Fledermäuse entstanden vermutlich vor rund 65 Millionen Jahren in Europa

Die bislang größte Studie, die genetische Daten und Fossilien von Fledermäusen miteinander kombiniert, liefert neue Erkenntnisse über ihre Evolutionsgeschichte: Fledermäuse entstanden vermutlich vor rund 65 Millionen Jahren in Europa und breiteten sich von dort über die ganze Welt aus. Die Ergebnisse zeigen außerdem, dass sich die Echoortung ebenso wie die Flugfähigkeit bereits sehr früh in der Evolution der Fledermäuse entwickelte. Darüber hinaus schafft die Studie eine wichtige Grundlage für die Erforschung der genetischen Ursachen ihrer außergewöhnlichen Langlebigkeit und Widerstandsfähigkeit gegenüber Krankheiten – Erkenntnisse, die künftig auch für die menschliche Gesundheit von Bedeutung sein könnten.

Ein internationales Team aus 137 Forschenden aus 64 Ländern, darunter Wissenschaftlerinnen des Museums für Naturkunde Berlin, hat genetische Daten und Fossilien kombiniert und damit gezeigt, dass Fledermäuse – und somit auch die Flugfähigkeit der Säugetiere – vermutlich vor rund 65 Millionen Jahren in Europa entstanden sind.

„Mit unserem Ansatz können wir die Evolution fossiler und heute lebender Arten gemeinsam rekonstruieren. So lässt sich etwas erreichen, was mit bisherigen Methoden nicht möglich war: Wir können unter Berücksichtigung der genomischen Daten die älteste Gruppe fossiler Fledermäuse identifizieren und nachvollziehen, wann und wo die Fledermäuse entstanden sind„, erklärt Prof. Liliana M. Dávalos von der Stony Brook University, eine der Hauptautorinnen der Studie.

Die Ergebnisse widersprechen bisherigen Hypothesen, die den Ursprung der Fledermäuse in Asien, Afrika oder Nordamerika vermuteten. Frühe Vertreter der Fledermäuse breiteten sich zunächst von Europa nach Afrika aus. So entstand ein europäisch-afrikanischer Ausgangsraum, von dem aus die Tiere schließlich Asien, Amerika und Australien besiedelten.

Das Forschungsteam, das im Rahmen des internationalen Bat1K-Konsortiums zusammenarbeitet, stellte die bislang umfangreichste Sammlung hochwertiger Fledermausgenome zusammen. Sie umfasst 103 Arten und repräsentiert alle 21 derzeit anerkannten Fledermausfamilien.

„Wir haben modernste DNA-Sequenzierungsverfahren und computergestützte Methoden kombiniert, um diese Genome zu entschlüsseln, miteinander zu vergleichen und die darin enthaltenen Gene zu identifizieren„, erklärt Prof. Michael Hiller vom Senckenberg Forschungsinstitut in Frankfurt, einer der Hauptautoren der Studie. Zusätzlich bezogen die Forschenden 44 fossile Fledermäuse aus verschiedenen Regionen der Welt in ihre Analysen ein, um die Evolutionsgeschichte der einzigen aktiv fliegenden Säugetiere zu rekonstruieren.

Fledermäuse gehören zu den außergewöhnlichsten Säugetieren der Erde. Sie sind die einzigen Säugetiere, die zum aktiven Flug fähig sind. Die meisten Arten orientieren sich und jagen selbst in völliger Dunkelheit allein mithilfe von Schall. Mit mehr als 1.500 Arten, die nahezu weltweit verbreitet sind, stellen Fledermäuse rund ein Fünftel aller heute lebenden Säugetierarten. Als Bestäuber, Samenverbreiter und Vertilger großer Mengen von Schadinsekten erfüllen sie wichtige Funktionen in zahlreichen Ökosystemen. „Diese außergewöhnliche Sammlung genomischer Daten ist das Ergebnis jahrelanger internationaler Zusammenarbeit im Rahmen von Bat1K. Sie ermöglicht es uns nun endlich, zu verstehen, wie sich die bemerkenswerten biologischen Eigenschaften der Fledermäuse entwickelt haben„, erklärt Prof. Sonja Vernes von der University of St Andrews, Mitbegründerin von Bat1K und eine der Hauptautorinnen der Studie.

Darüber hinaus weisen viele Fledermausarten eine bemerkenswerte Widerstandsfähigkeit gegenüber Krankheiten auf und erreichen gemessen an ihrer Körpergröße ein außergewöhnlich hohes Lebensalter. Die im Rahmen der Studie zusammengestellten Genomdaten liefern erstmals einen robusten evolutionären Bezugsrahmen, um die genetischen Grundlagen dieser Eigenschaften zu untersuchen. Langfristig könnten die Erkenntnisse auch für die Erforschung des Alterns, des Immunsystems und der Krankheitsresistenz beim Menschen von Bedeutung sein.

Trotz ihrer außergewöhnlichen Biologie und ihrer großen ökologischen Bedeutung waren einige der grundlegendsten Fragen zur Evolution der Fledermäuse jahrzehntelang ungeklärt: Woher stammen Fledermäuse? Wie sind die verschiedenen Familien miteinander verwandt? Wann entstanden die Flugfähigkeit und die Echoortung? Und wie entwickelten sich jene besonderen Eigenschaften, die Fledermäuse von anderen Säugetieren unterscheiden?

Die neue Studie liefert Antworten auf viele dieser seit Langem diskutierten Fragen. Mithilfe neuartiger Analysemethoden untersuchte das Forschungsteam die Genom- und Fossildaten und rekonstruierte den Stammbaum der Fledermäuse. Dabei konnten mehrere langjährige Kontroversen über die Verwandtschaftsverhältnisse der großen Fledermausgruppen geklärt werden. 

