Soziale Vampirfledermäuse: „Freunde“ klingen ähnlich

Bei vielen in Gruppen lebenden Vögeln und Säugetieren wird angenommen, dass die Bildung von sozialen Beziehungen zu einer vokalen Konvergenz führt (eine Zunahme der Ähnlichkeit der Laute zwischen Individuen).

Die Überprüfung dieses kausalen Effekts kann jedoch schwierig sein, da dafür experimentell neue Beziehungen aufgebaut werden müssen. Hier zeigt das Autorenteam die Konvergenz in den Kontaktrufen von Vampirfledermäusen (Desmodus rotundus), die das Team zusammengebracht und experimentell gehalten hat.

Um die Rolle von Verwandtschaft, gemeinsamer Unterbringung (Vertrautheit), gegenseitiger Fellpflege und Nahrungsteilung bei der Vorhersage der Ähnlichkeit von Rufen einzuschätzen und zu entwirren, hat das Team zunächst die Ähnlichkeit der Rufe anhand von 35 Merkmalen von 693.494 Kontaktrufen von 95 Fledermäusen gemessen und dann eine Reihe von bayesschen verallgemeinerten Mehrfachzugehörigkeitsmodellen angepasst.

Außerdem haben sie die Veränderungen in der Ähnlichkeit der Rufe für eine Untergruppe von Individuen gemessen, die vor und nach der gemeinsamen Unterbringung aufgezeichnet wurden. Sie haben festgestellt, dass die gemeinsame Unterbringung zu einer Konvergenz der Laute führte. Darüber hinaus sagte die Häufigkeit der Nahrungsteilung unter vertrauten Nicht-Verwandten innerhalb derselben gemeinsam untergebrachten Gruppe die Ähnlichkeit der Kontaktrufe voraus.

Diese Erkenntnis deutet darauf hin, dass die Entwicklung kooperativer Beziehungen zu einer weiteren Konvergenz der Laute führt, die über die anfängliche Konvergenz durch die gemeinsame Unterbringung hinausgeht. Die Ergebnisse haben Auswirkungen auf die Entwicklung kooperativer Beziehungen und das Erlernen von Lauten.

Quelle:
Julia K. VrtilekGrace Smith-VidaurreEric Fosler-LussierRachel A. PageGerald G. Carter;
Vocal convergence during formation of social relationships in vampire bats. 
Proc Biol Sci 1 November 2025; 292 (2058): 20251619. https://doi.org/10.1098/rspb.2025.1619

Fledermäuse in Äquatorialguinea – ein Biodiversitäts-Hotspot in Zentralafrika

Eine systematische Überprüfung der Fledermäuse Äquatorialguineas bestätigt einen Biodiversitäts-Hotspot in Zentralafrika. Die Fledermausfauna Äquatorialguineas (EG) am westlichen Rand des Regenwaldes von Niederguinea, einem voraussichtlichen Hotspot der afrikanischen Fledermausvielfalt, war bislang nur unzureichend dokumentiert.

Das Autorenteam um Laura Torrent hat Daten aus  Literatur, naturhistorischen Sammlungen und aktuellen Feldforschungen zusammengetragen, um eine umfassende Bewertung der Artenvielfalt der Fledermäuse auf dem Festland von EG zu erstellen. Dabei wurden 58 Taxa aus 29 Gattungen und acht Familien ermittelt:
11 Arten innerhalb der Pteropodidae, drei innerhalb der Emballonuridae, zwei innerhalb der Rhinolophidae, sechs innerhalb der Hipposideridae, acht innerhalb der Molossidae, eine innerhalb der Miniopteridae, fünf innerhalb der Nycteridae und 22 innerhalb der Vespertilionidae.

Das Team berichtet über 33 neue nationale Nachweise und drei zusätzliche Taxa, die einer weiteren taxonomischen Bestätigung bedürfen. Zu den bemerkenswerten Neuzugängen gehören Casinycteris campomaanensis, Coleura afra, Glauconycteris superba, Hipposideros curtus und Mops petersoni.

Diese Studie liefert die erste detaillierte Dokumentation der Fledermausvielfalt auf dem Festland von EG, verbessert unser Verständnis der Artenvielfalt und -verteilung in diesem Biodiversitäts-Hotspot und bietet Erkenntnisse, die als Leitfaden für zukünftige ökologische Forschungs- und Schutzbemühungen dienen können.

Die in dieser Studie dokumentierte Artenvielfalt der Fledermäuse übertrifft die aller anderen Waldgebiete in tropischen Afrika mit vergleichbarer Größe und vergleichbarem Lebensraum, wobei wahrscheinlich noch weitere Waldbewohnerarten entdeckt werden. Diese Bewertung der Biodiversität unterstreicht die Bedeutung des Schutzes der Fledermausgemeinschaften in EG und der gesamten Regenwaldregion Unterguineas.

