruhen verbrachten, wobei mehr als die Hälfte der Ruhephasen außerhalb von Gebäuden stattfand. Sie nutzten vielfältige, einfach strukturierte Süßgewässer und Uferbereiche zur Unterstützung ihrer aktiven Verhaltensweisen und mieden konsequent Anbauflächen, während sie sich auf Mosaike aus offener und geschlossener Vegetation, vor allem Waldränder und vereinzelte Bäume in der Nähe von Nahrungsgewässern, konzentrierten, um das nächtliche Ruhen außerhalb von Gebäuden zu ermöglichen.

Der Schutz von Teichfledermäusen erfordert die Erhaltung von Nahrungshabitaten (z. B. vielfältige Gewässer mit Ufervegetation) und Transitwegen (z. B. regelmäßig gestaltete Uferböschungen) sowie die Erhaltung oder Bereitstellung landschaftsspezifischer Nachtquartiere in der Nähe von Nahrungsgebieten.

Die Einbeziehung verhaltensspezifischer Habitatnutzung, insbesondere von Nachtquartieren, ist entscheidend für einen wirksamen Fledermausschutz und ein gezieltes Landschaftsmanagement.

 

Quelle:
Gijs van der Velden, Bart Kranstauber, Anne-Jifke Haarsma, René Janssen, Mees van Horssen, Wouter Halfwerk, Anton van Meurs, Cynthia Bom, Maarten Schrama, Yali Si,
To rest or to roam: Functional habitat use of an insectivorous bat species during active and resting behavior,
Biological Conservation, Volume 318, 2026, 111823, ISSN 0006-3207,
https://doi.org/10.1016/j.biocon.2026.111823.

 

Niederlande: Das Jahr der Teichfledermaus

Es ist Juni, ein lauer Abend. Es ist endlich dunkel. Auf dem Dach eines gewöhnlichen Hauses in einem gewöhnlichen Dorf in Friesland (NL) bereitet sich die Gruppe auf die Nacht vor. Sie drängen zum Ausgang…. und fliegen dann in die Nacht hinaus. Es handelt sich um eine Kolonie von Teichfledermäusen (Myotis dasycneme), zu Recht die ungewöhnlichste Fledermausart der Niederlande! Mit ihren Füßen fischen sie in vollem Flug unzählige Insekten von der Wasseroberfläche.

Die Teichfledermaus ist weltweit recht selten. Es gibt viel mehr Elefanten auf der Welt als Teichfledermäuse. Aber in den Niederlanden sind sie seit jeher in großer Zahl zu finden. Sie ist eine typische Art für die großen Seen, Kanäle und Marschen, die in den Niederlanden so reichlich vorhanden sind. Das macht die Teichfledermaus zu einem echten niederländischen Aushängeschild, einer Art Uferschnepfe der Nacht!

Nicht weniger als 29 % der Weibchen der europäischen Population bringen ihre Jungen in den Niederlanden zur Welt. Die Weibchen leben in großen Wochenstubengruppen von hundert bis vierhundert Tieren, die sehr standorttreu sind. In den Niederlanden gibt es 65 bis 70 Kolonien, die etwa 175 Gebäude als Wochenstuben nutzen.

Rückgang

In den letzten Jahren hatte die Teichfledermaus zu leiden. Landesweit ist die Zahl der Teichfledermäuse in den Niederlanden seit Jahren rückläufig, von rund 11.700 Tieren im Jahr 1994 auf 7.000 Tiere im Jahr 2021, wobei vor allem in den letzten Jahren ein starker Rückgang zu verzeichnen ist. Es gibt Probleme mit ihrem Nahrungsangebot (Insekten), Mangel an dunklen Bereichen aufgrund unserer Beleuchtung und Verlust von Lebensräumen aufgrund von Isolierungsmaßnahmen für die Energiewende. Und aufgrund der verborgenen, nächtlichen Lebensweise wissen wir noch viel zu wenig über diese Fledermäuse.

Deshalb hat die Säugetiergesellschaft das Jahr 2023 zum Jahr der Teichfledermaus erklärt. Im Jahr der Teichfledermaus rücken die Säugetiergesellschaft, Artis und unzählige Freiwillige die Teichfledermaus ins Rampenlicht (obwohl die Teichfledermaus am liebsten im Dunkeln lebt).

Wir machen auf die Art aufmerksam und sorgen dafür, dass viel mehr Menschen die Teichfledermaus kennen und schätzen lernen.
Wir führen Forschungen durch, um die Lebensweise und die Herausforderungen der Teichfledermaus besser zu verstehen.
Außerdem setzen wir uns bei der Regierung, dem Bausektor und Architekten dafür ein, dass die Teichfledermaus in den Niederlanden wieder zunehmen kann.

Das Herzstück der Organisation ist die Website www.meervleermuis.nl. Hier finden Sie Informationen für jeden Wissensstand (jung, alt, Naturliebhaber, Fachleute oder Interessierte). Außerdem finden Sie hier Kontaktdaten, Pressemitteilungen, Merchandise und Bildmaterial.

Quelle: VLEN (Fledermaus AG Niederlande, https://vleermuis.net/, in Zusammenarbeit mit den Zoogdierenvereniging(Säugetiereverein Niederlande)

https://www.zoogdiervereniging.nl/wat-we-doen/bijzondere-themas/jaar-van

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