„Es ist außergewöhnlich, dass wir nach Jahrzehnten der Forschung und widersprüchlichen Ergebnissen endlich über einen robusten Stammbaum verfügen, mit dem wir nachvollziehen können, wie sich die einzigartigen Eigenschaften der Fledermäuse entwickelt haben. Gleichzeitig haben wir nun die Genomdaten, um die molekularen Grundlagen dieser bemerkenswerten Anpassungen zu entschlüsseln, und wissen, an welcher Stelle des Stammbaums die fossilen Fledermäuse einzuordnen sind„, erklärt Prof. Emma Teeling vom University College Dublin, Mitbegründerin von Bat1K und eine der Hauptautorinnen der Studie.

Die Untersuchung ist die bislang größte Studie, die genetische Daten und Fossilien von Fledermäusen gemeinsam analysiert. Der Aufbau dieses umfangreichen Datensatzes erforderte Proben, die über Jahrzehnte hinweg weltweit gesammelt wurden. Darunter befinden sich auch Vertreter einiger der seltensten und ungewöhnlichsten Fledermausfamilien, die in besonders abgelegenen Regionen der Erde vorkommen.

Die Fossilien liefern zudem wichtige Hinweise auf eine weitere lange ungeklärte Frage: Wann entwickelte sich die Echoortung der Fledermäuse? Die Einordnung der fossilen Fledermaus Vielasia in einen der ältesten Zweige des Fledermausstammbaums deutet darauf hin, dass die Echoortung bereits vor der Aufspaltung der heutigen Fledermauslinien entstanden ist. Demnach entwickelten sich zwei der charakteristischsten Merkmale der Fledermäuse – Echoortung und aktiver Flug – bereits sehr früh in ihrer Evolutionsgeschichte. Diese Fähigkeiten könnten entscheidend zum außergewöhnlichen evolutionären Erfolg der Fledermäuse während der vergangenen 65 Millionen Jahre beigetragen haben.

Das Forschungsteam rekonstruierte außerdem das Genom des gemeinsamen Vorfahren der Fledermäuse und gewann damit Einblicke in die genetische Ausstattung des ersten flugfähigen Säugetiers. „Diese Ressource ermöglicht es der wissenschaftlichen Gemeinschaft, unterschiedlichste Formen genetischer Variation zu untersuchen – von Veränderungen einzelner DNA-Bausteine bis hin zu Abschnitten mit Hunderten oder Tausenden von Basenpaaren, die in einer Abstammungslinie fehlen, in einer anderen jedoch vorhanden sind. Damit können wir erforschen, welche genetischen Veränderungen zur enormen Vielfalt der heutigen Fledermäuse und zur Entstehung ihrer einzigartigen Eigenschaften beigetragen haben„, erklärt Prof. David Ray von der Texas Tech University, einer der Hauptautoren der Studie.

Die Studie schafft damit eine umfassende genetische und evolutionäre Grundlage, um zu untersuchen, wie sich in einer Säugetierlinie der aktive Flug, eine hoch entwickelte Echoortung, außergewöhnliche Langlebigkeit und besondere Widerstandsfähigkeit gegenüber Krankheiten entwickeln konnten. Sie eröffnet neue Möglichkeiten, die genetischen Grundlagen dieser Eigenschaften zu entschlüsseln – mit einem Erkenntnispotenzial, das weit über die Fledermausforschung hinausreicht. 

Schnelle Fakten:

  • Größte Studie ihrer Art: 103 Fledermausgenome und 44 Fossilien, zusammengetragen und analysiert von 137 Forschenden aus 64 Ländern.
  • Ursprung in Europa: Fledermäuse entstanden vermutlich vor rund 65 Millionen Jahren in Europa – und nicht, wie bisher angenommen, in Asien, Afrika oder Nordamerika.
  • Echoortung und Flugfähigkeit entwickelten sich bereits früh in der Evolution der Fledermäuse. 
  • Die Evolutionsgeschichte der Fledermäuse wurde neu rekonstruiert und jahrzehntelang umstrittene Verwandtschaftsverhältnisse geklärt.
  • Das Genom des gemeinsamen Vorfahren aller heute lebenden Fledermäuse wurde erstmals rekonstruiert.
  • Die Ergebnisse schaffen eine neue Grundlage für die Erforschung der außergewöhnlichen Langlebigkeit und Krankheitsresistenz von Fledermäusen – mit potenzieller Bedeutung für die Alterns- und Krankheitsforschung beim Menschen.

Das Bat1K-Konsortium ist eine internationale Forschungsinitiative mit dem Ziel, hochwertige Referenzgenome für alle heute lebenden Fledermausarten zu erstellen und zu analysieren. Die vorliegende Studie bildet die erste Phase dieses Projekts. Weitere Informationen unter www.bat1k.com 

Quellen:

Pressemitteilung des Museum für Naturkunde Leibniz-Institut für Evolutions- und Biodiversitätsforschung
https://www.museumfuernaturkunde.berlin/museum/services/presse/pressemitteilung/default-e3fd896fd7613968a21883bf1ecd8dc1-1/

Morales, A.E., Liang, Y., Thomas, W.R. et al.
Reference genomes and fossils revise bat family phylogeny and biogeography. Nature (2026).
https://doi.org/10.1038/s41586-026-11007-3