Quelle:
Laura Torrent, Inazio Garin, Joxerra Aihartza, Esther Abeme Nguema Alene, Ara Monadjem, Javier Juste,
A systematic revision of Equatorial Guinea’s bats confirms a biodiversity hotspot in Central Africa,
Biological Journal of the Linnean Society, Volume 146, Issue 4, December 2025, blaf120, https://doi.org/10.1093/biolinnean/blaf120

 

 

Leitfaden Schutz gebäudebewohnender Fledermäuse und Vögel

Energieeffizientes Bauen bzw. Sanierungen sowie das Thema „Stadtnatur“ sind Kernaufgaben der Nationalen Strategie zur biologischen Vielfalt und mehr denn je besonders brisant. Die Thematik ist eng verknüpft mit dem Erhalt und der Schaffung von Quartieren gebäudebewohnender Tierarten.

Im F+E-Vorhaben „Leitfaden Gebäudebewohner“ wurde ein bisher einzigartiger Kenntnisstand zur Funktionalität von Quartierangeboten für Fledermaus- und Vogelarten aufbereitet. Zugrunde liegen umfangreiche Erfahrungen aus Abriss- und Sanierungsvorhaben. Einerseits wurden Daten und Erkenntnisse aus der täglichen Arbeit von Fachkollegen ausgewertet, anderseits gezielt Daten zur Annahme verschiedener Quartiertypen erhoben.

Im Ergebnis konnten so mehrere Tausend Datensätze zu verwendeten Einbausteinen, Aufputzkästen, Ständerquartieren und konstruktiven Quartierlösungen in Sachsen ausgewertet und bilanziert werden. Aus den Ergebnissen leiten die Autoren artspezifische Handlungsempfehlungen und Kompensationsmaßnahmen ab. Unter anderem wird auf Untersuchungsstandards, Maßnahmen zur Fehlervermeidung, Vergrämung sowie den Quartiererhalt oder -ersatz eingegangen. Zahlreiche Praxisbeispiele und Bilddokumente verdeutlichen die Zusammenhänge.

Der Leitfaden offenbart praktische Lösungsansätze und vermittelt Standards, wie Artenschutzbelange erfolgreich in Bauvorhaben integriert werden können, mit denen auch eine Akzeptanz bei Bauherren, Gebäudenutzern und anderen beteiligten Fachbereichen erreicht werden kann.

Autoren: Frank, Thomas; Kobelt, Karen; Heuser, Roland; Kästner, Tommy; Porschien, Bianka; Roßner, Marco; Roßner, Sarah; Meisel, Frank; Schmidt, Christiane
1. Auflage, Redaktionsschluss: 22.08.2025, Seitenanzahl: 619 Seiten, Pub Type: Schriftenreihe, Format: A4, Sprache: deutsch, Barrierefrei: ja
Herausgeber: Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie
Download: https://publikationen.sachsen.de/bdb/artikel/49133

Turkestan-Langohr wiederentdeckt

Einem internationalen Forscherteam aus Deutschland, Usbekistan und Turkmenistan unter Federführung des Museums für Naturkunde Berlin gelang der Wiederfund einer seit 55 Jahren verschollenen Fledermausart, von der erstmals Foto- und Videoaufnahmen gemacht werden konnten. Ziel ist nun die umfassende Erforschung der evolutionären Entwicklung der zentralasiatischen Fledermausfauna. Den Wiederfund des Turkestan-Langohrs nimmt die turkmenische Regierung zum Anlass, ein großes Schutzgebiet zu planen, von dem viele weitere Tier- und Pflanzenarten profitieren.

Erstmals lebend fotografiert: Ein seit Jahrzehnten verschollenes Turkestan-Langohr Plecotus turkmenicus bei seiner Wiederentdeckung. Foto: Christian Dietz.

Erstmals lebend fotografiert: Ein seit Jahrzehnten verschollenes Turkestan-Langohr Plecotus turkmenicus bei seiner Wiederentdeckung. Foto: Christian Dietz.

Das nur aus wenigen Sammlungsbelegen in russischen Museen bekannte Turkestan-Langohr (Plecotus turkmenicus) wurde zuletzt 1970 beobachtet.

Fotos oder eine verlässliche Beschreibung lebender Tiere gab es bisher nicht. Im Zuge der systematischen Überprüfung der turkmenischen Fledermausfauna zur Aktualisierung der Roten Liste erhielt die Art aufgrund des geringen Kenntnisstandes höchste Priorität. Als endemische Art der Karakum-Wüste in den Grenzregionen von Turkmenistan, Kasachstan und Usbekistan bestand die Sorge, dass sie sehr selten oder gar ausgestorben ist.

