Fledermäuse: Elektromagnetisches Rauschen beeinträchtigt Orientierung

Wie sich vom Menschen verursachte elektromagnetische Störungen auf Lebewesen auswirken können, ist ein bislang kaum erforschter Aspekt einer zunehmend urbanisierten natürlichen Umwelt, insbesondere wenn diese Störungen in nicht tödlicher Form auftreten. In dieser Studie untersuchte das Autoren-Team um Dr. Oliver Lindecke die Auswirkungen schwacher breitbandiger Hochfrequenzfelder (HF-Felder) auf das Verhalten von Tieren.

Das Team setzte wandernde Mückenfledermäuse (Pipistrellus pygmaeus) HF-Feldern im Bereich von 0,01 bis 300 Megahertz aus und testete anschließend ihre Orientierungsfähigkeit im Laufe der Nacht. Während sich die Fledermäuse der Kontrollgruppe normal orientierten, zeigten die Fledermäuse, die HF-Störsignalen ausgesetzt waren, eine zufällige Flugrichtung beim Abflug, was auf Störeffekte hindeutet, die über die unmittelbare Einwirkung hinaus andauern.

Diese Ergebnisse legen nahe, dass elektromagnetische Verschmutzung das Potenzial hat, das Verhalten von Tieren stärker zu beeinflussen als bisher angenommen.

Die vom Menschen verursachte elektromagnetische Strahlung kann demnach Stressfaktor für Wildtiere wirken, wobei die Auswirkungen sogar über die unmittelbare Belastung hinausgehen. Das Autorenteam belegt einen reproduzierbaren Nachwirkungseffekt menschengemachter elektromagnetischer Störungen auf die Orientierungsfähigkeit von Fledermäusen.

Unabhängig vom konkreten Grund für den beobachteten Nachwirkungseffekt sind die potenziellen ökologischen Folgen der hier aufgezeigten Störung besorgniserregend, da sich die aktuellen Belastungsgrenzwerte ausschließlich auf Menschen beziehen, wodurch Wildtiere selbst innerhalb der Grenzwerte gefährdet bleiben.

Der weithin erwartete Anstieg der elektromagnetischen Belastung als Folge von Urbanisierungstrends und der weltweiten Verbreitung drahtloser Technologien könnte die Auswirkungen des vom Menschen verursachten Klimawandels und der Landnutzungsänderung weiter verstärken, indem er die Wanderbewegungen von Wildtieren stört.

Quelle:

Oliver Lindecke, William T. Schneider, Viesturs Vintulis, Nicole Jordan, Fyodor Cellarius, Lara C. Marggraf, Jaclyn Niehues, Valts Jaunzemis, Oskars Keišs, Richard A. Holland
Disruptive effects of brief radiofrequency noise exposure on migratory bat navigation. Science392,977-979(2026).DOI:10.1126/science.adq4418

Weitere Publikation:

Stille Störung: Vom Menschen verursachte elektromagnetische Störungen haben langfristige Auswirkungen auf die Flugorientierung von Fledermäusen
Alfonso Balmori, Alfonso Balmori-de la Puente, Silent  nterference, Science, 3926801, (922-923), (2026).
https://www.science.org/doi/10.1126/science.aei2381

 

Die Mückenfledermaus (Pipistrellus pygmaeus) in Kroatien

Untersucht im Donji Miholjac, Kroatien 45° 45′ 71″ N – 18° 08′ 81″ E

Die gesamte Populationszahl der in Kroatien neu endeckten Fledermausart im Untersuchungsgebiet besteht aus ca. 4000 Tieren. Alle Wochenstuben befinden sich an/in Gebäuden, mit einer maximalen Individuenzahl von 600 Tieren.

Mückenfledermaus fotografiert in Kroatien

Mückenfledermaus fotografiert in Kroatien. Foto: Zdravko Tadi

Untersuchungergebnis:
Erste Juliwoche
71 % Weibchen mit durchschnittlichem Gewicht von 4,712 Gramm
29 % Männchen mit durchschnittliche Gewicht von 3,751 Gramm

Die Mehrzahl der Weibchen hatten Junge, meistens Zwillinge. Bei 5-6% gab es keinen Nachwuchs. Abendsausflug, bei 19 °C und stillem Wetter, zwischen 20:58 Uhr – 21:20 Uhr. Säugende Mütter kehrten um Mitternacht zurück und flogen dann 19 – 30 Minuten später wieder aus. Die Rückkehr morgens erfolgte zwischen 03:11 Uhr und 04:43 Uhr.

In der letzten Augustwoche, konnten in der in der Kollonie noch 51 % Weibchen mit 5,225 Gramm und 49 % Männchen mit 4,608 Gramm Durchschittsgewicht gefunden werden .

Es bleiben noch viele Frage zu dieser Fledermausart offen. Für weitere Untersuchungen brauchen wir Hilfe in Form von Erkenungsringen (markierte Unterarmklemmen), die bei uns nicht zu bekommen sind.

Viele freundliche Grüße aus Kroatien
von Dida (Zdravko Tadic)

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