Bildbeschreibung:
Die Werte innerhalb der einzelnen Segmente geben die Anzahl der Genom-Assemblierungen pro Familie an; die Werte neben den Familiennamen zeigen die Artenabdeckung (%) im Verhältnis zu allen beschriebenen Arten dieser Familie. Die äußeren Farben kennzeichnen die Überfamilien; die Myzopodidae sind innerhalb der Vespertilionoidea dargestellt. Die Symbole geben die Nahrungsnische und die Echoortungsfähigkeiten der einzelnen Familien an. Von oben beginnend und im Uhrzeigersinn entsprechen die Abbildungen den folgenden Familien und Arten: Pteropodidae (Pteropus capistratus), Rhinopomatidae (Rhinopoma hardwickii), Megadermatidae (Lavia frons), Craseonycteridae (Craseonycteris thonglongyai), Rhinonycteridae (Triaenops persicus), Hipposideridae (Hipposideros diadema), Rhinolophidae (Rhinolophus megaphyllus), Nycteridae (Nycteris hispida), Emballonuridae (Saccopteryx leptura), Myzopodidae (Myzopoda aurita), Natalidae (Natalus stramineus), Cistugidae (Cistugo lesueuri), Molossidae (Eumops perotis), Miniopteridae (Miniopterus schreibersii), Vespertilionidae (Lasiurus cinereus), Mystacinidae (Mystacina tuberculata), Thyropteridae (Thyroptera tricolor), Furipteridae (Furipterus horrens), Noctilionidae (Noctilio leporinus), Mormoopidae (Mormoops megalophylla) und Phyllostomidae (Tonatia saurophila). Alle Abbildungen wurden von Fiona Reid handgezeichnet. Das Bat1K-Logo wurde von Peter Lang unter einer Creative-Commons-Universal-Public-Domain-Lizenz CC0 1.0 entworfen. Die Abbildungen sind nicht maßstabsgetreu.

Wetter bestimmt die Nutzbarkeit von Fledermauskästen bei Bechsteinfledermäusen

Waldfledermäuse sind auf Baumhöhlen als warme und sichere Tagesquartiere angewiesen. Um der begrenzten Verfügbarkeit natürlicher Quartiere in bewirtschafteten Wäldern entgegenzuwirken, werden häufig Fledermauskästen angebracht. Diese Kästen erfüllen jedoch möglicherweise nicht alle Anforderungen und könnten in einem sich erwärmenden Klima zu ökologischen Fallen werden, da sie leichter überhitzen als besser isolierte Baumhöhlen.

In dieser Studie wurde untersucht, wie sich die Wetterbedingungen über einen Zeitraum von 22 Jahren auf die Nutzung von Fledermauskästen durch Bechsteinfledermäuse in deutschen Wäldern auswirken 1. Die Forscher nutzten RFID-Technologie, um 280 markierte weibliche Fledermäuse in zwei Aufzuchtkolonien zu verfolgen, und beobachteten dabei ihre Wahl zwischen künstlichen Fledermauskästen und natürlichen Baumhöhlen als Schlafplätze 2.

Während sich die Kolonien in ihrer Nutzung der Kästen unterschieden, bezog in beiden Fällen ein höherer Anteil der Fledermäuse Kästen, wenn die nächtlichen Höchsttemperaturen zwischen 15 °C und 20 °C lagen, was darauf hindeutet, dass die Fledermäuse bei kälteren und wärmeren Temperaturen lieber Baumhöhlen nutzen. Zudem hielten sich nach regnerischen Nächten weniger Fledermäuse in den Nistkästen auf.

Die Ergebnisse zeigen, dass Fledermäuse ihre Wahl des Quartiers an die Wetterbedingungen anpassen. Dies deutet darauf hin, dass Fledermauskästen gut isolierte Baumhöhlen nicht vollständig ersetzen können, in den untersuchten Wäldern jedoch wahrscheinlich keine ökologischen Fallen darstellen. In einem sich erwärmenden Klima werden Quartiere, die Fledermäuse vor Überhitzung schützen, zunehmend an Bedeutung gewinnen. Während Fledermauskästen insbesondere in Wäldern mit begrenzten natürlichen Quartierstrukturen weiterhin wertvoll für das Monitoring und den Artenschutz sind, sollten Waldbewirtschafter darauf abzielen, die Anzahl der Bäume zu erhöhen, die gut isolierte natürlichen Quartierstrukturen für Fledermäuse bieten.

Auswirkungen der Temperatur:
Fledermäuse bevorzugten Fledermauskästen, wenn die nächtlichen Höchsttemperaturen zwischen 15 und 20 °C lagen, und mieden diese bei kälteren und wärmeren Bedingungen. Dies deutet darauf hin, dass Fledermäuse bei Temperaturextremen besser isolierte Baumhöhlen bevorzugen.

Auswirkungen von Niederschlag:
Nach regnerischen Nächten nutzten weniger Fledermäuse die Kästen, was wahrscheinlich auf gestörte Nahrungssuche oder die Präferenz für stabilere Baumquartiere zurückzuführen ist.

Unterschiede zwischen den Kolonien:
Die kleinere Kolonie nutzte die Fledermauskästen häufiger (73 %) als die größere Kolonie (39%), möglicherweise aufgrund von Platzmangel in den Kästen während der Wochenstubenzeit.

Schlussfolgerungen für den Artenschutz:
Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass Fledermauskästen nicht als ökologische Fallen fungieren, aber natürliche Baumhöhlen jedoch nicht vollständig ersetzen können. In einem sich erwärmenden Klima werden gut isolierte Baumhöhlen zunehmend wichtig, um Fledermäuse vor Überhitzung zu schützen. Waldbewirtschaftende sollten vielfältige Quartiermöglichkeiten erhalten, darunter große, alte Bäume mit natürlichen Höhlen.