Im Oktober dieses Jahres wurde die Fledermaus daher zum Ziel einer internationalen Forschungsexpedition. Dabei wurden die historischen Fundpunkte und andere geeignete Stellen in der Karakum-Wüste aufgesucht. Zunächst wurde ein junges Weibchen des Turkestan-Langohrs in einer Abrisskluft gefunden. An einer 87 Kilometer entfernten Lößhöhle im Grenzgebiet zu Usbekistan wurde noch ein erwachsenes Männchen gesichtet. Nach Jahrzehnten wurde so die Existenz der Art bestätigt. Erstmals konnten Ton-, Bild- und Videomaterial dieser Wüstenfledermaus erstellt und Proben für genetische Untersuchungen gesammelt werden. Ziel ist die umfassende Erforschung der evolutionären Entwicklung der zentralasiatischen Fledermausfauna. 

Turkestan-Langohr Plecotus turkmenicus. Foto: Christian Dietz.

Turkestan-Langohr Plecotus turkmenicus. Foto: Christian Dietz.

Das Turkestan-Langohr dürfte insbesondere durch den Klimawandel gefährdet sein. Durch die vor allem temperaturbedingt fortschreitende Austrocknung der Wüsten Zentralasiens geht die natürliche Vegetationsbedeckung immer weiter zurück und der ohnehin schon begrenzte Lebensraum der Art verringert sich weiter. Den Wiederfund des Turkestan-Langohrs nimmt die turkmenische Regierung nun in ihre Planung für die Ausweisung eines über 50.000 Hektar großen Schutzgebietes auf. Hiervon würde neben der endemischen Fledermausart auch die gesamte Artenvielfalt der winterkalten Wüsten bis hin zu großen Säugetieren wie Wildesel und Kropfgazelle profitieren. 

Der grenznahe Nachweis könnte außerdem ein Hinweis auf ein bisher unentdecktes Vorkommen des Turkestan-Langohrs in Usbekistan sein. Die enge Zusammenarbeit zwischen dem Museum für Naturkunde Berlin, dem turkmenischen Umweltministerium, der turkmenischen Schutzgebietsverwaltung und der usbekischen Akademie der Wissenschaften zur Erforschung der zentralasiatischen Fledermausfauna soll fortgesetzt werden.

Foto: Christian Dietz

Quelle: https://www.museumfuernaturkunde.berlin/de/museum/medien/presse/verschollenes-turkestan-langohr-wiederentdeckt

 

Ratten jagen Fledermäuse

Aktive Prädation durch Wanderratten (Rattus norvegicus) auf Fledermäuse in städtischen Massenwinterquartieren in Norddeutschland: Auswirkungen auf den Naturschutz und die Gesundheit

Diese Studie ist die erste, die die systematische Prädation durch Wanderratten auf Fledermäuse in städtischen Winterquartieren mit mehreren tausend Individuen in Europa dokumentiert. Mithilfe von Infrarot-Videoüberwachung und Wärmebildkameras an zwei wichtigen Standorten in Norddeutschland (Segeberg und Lüneburg Kalkberg), die vorwiegend von Myotis-Arten genutzt werden, beobachtete das Autorenteam das Abfangen in der Luft und Bodenjagden auf schwärmende Fledermäuse.

Das Jagdverhalten unterstreicht die bemerkenswerten manipulativen Fähigkeiten und die Verhaltensflexibilität von Wanderratten in städtischen Ökosystemen. Die Ergebnisse deuten auf ein erhebliches zusätzliches Sterberisiko für Fledermauspopulationen in Massenwinterquartieren hin und geben Anlass zur Sorge über einen möglichen Austausch von Krankheitserregern zwischen zwei wichtigen Lebensräumen für Wildtiere. Das Team empfiehlt gezielte Strategien zur Bekämpfung von Nagetieren, um Risiken für den Naturschutz und die öffentliche Gesundheit im Einklang mit One-Health-Ansätzen zu mindern.

Im Video erbeutet eine Wanderratte eine Wasserfledermaus (Myotis daubentonii), weitere Videos in der Publikation.

 

Quelle:
Florian Gloza-Rausch, Anja Bergmann, Mirjam Knörnschild
„Active predation by brown rats (Rattus norvegicus) on bats at urban mass hibernacula in Northern Germany: Conservation and one health implications“
Global Ecology and Conservation, Volume 63,  2025, e03894, ISSN 2351-9894,
https://doi.org/10.1016/j.gecco.2025.e03894

Riesenabendsegler: Spezialisiert auf ziehende Singvögel

Fledermäuse haben sich zu effizienten Luftjägern für eine Vielzahl von Beutetieren entwickelt. Obwohl die meisten Menschen sie als Insektenfresser betrachten, gibt es Fledermäuse, die Säugetiere, Amphibien und sogar Vögel fressen. Es gibt drei Fledermausarten, von denen bekannt ist, dass sie Vögel jagen, aber wie und wann sie dies tun, war bislang weitgehend unbekannt. Stidsholt et al. beobachteten Riesenabendsegler (Nyctalus lasiopterus) im Flug und stellten fest, dass einzelne Tiere Zugvögel mithilfe ihrer Echoortung aufspüren und sie im Flug fressen. Diese Beobachtungen deuten darauf hin, dass sich diese effizienten Lufträuber auch zu Jägern von Zugvögeln entwickelt haben. 

Obwohl Milliarden von Kleinvögeln saisonal in der Nacht in großen Höhen durchziehen, wurden nur drei Fledermausarten gefunden, die diese reichhaltige Beutequelle konsequent nutzen. Es ist jedoch nach wie vor unbekannt, wo und wie diese Fledermäuse relativ große Sperlingsvögel als Beute aufspüren, fangen und verzehren. Hier hat das Team hochauflösende Biologging-Tags verwendet, um zu zeigen, dass Riesenabendsegler in große Höhen aufsteigen, lange echogesteuerte Verfolgungsjagden unternehmen und wandernde Singvögel im Flug verzehren.

Durch die Nutzung von Ultraschall-Echolokalisierung, langwierigen Verfolgungsjagden und der Aufnahme ihrer Beute in der Luft können diese Prädatoren nachtaktive Zugvögel in großen Höhen jagen und so eine reichhaltige Nahrungsquelle nutzen, die für die meisten Beutegreifer weitgehend unzugänglich bleibt.

3D-Rekonstruktion eines Riesenabendsegler, der einen Zugvogel in der Luft jagt und frisst. Diese Animation zeigt einen Riesenabendsegler (Nyctalus lasiopterus), der einen Zugvogel im Flug jagt, erbeutet und frisst. Der Farbverlauf entlang der Flugbahn zeigt das Verhalten der Fledermaus. Die Animationssequenz zeigt den Aufstieg der Fledermaus auf 1.200 Meter (gelb) während ihrer Suchphase, gefolgt von der Erkennung und Verfolgung des Vogels (grün). Die Fledermaus greift den Vogel wiederholt an (lila, >40 Mal), bevor sie ihn fängt. Der letzte Abschnitt (blau, 23 Minuten) zeigt, wie die Fledermaus den Vogel im Flug verzehrt. Hinweis: Zur besseren Darstellung wurde die Videowiedergabe um das Achtfache beschleunigt.

 

Große Abendsegler stellen keine Bedrohung für Singvögel dar – und sind selbst vom Aussterben bedroht

Glücklicherweise gibt es wenig Grund zur Sorge, dass Fledermäuse die Populationen von Singvögeln bedrohen könnten. Der Riesenabendsegler ist äußerst selten und in vielen Gebieten vom Aussterben bedroht, da ihre Waldlebensräume verschwinden. Prof. Christian Voigt, Leiter der Abteilung für Evolutionsökologie am Leibniz-IZW, sagt: „Wir müssen dafür sorgen, dass wir sowohl Zugvögel als auch ihre Raubtiere schützen. Für die Große Hufeisennase bedeutet dies insbesondere natürliche Wälder mit alten Bäumen, die reich an Höhlen sind.

Nyctalus Lasiopterus by Laura-Torrent

Nyctalus Lasiopterus by Laura-Torrent

Aber auch Vögel fressen Fledermäuse – Meisen zum Beispiel

Berichte über die Einfallsreichtum der Meisenvögel bei der Nahrungssuche reichen bis in die 1940er Jahre zurück, als beobachtet wurde, dass Blaumeisen auf den Britischen Inseln gelernt hatten, die Aluminiumverschlüsse von Milchflaschen zu öffnen. Ein weiteres erstaunliches erlerntes Verhalten von Kohlmeisen (Parus major) wurde 2008 von Forschern um Björn Siemers vom Max-Planck-Institut für Ornithologie und ihren ungarischen Kollegen beobachtet. An 21 Beobachtungstagen während zweier Winter flogen Kohlmeisen insgesamt 18 Mal in eine Höhle im Nordosten Ungarns, um dort nach den überwinternden Zwergfledermäusen (Pipistrellus pipistrellus) zu suchen und sie zu fressen. Die Forscher erklären dieses Verhalten mit der extremen Notlage, in der sich die Vögel bei ihrer Nahrungssuche befanden. Die Vögel lokalisieren die Fledermäuse in der Höhle wahrscheinlich anhand der Laute, die die Tiere Winterschlaf von sich geben, wenn sie gestört und geweckt werden. „Diese Geräusche dienen wahrscheinlich der Verteidigung“, sagt Bjorn Siemers, „und es erscheint plausibel, dass die Vögel die Geräusche nutzen, um die Fledermäuse zu lokalisieren.“ Die Kohlmeisen brauchten höchstens 15 Minuten vom Betreten der Höhle, um eine Fledermaus zu fangen. In einigen Fällen trugen sie die Zwergfledermäuse im Schnabel aus der Höhle und fraßen sie auf nahegelegenen Bäumen.