Quelle:
Janis M. Wolf, Gerald Kerth, Fernanda Chávez:
Roosting requirements of temperate zone forest bats in a warming world: Weather predicts bat box use in Bechstein’s bats
Forest Ecology and Management, Volume 621, 2026, 124232, ISSN 0378-1127,
https://doi.org/10.1016/j.foreco.2026.124232

 

32. Jahrestagung des LFA Fledermausschutz NRW

Das 32. Jahrestreffen des LFA Fledermausschutz wird am Samstag, den 14.11.2026 in der Zehntscheune der ehemaligen Abtei Heisterbach, Siegburger Str. 10, 53639 Königswinter (Anfahrtsbeschreibung) stattfinden und wie üblich um 10:00 Uhr beginnen.

Auch in diesem Jahr wird die Tagung durch Mittel der Natur- und Umweltschutz-Akademie NRW (NUA) gefördert. Die Tagung findet in Präsenz statt, eine Online-Übertragung ist nicht vorgesehen. Herzlichen Dank an das Team des Bonner Arbeitskreis für Fledermausschutz (BAFF) für die Organisation vor Ort!

Diese Tagung ist keineswegs nur für Experten bestimmt. Gerade auch Neulinge im Fledermausschutz werden viele interessante Dinge erfahren. Selbstverständlich ist die Teilnahme an der Tagung – wie in jedem Jahr – kostenlos.

Wir möchten Sie bitten, sich rege an der Tagung zu beteiligen und auch das Programm abwechslungsreich mit zu gestalten. Möglichkeiten für Posterpräsentationen sind vor Ort gegeben. Vorträge und auch Posterbeiträge bitte bei Christian Giese Tel. 02872 / 981688 oder per Mail giese@fledermausschutz.de melden. Vor Ort steht ein Beamer mit Laptop zur Verfügung.

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Vorläufiger Programmablauf

  1. Lucas Gülcan (NABU NRW): Projektvorstellung „Lebensraumschutz für Waldfledermäuse„, anschließend Zeit für Fragen und Anregungen.
  2. Klaus Schnippengerd (NABU Kreisverband Steinfurt e.V.): Fledermausschutz im Kreis Steinfurt (vorläufiger Titel).
  3. Dr. Henrike und Holger Körber (AK Fledermausschutz Aachen, Düren, Euskirchen (NABU/BUND/LNU)): Fund der Großen Hufeisennase in NRW im Kreis Düren
  4. Christian Giese (LFA Fledermausschutz NRW): § 45b Abs. 7 BNatSchG, Verbot des Anbringens von Nisthilfen für kollisionsgefährdete WEA-empfindliche Arten – ein Lösung für NRW
  5. nN
  6. nN
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  8. nN

 

32. Tagung (2026) LFA Fledermausschutz NRW

ZeitVortrag
10:00 UhrChristian Giese (LFA):
Eröffnung der Tagung und Begrüßung der Teilnehmerinnen und Teilnehmer
10:15 Uhr
10:45 Uhr
11:15 UhrKaffeepause
11:45 Uhr
12:15 Uhr
12:45 UhrGruppenfoto und anschließend Mittagspause - Zeit zum Austausch
14:00 Uhr
14:45 Uhr
15:15 Uhr
15:45 UhrKaffeepause
16:15 Uhr
16:45 Uhr
17:15 UhrVerschiedenes und Ende der Tagung

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  • Christian Giese (LFA) & ? Ankündigung der 33. Tagung des LFA Fledermausschutz NRW


Poster:

  1. Edit Spielmann (NABU Kreisverband Steinfurt e.V.): Beispiel für gelungenen Quartierschutz in Nordungarn alte Bomboly-Mine, Mád
  2. Maike Theile: Ganzjährige Nutzung von Winterquartieren durch Fledermäuse: Die Frühsommerschwärmphase als relevanter Aspekt für den Quartierschutz 
  3. Dr. Carsten Trappmann (LFA): Bemerkenswerte Entwicklung in einem neuen Fledermaus-Winterquartier in Coesfeld
  4. Christian Giese (LFA): Winteraktivität von Zwergfledermäusen – Erfassungsmethoden zum Schutz von Fledermäusen bei Abbruch und Sanierung von Gebäuden im Winter.
  5. Christian Giese (LFA): nrw.Observation.org – Echtzeit-Datenbank zur Vorprüfung des Artenspektrums für Behörden, Gutachter und Ehrenamt.
  6. Christian Giese (LFA): Mopsfledermäuse im Kreis Borken …typisch kann ja jeder!
  7. Christian Giese (LFA): Mopsfledermäuse im Kreis Borken …akustische Nachweise im Winter
  8. Christian Giese (LFA): Mopsfledermäuse im Kreis Borken …Winterfunde in Baumquartieren
  9. Dr. Gabriella Krivek (Universität Greifswald): BatNet – ein auf Deep Learning basierendes Tool zur automatischen Identifizierung von Fledermausarten anhand von Kamerafallenbildern.

Tagungsanmeldung

Die Anmeldung zur Tagung bald freigeschaltet.

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Corona

Zurzeit gibt es bezüglich unserer Tagung keine Verordnung zum Schutz vor Neuinfizierungen mit dem Coronavirus. Dennoch setzen wir auf Ihre Eigenverantwortung. Hierzu sollen die allgemeinen Verhaltensregeln zu Abstand, Hygiene und Masken (sogenannte AHA-Regeln) in allen Lebensbereichen angemessen eigenverantwortlich und solidarisch beachtet werden. Link: Aktuelle Coronaschutzverordnung des Landes NRW

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Neue Art in Europa: Schlitzgesichtfledermaus

Manche zoologischen Nachweise bleiben jahrhundertelang als ungeklärte Spuren bestehen – zu vieldeutig, um sie zu bestätigen, doch zu faszinierend, um sie zu verwerfen. Dies könnte auf die ägyptische Schlitzgesichtfledermaus (Nycteris thebaica) in Sizilien zutreffen, wo Hinweise aus dem 19. Jahrhundert auf Nycteris hispidus keine Angaben zum Fundort, keine Exemplare und keine diagnostischen Beschreibungen enthielten und erst später als mögliche N. thebaica interpretiert wurden.

Pantelleria, eine Vulkaninsel im Kanal von Sizilien und ein biogeografischer Knotenpunkt zwischen Nordafrika und Europa, bietet einen idealen Schauplatz für ein solches, lange übersehenes Vorkommen.

Nach dem Nachweis ungewöhnlicher Echoortungsrufe von Fledermäusen während der passiven Überwachung führten wir eine gezielte akustische Untersuchung durch. Dazu setzten wir passive Aufnahmegeräte ein, die weniger als 0,5 m über dem Boden angebracht und auf maximale Empfindlichkeit eingestellt waren, um die leisen Rufe dieser tief fliegenden, flüsternden Fledermaus einzufangen. Wir nahmen hochwertige Tonaufnahmen auf, die N. thebaica zuzuordnen sind, darunter sehr kurze, mehrharmonische, frequenzmodulierte Echoortungsrufe, soziale Lautäußerungen sowie eine Sequenz, in der zwei Fledermäuse gemeinsam fliegen. Wir liefern den ersten eindeutigen Nachweis für N. thebaica in Europa und weisen auf das Vorkommen einer kleinen, bisher unentdeckten Population auf Pantelleria hin. Die Art ist bei früheren Erhebungen wahrscheinlich aufgrund ihres niedrigen Fluges, ihrer leisen hochfrequenten Echoortung und ihrer geringen Populationsgröße übersehen worden.

Ihr Vorkommen auf Pantelleria lässt sich am besten als eine lange vernachlässigte Randpopulation afrikanischen Ursprungs interpretieren, die nicht nur eine neue Fledermausart für Europa dokumentiert, sondern auch den ersten europäischen Vertreter der Familie der Nycteridae darstellt. Im weiteren Sinne zeigt unsere Studie, dass gezielte akustische Probenahmen langjährige Unsicherheiten hinsichtlich der Verbreitung von Randpopulationen von Fledermäusen mit leisen Rufen beseitigen und übersehene Bestandteile der regionalen Säugetierfauna aufdecken können.

Quelle:
Danilo Russo, Luca Cistrone, Andrea Biddittu, Mirjam Knörnschild
A ghost from the past: acoustic evidence for the long-overlooked occurrence of the African bat Nycteris thebaica in Europe,
Global Ecology and Conservation, 2026, e04377, ISSN 2351-9894,
https://doi.org/10.1016/j.gecco.2026.e04377.
(https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S2351989426003276)

Sommernachweis der Großen Hufeisennase im Kreis Düren

Außergewöhnlicher Nachweis im Rahmen eines akustischen Langzeit-Fledermausmonitorings
Im Kreis Düren ist im Rahmen eines seit mehreren Jahren durchgeführten akustischen Fledermausmonitorings ein bemerkenswerter Nachweis der Großen Hufeisennase (Rhinolophus ferrumequinum) gelungen. Die Art wurde anhand charakteristischer Ultraschallrufe während der Sommermonate in einem Gebäudedachstuhl registriert.
Der Nachweis erfolgte nicht im Rahmen einer gezielten Suche nach der Großen Hufeisennase, sondern als Beifund eines langfristig angelegten Monitorings zum Vorkommen und zur Gebäudenutzung durch das Graue Langohr (Plecotus austriacus). Der Fund unterstreicht damit die Bedeutung kontinuierlicher akustischer Erfassungen für die Dokumentation seltener und unerwartet auftretender Fledermausarten.

Methodischer Hintergrund
An dem untersuchten Gebäude werden seit mehr als sechs Jahren, teilweise ganzjährig und ganztägig, automatische Ultraschalldetektoren (BatPi, http://www.bat-pi.eu/) eingesetzt. Ziel des Monitorings ist es, die zeitliche Nutzung des Dachraumes durch Fledermäuse zu erfassen und insbesondere die Aktivität des Grauen Langohrs zu dokumentieren.
Im Verlauf der Untersuchungen entstand eine umfangreiche Sammlung von Ultraschallaufnahmen, darunter sowohl Rufsequenzen als auch Aufzeichnungen von Störsignalen. Die zeitintensive und systematische Analyse dieses umfangreichen Datenbestandes brachte unerwartet einzelne Sequenzen zutage, die aufgrund ihrer markanten und eindeutigen Rufcharakteristik der Großen Hufeisennase zugeordnet werden konnten.

Besondere faunistische Bedeutung
Die Große Hufeisennase zählt zu den seltensten Fledermausarten Deutschlands. Nachweise der Art sind insbesondere in Nordrhein-Westfalen ausgesprochen selten. Bekannt gewordene Beobachtungen konzentrierten sich in den vergangenen Jahren vor allem auf Winterquartiere, unter anderem in der Eifel und angrenzenden Naturräumen.