Aktiv im Flug werden auch verschiedene Fledermausarten von Habichten, Sperbern und Falken erbeutet.


Beschriftung Titelgrafik oben:
Abb. S1. Fehlgeschlagener Angriff eines Riesenabendsegler auf einen Sperlingsvogel in 400 m Höhe. (A) Zur Darstellung der Echoortungsaktivität wird ein langfristiger Spektralmittelwert verwendet, wobei hochfrequente Streifen den Echoortungsrufen der Fledermaus und niederfrequente Elemente den Flügelschlägen und Strömungsgeräuschen entsprechen (FFT-Größe: 18750 Punkte, Überlappung: 468 Samples, Abtastrate: 187,5 kHz) . (B) Nachdem die Fledermaus einen Sperlingsvogel 26 Sekunden lang bis zum Boden verfolgt hatte, gab sie auf und stieg langsam auf 400 m Höhe auf, möglicherweise um nach weiteren Zugvögeln zu suchen. Nach einer Stunde änderte die Fledermaus ihre Strategie und jagte Insekten in niedrigeren Höhen von etwa 50 m. (C) Die Flügelschläge werden in den Schwingungen der z-Achsen-Beschleunigung dargestellt. Während der Verfolgung der Sperlingsvogelbeute (cyan) nahm die Flügelschlagamplitude im Vergleich zur Beutehandhabungsphase (blau) zu. (D) Diese Dead-Reckoning-Spur basiert auf den ersten 50 Minuten der Tag-Aufzeichnung und zeigt, wie sich die Fledermaus während der Such- und Verfolgungsphase in 3D bewegte.

Quellen:
Stidsholt L, Tena E, Foskolos I, Nogueras J, de la Hera I, Sánchez-Navarro S, García-Mudarra JL, Ibáñez C (2025): Greater noctule bats prey on and consume passerines in flight. SCIENCE. DOI: 10.1126/science.adr2475

Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung (IZW) im Forschungsverbund Berlin e.V.:
Caught in the act: Scientists record how Europe’s largest bat catches and consumes a passerine bird mid-air

Zsebők, Sándor & Siemers, Bjrn. (2009). Great tits search for, capture, kill and eat hibernating bats. Biology letters. 6. 10.1098/rsbl.2009.0611.

Great Tits eat bats in times of need (Max Planck Institute for Ornithology)
https://www.mpg.de/593497/pressRelease20090925

Aufruf zum Schutz häufiger Arten

Die anhaltende Biodiversitätskrise macht deutlich, dass gezielte Schutzmaßnahmen erforderlich sind, doch der Fokus liegt oft weiterhin auf seltenen und gefährdeten Arten. Dabei wird die wichtige Rolle häufiger Arten übersehen, die das ökologische Rückgrat von Ökosystemen bilden und die Stabilität und Funktionsfähigkeit der Biodiversität unterstützen.

Die Autor*Innen argumentieren, dass häufige Arten, insbesondere ihre Populationsdynamik und potenziellen Kipppunkte, zu oft vernachlässigt werden und dass ihr Schutz dringend erforderlich ist. Sie veranschaulichen dieses Problem am Beispiel der Fledermäuse (Chiroptera). Diese vielfältige Säugetierordnung umfasst wichtige Ökosystemdienstleister, darunter Insektenfresser, Bestäuber und Samenverbreiter. Fledermäuse reagieren empfindlich auf anthropogene Belastungen, und viele Arten, darunter auch häufige Arten, sind mit einem Rückgang ihrer Populationen und den Auswirkungen von Störungen des Ökosystems konfrontiert. Forschung und Schutzmaßnahmen müssen dringend auf häufige Arten ausgeweitet werden.