Nachweis während der Sommermonate.
Von besonderem Interesse ist der Zeitpunkt des aktuellen Nachweises. Anders als die bislang bekannten Funde handelt es sich um einen Sommernachweis. Das räumlich nächstgelegene bekannte Wochenstubengebiet befindet sich in Luxemburg. Nach einschlägiger Literatur erscheint dieses jedoch aufgrund der dort beschriebenen, in der Regel kleinräumigen Wanderbewegungen der Art vergleichsweise weit entfernt. Ein Sommernachweis kann aus populationsökologischer Sicht von besonderer Bedeutung sein, da er Hinweise auf eine saisonale Nutzung des betreffenden Naturraums geben kann. Zugleich lässt sich aus einzelnen Nachweisen nicht ableiten, dass sich in der Region bereits eine etablierte Sommer- oder Reproduktionspopulation gebildet hat. Hierfür sind weitere Untersuchungen erforderlich.

Wiederholte Registrierung über zwei Jahre
Besonders bemerkenswert ist, dass die Große Hufeisennase nicht nur einmalig registriert wurde. Nach den vorliegenden Aufzeichnungen konnten Rufsequenzen über mindestens zwei Sommerperioden und an mehreren Untersuchungstagen zwischen Mai und August erfasst werden.
Damit gewinnt der Befund gegenüber einem isolierten Einzelnachweis deutlich an Aussagekraft. Gleichzeitig stellt sich die Frage, welche Funktion das untersuchte Gebäude beziehungsweise der Dachraum für die Art besitzt.
Denkbar sind verschiedene Formen der Nutzung, beispielsweise eine sporadische Nutzung als Quartier, eine Nutzung im Zusammenhang mit der Nahrungssuche oder auch eine durchgehende Nutzung weiterer Bereiche des Gebäudekomplexes während des gesamten Sommers.
Welche dieser Funktionen tatsächlich vorliegt, lässt sich anhand der bisherigen akustischen Daten nicht beurteilen. Der aktuelle Kenntnisstand wirft daher mehr Fragen auf, als die bisherigen Untersuchungen beantworten können.

Bedeutung der akustischen Erfassung
Die Große Hufeisennase weist eine besondere Rufcharakteristik auf. Ihre überwiegend hochfrequenten Rufe besitzen im Vergleich zu den Signalen vieler anderer europäischer Fledermausarten eine relativ geringe Reichweite. Dadurch ist die Wahrscheinlichkeit eines akustischen Nachweises bei Detektoruntersuchungen begrenzt.
Dies gilt insbesondere für Untersuchungen, bei denen nur kurze Zeiträume – etwa einzelne Nächte oder wenige Tage – in der freien Landschaft erfasst werden.
Durch die kontinuierliche oder wiederholte Datenerhebung steigt insgesamt die Wahrscheinlichkeit, seltene Arten auch dann zu erfassen, wenn deren Aktivität nur sporadisch oder räumlich eng begrenzt auftritt.
Einschränkend gilt, dass auch in großen Innenräumen aufgrund der begrenzten Reichweite der Rufe methodisch akustische Erfassungsgrenzen gegeben sind. Die Reichweite der Rufe der Großen Hufeisennase wird in der Literatur mit etwa 10 m angegeben, sodass sich die akustische Erfassung in einem großen Dachraum auf einen vergleichsweise kleinen Bereich um den Detektor beschränkt.

Meldung an die zuständigen Naturschutzbehörden
Der Fund wurde an die zuständige Untere Naturschutzbehörde des Kreises Düren sowie an das Landesamt für Natur, Umwelt und Klima Nordrhein-Westfalen (LANUK) zur Berücksichtigung im landesweiten Fundortkataster gemeldet.
Eine zeitnahe Dokumentation solcher Nachweise ist insbesondere bei seltenen und streng geschützten Arten von großer Bedeutung. Sie ermöglicht es den zuständigen Fachbehörden, neue Erkenntnisse zur Verbreitung und zur saisonalen Nutzung von Lebensräumen in die naturschutzfachliche Bewertung einzubeziehen.

Konsequenzen für den Gebäudeschutz
Der Nachweis unterstreicht zugleich die Bedeutung geeigneter Gebäudequartiere für den Fledermausschutz. Insbesondere wenig gestörte Dachräume können für Fledermäuse wichtige Funktionen übernehmen.
Bei Gebäuden mit nachgewiesener Fledermausaktivität sollte deshalb vor baulichen Veränderungen, Sanierungsmaßnahmen oder Nutzungsänderungen geprüft werden, welche Bedeutung die jeweiligen Gebäudebereiche für die vorkommenden Arten besitzen. Dies gilt in besonderem Maße für seltene Arten. Die Erhaltung geeigneter Einflugmöglichkeiten, störungsarmer Bereiche und potenzieller Quartierstrukturen kann dabei einen wesentlichen Beitrag zum Schutz der lokalen Fledermausfauna leisten.

Weiterführende Untersuchungen
Aufgrund der wiederholten Nachweise soll das Monitoring am Untersuchungsstandort fortgesetzt und methodisch erweitert werden. Zusätzliche automatische Detektoren sowie eine räumlich differenzierte Erfassung sollen dazu beitragen, die offenen Fragen zum Vorkommen der Großen Hufeisennase einzugrenzen.

Von besonderem Interesse sind folgende Fragen:

  • Wird der untersuchte Dachraum durchgehend oder zeitweise als Quartier genutzt? Wo liegt der Hauptnutzungsbereich im Dachraum?
  • Welche weiteren Bereiche des Gebäudekomplexes werden möglicherweise von der Art genutzt?
  • Handelt es sich um ein einzelnes Individuum oder um mehrere Tiere?
  • Welche Bedeutung haben umliegende Nahrungshabitate?
  • Gibt es weitere Vorkommen der Art im Kreis Düren beziehungsweise in den angrenzenden Naturräumen?