Anhand von Fallstudien zeigen wir, wie häufige Fledermausarten als Indikatoren für Umweltveränderungen dienen und dass ihre Populationen dringend überwacht werden müssen. Die Autor*Innen geben Empfehlungen zur Verbesserung der Forschung, zur Stärkung von Schutzmaßnahmen und zur Einführung eines integrativeren Rahmens, der die unverzichtbare Rolle häufiger Arten für Ökosystemleistungen und Biodiversität anerkennt.

 

Quelle:
Russo, D. and Dechmann, D.K.N. (2025), A Call to Protect Common Species: Bats as a Case Study. Conservation Letters., 18: e13113. 
https://doi.org/10.1111/conl.13113

Auwälder ermöglichen klimabedingte Ausbreitung

Auwälder ebnen den Weg für eine klimabedingte Ausbreitung von Fledermäusen: Belege aus einer feinstufigen Höhenverschiebung

Eine gut dokumentierte Reaktion auf den Klimawandel ist die Verschiebung der Verbreitung von Arten, da Organismen aus Gebieten, die zu warm werden, in höhere Breitengrade oder Höhenlagen abwandern. Ökologische Korridore wie Auwälder sind für diese Wanderungen von entscheidender Bedeutung. Fledermäuse sind als effektive Umweltindikatoren empfindlich gegenüber dem Klimawandel. Unter ihnen hat die Wasserfledermaus (Myotis daubentonii) – eine Spezialistin für Auwälder, die eine geschlechtsspezifische Höhenverteilung aufweist – sowohl morphologische als auch verteilungsbezogene Reaktionen auf die Erwärmung gezeigt.

In einem Flusssystem in Mittelitalien, das seit über zwei Jahrzehnten beobachtet wird, waren fortpflanzungsfähige Weibchen früher auf Höhen unter 850 m ü. NN beschränkt, werden nun aber regelmäßig bei der Nahrungssuche in Höhen von bis zu ca. 1050 m ü. NN beobachtet, da höhere Lagen klimatisch günstiger geworden sind. Es bleibt jedoch unklar, ob diese Verschiebung eine tatsächliche Ausweitung des Fortpflanzungsgebiets oder lediglich eine Ausweitung der Nahrungssuche in höhere Lagen bedeutet.

Um dies zu untersuchen, haben die Autor*Innen 14 fortpflanzungsfähige Weibchen, die in hohen Lagen gefangen wurden, mit Radiotrackern ausgestattet, um ihre Lebensraumwahl und Raumnutzung zu untersuchen. Die Ergebnisse bestätigen, dass sich die Wochenstuben tatsächlich weit über der bisherigen Höhengrenze befinden. Auwälder erwiesen sich als wichtiger Lebensraum, der sowohl als Schlafplatz als auch als Nahrungsquelle diente:

Die Fledermäuse hatten ihr Quartier durchweg in Bäumen in Auwäldern und suchten entlang der grünen Flussufer nach Nahrung. Obwohl sich die Quartierbäume strukturell nicht von zufällig verfügbaren Bäumen unterschieden, befanden sich die ausgewählten Höhlen höher über dem Boden, hauptsächlich in Fäulnislöchern, und waren mit einem spärlichen Unterholz und einer südöstlichen Ausrichtung verbunden.

Diese Ergebnisse unterstreichen die Bedeutung des Höhlentyps und der Merkmale des Mikrohabitats bei der Auswahl der Schlafplätze. Insgesamt zeigt die Studie, dass gut erhaltene Auwälder als wichtige ökologische Korridore fungieren, die es Fledermäusen ermöglichen, ihr Verbreitungsgebiet als Reaktion auf den Klimawandel zu verlagern. Naturschutzstrategien, die darauf abzielen, die Anpassungsfähigkeit von Fledermauspopulationen in Flusslandschaften zu verbessern, sollten den Schutz und die Wiederherstellung von Auwäldern priorisieren.

 

Highlights

  • Der Klimawandel treibt die Besiedlung höher gelegener Regionen durch fortpflanzungsfähige Wasserfledermäuse (Myotis daubentonii) voran.
  • Neue Wochenstuben in Höhenlagen über 950 m ü. M. bestätigen die Ausdehnung des Verbreitungsgebiets.
  • Auwälder sind für die Quartiersuche und Nahrungssuche an den Rändern des Verbreitungsgebiets unerlässlich.
  • Die Quartiere befinden sich in Baumhöhlen hoch über dem Boden und sind der Sonne ausgesetzt.
  • Der Klimawandel treibt die Besiedlung voran, aber der Verlust von Lebensräumen könnte sie einschränken.

 

Quelle:
Chiara Belli, Luca Cistrone, Belma Sestovic, Ioannis Ekklisiarchos, Miren Aldasoro, Chiara Borgonovo, Ilaria Migliaresi, Mariella Di Domenico, John Ratcliffe, Danilo Russo,
Riparian forest paves the way to climate-driven expansion in bats: Evidence from a fine-scale elevational shift,
Forest Ecology and Management, Volume 595, 2025, 123042, ISSN 0378-1127,
https://doi.org/10.1016/j.foreco.2025.123042.

Zwergfledermausarten: Evolution der Soziallaute

Soziale Lautäußerungen zeigen einen stärkeren evolutionären Erhaltungsgrad als Echoortungsrufe bei eng verwandten Zwergfledermausarten.

Natürlicher und geschlechtlicher Selektionsdruck sowie die Evolutionsgeschichte prägen die Merkmale von Organismen. Merkmale, die starken phylogenetischen Zwängen unterliegen, bleiben erhalten, während andere anfällig für Umwelt- oder soziale Faktoren sind. Aufgrund ihrer vielfältigen akustischen Orientierungs- und Kommunikationssysteme bieten Fledermäuse ein überzeugendes Modell zur Untersuchung der Stärke phylogenetischer Signale.

Die Autor*Innen stellten die Hypothese auf, dass soziale Lautäußerungen bei Arten der Gattung Zwergfledermäuse (Pipistrellus) stärkere phylogenetische Signale aufweisen als Echoortungsrufe, da ihre Echoortung sehr flexibel ist und von Umweltfaktoren beeinflusst wird. In dieser Studie untersuchten sie sechs eng verwandte europäische Fledermausarten, darunter Pipistrellus hanaki, P. kuhlii, P. maderensis, P. nathusii, P. pipistrellus und P. pygmaeus, die Echoortungsrufe zur Orientierung und Navigation sowie soziale Lautäußerungen (bekannt als Triller) zur Abschreckung von Rivalen und zur Anziehung von Partnern produzierten. Die Ergebnisse zeigen, dass Echoortungsrufe und Triller eine Unterscheidung auf Artenebene ermöglichen, wobei Triller ein stärkeres phylogenetisches Signal aufweisen.

Daher sind Triller bei eng verwandten Arten der Gattung Pipistrellus konservierter, während Echoortungsrufe plastischer und anpassungsfähiger an Umweltbelastungen sind. Dennoch bleibt ein stammesgeschichtliches Signal in Echoortungsrufen nachweisbar, was auf ein Gleichgewicht zwischen Evolutionsgeschichte, morphologischen Einschränkungen und Umweltanpassung hindeutet.

Diese Ergebnisse liefern ein umfassendes Verständnis der Evolutionsprozesse, die die Echoortung und Kommunikation von Fledermäusen prägen, sowie Einblicke in den Einfluss der stammesgeschichtlichen Entwicklung und des Selektionsdrucks auf das akustische Verhalten von Pipistrellus-Arten.

Abbildung 1. (A) Ein beispielhafter Triller und (b) zwei Echoortungsrufe pro Art veranschaulichen die interspezifischen Unterschiede in der spektral-zeitlichen Struktur. Die Leistungsspektren, Oszillogramme und Spektrogramme werden für jede der sechs Pipistrellus-Arten angezeigt. Die Spektrogramme wurden unter Verwendung einer 1024-Punkt-Fast-Fourier-Transformation und eines Hamming-Fensters mit 93,75 % Überlappung erzeugt. Pro Art werden zwei Echoortungsrufe dargestellt. Der Abstand zwischen den Echoortungsrufen wurde zu Illustrationszwecken verkürzt.

Abbildung 1. (A) Ein beispielhafter Triller und (b) zwei Echoortungsrufe pro Art veranschaulichen die interspezifischen Unterschiede in der spektral-zeitlichen Struktur. Die Leistungsspektren, Oszillogramme und Spektrogramme werden für jede der sechs Pipistrellus-Arten angezeigt. Die Spektrogramme wurden unter Verwendung einer 1024-Punkt-Fast-Fourier-Transformation und eines Hamming-Fensters mit 93,75 % Überlappung erzeugt. Pro Art werden zwei Echoortungsrufe dargestellt. Der Abstand zwischen den Echoortungsrufen wurde zu Illustrationszwecken verkürzt.

 

Highlights

  • Die sozialen Triller der Gattung Pipistrellus sind phylogenetisch konservierter als deren Echoortung.
  • Die Echoortung der Gattung Pipistrellus ist flexibel, aber dennoch von der Evolutionsgeschichte geprägt.
  • Beide Vokalisationstypen ermöglichen die Artenerkennung unter den europäischen Arten.
  • Soziale Triller haben tiefe evolutionäre Wurzeln in der Kommunikation der Zwergfledermausarten.
  • Das Vokalisationsverhalten der Zwergfledermausarten zeigt eine Mischung aus Abstammung und Anpassung an die Umwelt.