Erst durch eine Kombination aus weiterem akustischem Langzeit-Monitoring, gezielten Gebäudekontrollen und gegebenenfalls weiteren Untersuchungsmethoden wird sich die ökologische Bedeutung des Fundortes belastbar beurteilen lassen

Ausblick
Der Nachweis der Großen Hufeisennase im Kreis Düren stellt einen fachlich besonders interessanten Beitrag zur Kenntnis der aktuellen Verbreitung der Art in Nordrhein-Westfalen dar. Vor allem die wiederholte akustische Registrierung während zweier Sommerperioden rechtfertigt eine weiterführende Untersuchung.
Der Fund zeigt zugleich, dass langfristige und systematische Fledermauserfassungen auch über die ursprünglich definierte Zielsetzung hinaus einen erheblichen Erkenntnisgewinn liefern können. Gerade bei seltenen Arten sind kontinuierliche Monitoringansätze von besonderem Wert, da sporadische Einzeluntersuchungen das tatsächliche Vorkommen aufgrund artspezifischer Verhaltensweisen und begrenzter Nachweiswahrscheinlichkeiten möglicherweise unterschätzen.
Die weitere Untersuchung des Fundortes soll daher dazu beitragen, die Bedeutung des Gebäudes und seines Umfeldes für die Große Hufeisennase genauer einzuordnen und mögliche Schutzmaßnahmen auf eine belastbare fachliche Datengrundlage zu stellen.

AK Fledermausschutz Aachen, Düren, Euskirchen (NABU / BUND / LNU)
Leitung: Dr. Henrike und Holger Körber
Am Hofacker 12
52379 Langerwehe
E-Mail: holger.koerber@online.de

Studie: Langfristiges, individuenbasiertes Monitoring im Fledermausschutz

Erkenntnisse aus automatisierten PIT-Tag-Überwachungen

Hintergrund
Die Bedeutung langfristig angelegter, individuenbasierter Feldstudien für die Beantwortung zentraler Fragen des Artenschutzes ist allgemein anerkannt. Bei Fledermäusen sind solche Studien jedoch aufgrund der damit verbundenen Herausforderungen selten.

Ziele
Diese Übersicht fasst den aktuellen Wissensstand zu den Ergebnissen langfristiger, individuenbasierter Beobachtungen zum Schutz von Fledermäusen zusammen, wobei der Schwerpunkt auf Daten liegt, die durch die automatisierte Überwachung mit passiven integrierten Transpondern (PIT-Tags) gewonnen wurden.

Methoden
Das Team hat die Literatur zu langfristigen, individuenbasierten Fledermaus-Monitoringstudien für Naturschutzzwecke ausgewertet, wobei sie sich auf das automatisierte PIT-Tag-Monitoring konzentrierten. Sie führten gezielte Literaturrecherchen zu statistischen Tools für die Analyse individuenbasierter Daten durch, die mit automatisierten Systemen erhoben wurden, sowie zu den damit verbundenen Herausforderungen und Chancen. Abschließend stellen Sie zwei Fallstudien vor, die auf Informationen aus eigenen langfristigen automatisierten PIT-Tag-Monitoring von fünf Fledermausarten in Deutschland basieren.

Ergebnisse
Sie stellten fest, dass nur eine begrenzte Anzahl von Fledermausarten über einen Zeitraum von mehr als drei Jahren mit automatischen PIT-Tag-Loggern überwacht wurde. Bei fast allen Arten handelt es sich um Fledermäuse der gemäßigten Zone. Die Überwachung erfolgte an Sommerquartieren, darunter Gebäude, Höhlen, Fledermauskästen und Baumhöhlen, sowie an Überwinterungsquartieren. Die jeweiligen Studien untersuchten verschiedene für den Artenschutz relevante Variablen, darunter die Bewegung zwischen Quartieren, demografische Parameter wie Überleben und Fortpflanzung sowie Bestandsentwicklungen. Die eigene Forschung zeigt, wie diese Methode artenschutzrelevante Informationen liefern kann, die mit Zählungen oder klassischen Fang-Markierung-Wiederfang-Verfahren, die eine regelmäßige Handhabung der Fledermäuse erfordern, nicht gewonnen worden wären.

Schlussfolgerungen
Das langfristige, individuenbasierte Monitoring bleibt eine anspruchsvolle und ressourcenintensive Aufgabe. Die automatisierte PIT-Tag-Überwachung bietet neue Möglichkeiten für die langfristige Fledermausüberwachung, indem sie die Erfassung hochrelevanter Naturschutzdaten erleichtert.

Quelle
Kerth, G., G. Krivek, F. Meier, F. Chávez, S. Schirmer, and J. van Schaik. 2026.
“Long-Term Individual-Based Monitoring in Bat Conservation: Insights From Automated PIT-Tag Monitoring.” 
Mammal Review 56, no. 3: e70045. https://doi.org/10.1111/mam.70045.

Bundesweites Großprojekt: Lebensraumschutz für Waldfledermäuse

Das neue Großprojekt schützt Waldfledermausarten und fördert klimaresiliente Wälder – Zehn Partnerorganisationen aus Naturschutz und Wissenschaft arbeiten daran wichtige Lebensräume von Waldfledermäusen langfristig zu sichern und ökologisch aufzuwerten. Das fünfjährige Vorhaben wird vom Bundesamt für Naturschutz (BfN) im Nationalen Artenhilfsprogramm gefördert. Auch der NABU NRW ist am Projekt beteiligt.