 

Quelle:
Danilo Russo, Martina Nagy, Iva Visnakova, Beatrix Wuntke, Guido Pfalzer, Panagiotis Georgiakakis, Mirjam Knörnschild,
Social vocalizations show stronger phylogenetic conservatism than echolocation calls in closely related pipistrelle bats,
Animal Behaviour, Volume 227, 2025, 123283, ISSN 0003-3472,
https://doi.org/10.1016/j.anbehav.2025.123283.

Nahrungssuche zwischen Acker und Trockenwiese

Durch die Lupe betrachtet: Entwirrung der kleinräumigen Nahrungssuche von Fledermäusen zwischen Ackerland und angrenzenden Trockenwiesen

Insektenfressende Fledermäuse jagen opportunistisch nach kurzlebigen Beutetieren. Die schwankenden Ressourcen in offenen Agrarlandschaften stellen jedoch eine Herausforderung dar, insbesondere in Zeiten mit hohem Energiebedarf wie der Laktationsphase. Während geschützte, naturnah bewirtschaftete Trockenwiesen im Vergleich zu unvorhersehbaren Ackerflächen stabilere Bedingungen bieten, ist unklar, wie Fledermäuse zwischen diesen beiden Lebensräumen wählen, wenn sie nebeneinander liegen.

Die Autor*Innen untersuchten die Nahrungsauswahl von Fledermäusen im Kleinen, indem sie die Intensität der Nahrungsaufnahme auf einer kurzen Strecke zwischen Ackerland und angrenzendem Trockenrasen verglichen. Dabei berücksichtigten sie Wechselwirkungen zwischen landwirtschaftlicher Bewirtschaftung und Jahreszeit, die die Verfügbarkeit von Ressourcen und den Energiebedarf widerspiegeln. Die Daten wurden durch wiederholte akustische Erfassung von 25 Acker- und Rasenpaaren in verschiedenen landwirtschaftlichen Gebieten in Deutschland gewonnen.

Im Frühsommer, wenn der Energiebedarf am höchsten ist, zeigten Fledermäuse in offenen Landschaften eine höhere Nahrungsaufnahme auf Trockenrasen als auf konventionell bewirtschafteten Ackerflächen. Ein ähnliches Muster zeigte sich bei Fledermäusen, die in Randgebieten leben, in denen die Wiesen mehr Sträucher und Bäume aufwiesen. Umgekehrt bevorzugten Fledermäuse in heterogenen Landschaften hochwertige ökologisch bewirtschaftete Ackerflächen gegenüber angrenzenden Wiesen.

Im Spätsommer waren die Futterauswahlmuster im Allgemeinen weniger ausgeprägt. Durch die Untersuchung der Wechselwirkungen zwischen Landschafts- und Saisonvariablen auf die Fressintensität konnten die Autor*Innen die kleinräumige Auswahl von Lebensräumen durch Fledermäuse aufzeigen, die innerhalb eines bestimmten räumlichen und zeitlichen Kontexts einen vergleichsweise höheren Futterwert bieten, insbesondere in energetisch kritischen Perioden.

Das Verständnis der saisonalen Flexibilität von Fledermäusen bei der Lebensraumwahl ist entscheidend für die Entwicklung wirksamer und zukunftsorientierter Schutzstrategien. Die Autor*Innen betonen, wie wichtig es ist, alternative Lebensräume wie trockene Graslandschaften als potenzielle Nahrungsrefugien in die Schutzplanung einzubeziehen, um die Widerstandsfähigkeit der Fledermäuse angesichts der fortschreitenden Intensivierung der Landwirtschaft und der Umweltveränderungen zu stärken.

Die wichtigsten Punkte:

  • Jahreszeit und Bewirtschaftung der landwirtschaftlichen Flächen führen zu Unterschieden in der Intensität der Nahrungssuche von Fledermäusen.
  • Unterschiede sind im Frühsommer, der Zeit des höchsten Energiebedarfs, am deutlichsten.
  • Im Frühsommer ist die Intensität der Nahrungssuche auf Grasland höher als auf konventionellen Ackerflächen.
  • Im Frühsommer wird hochwertiges Bio-Ackerland gegenüber Grasland bevorzugt.

Quelle:
Sophie P. Ewert, Mirjam Knörnschild, Kirsten Jung, Karl-Heinz Frommolt,
Through the magnifying glass: Untangling fine-scale foraging choices of bats between cropland and adjacent dry grassland,
Agriculture, Ecosystems & Environment, Volume 396, 2026, 109941, ISSN 0167-8809,
https://doi.org/10.1016/j.agee.2025.109941

 

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