In diesem Frühjahr ist ein bundesweites Verbundprojekt zum Schutz von Waldfledermäusen in Deutschland gestartet. Unter der Leitung der Naturstiftung David arbeiten zehn Partnerorganisationen aus Naturschutz und Wissenschaft daran, wichtige Lebensräume von Waldfledermäusen langfristig zu sichern und ökologisch aufzuwerten. Das fünfjährige Vorhaben wird vom Bundesamt für Naturschutz (BfN) im Nationalen Artenhilfsprogramm gefördert und leistet einen wichtigen Beitrag zum Erhalt der biologischen Vielfalt sowie zur Stärkung resilienter Waldökosysteme.

Vier Fledermausarten im Fokus
Tagsüber verstecken sich die nachtaktiven Waldfledermäuse in Bäumen, erst nachts gehen sie auf Insektenjagd. Die lautlosen Jäger der Baumkronen sind auf strukturreiche Wälder mit alten Bäumen, Höhlenstrukturen und hohem Insektenreichtum angewiesen. Wo sie geeignete Lebensbedingungen finden, profitieren zahlreiche weitere Arten – sie sind damit Schirmarten und wichtige Botschafter für lebendige Wälder.

Im Mittelpunkt des Projekts stehen vier Arten: Mopsfledermaus, Bechsteinfledermaus, Rauhautfledermaus und Kleinabendsegler. Als typische Waldbewohner zeigen sie an, wo ökologische Prozesse in Wäldern intakt sind.

Bechsteinfledermaus (Myotis bechsteinii)

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Bechsteinfledermaus (Myotis bechsteinii)

Gemeinsam wirksam in der Fläche 
Getragen wird das Projekt von einem interregionalen Netzwerk aus zehn Partnerorganisationen unter der Leitung der Naturstiftung David. Beteiligt sind Naturschutzverbände, Naturschutzorganisationen, Landesstiftungen und Forschungseinrichtungen. Neben den Verbundpartnern sind auch Bundes- und Landesforste, Waldbesitzende sowie ehrenamtlich Engagierte eingebunden. „Naturschutz wirkt dann besonders erfolgreich, wenn er gemeinsam gedacht und umgesetzt wird. Mit unserem Netzwerk bringen wir Fachwissen, praktische Erfahrung und Engagement aus ganz Deutschland zusammen“, sagt Jana Planek, Leiterin des Verbundprojektes.

Konkrete Maßnahmen für lebendige Wälder

Im Rahmen des Projekts werden über 60 Maßnahmen in Staats-, Kommunal- und Kirchenwäldern ebenso wie in Stiftungs- und Privatwald umgesetzt. Dazu gehören unter anderem der Schutz und die Entwicklung von Habitatbäumen und Waldrefugien, die Sicherung von Höhlenstrukturen und Quartierbäumen sowie die Aufwertung von Jagdhabitaten und Waldrändern.

Ergänzend sind über 70 Fortbildungen geplant, um Wissen zum Schutzmanagement in die Forstpraxis zu bringen und Akteure über den Verbund hinaus zu vernetzen.

Datenbasierte Zukunftsräume gestalten
Ein besonderer Fokus liegt auf der Verbesserung der Datengrundlage: Bestehende Informationen zum Bestand der vier Waldfledermausarten werden zusammengeführt und durch gezielte Erhebungen ergänzt. Daraus entstehen bundesweite Habitatmodelle sowie Karten, die geeignete Lebensräume und bestehende Defizite sichtbar machen. Auch der Klimawandel wird systematisch berücksichtigt: Mithilfe von Projektionen werden zukünftige Verbreitungsgebiete identifiziert, um Lebensräume frühzeitig zu sichern und anzupassen.

Projektförderung
Das Verbundprojekt „Lebensraumschutz für windkraftsensible Waldfledermäuse“ wird im Nationalen Artenhilfsprogramm (nAHP) durch das Bundesamt für Naturschutz mit Mitteln des Bundesministeriums für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit gefördert. Es hat eine Laufzeit von fünf Jahren (01.03.2026 – 28.02.2031). Darüber hinaus werden die Teilprojekte von den jeweiligen Ländern und weiteren Partnern unterstützt. Das Verbundprojekt hat ein finanzielles Gesamtvolumen von rund 11,1 Mio. Euro.

Weitere Informationen

Projektseite und Ansprechpartner beim NABU NRW:
https://nrw.nabu.de/news/2026/37213.html

Projektbeschreibung bei der Naturstiftung David:
https://www.naturstiftung-david.de/waldfledermaeuse

Projektsteckbriefe beim Bundesamt für Naturschutz:
https://www.bfn.de/projektsteckbriefe/lebensraumschutz-fuer-windkraftsensible-waldfledermaeuse

Fledermäuse: Elektromagnetisches Rauschen beeinträchtigt Orientierung

Wie sich vom Menschen verursachte elektromagnetische Störungen auf Lebewesen auswirken können, ist ein bislang kaum erforschter Aspekt einer zunehmend urbanisierten natürlichen Umwelt, insbesondere wenn diese Störungen in nicht tödlicher Form auftreten. In dieser Studie untersuchte das Autoren-Team um Dr. Oliver Lindecke die Auswirkungen schwacher breitbandiger Hochfrequenzfelder (HF-Felder) auf das Verhalten von Tieren.

Das Team setzte wandernde Mückenfledermäuse (Pipistrellus pygmaeus) HF-Feldern im Bereich von 0,01 bis 300 Megahertz aus und testete anschließend ihre Orientierungsfähigkeit im Laufe der Nacht. Während sich die Fledermäuse der Kontrollgruppe normal orientierten, zeigten die Fledermäuse, die HF-Störsignalen ausgesetzt waren, eine zufällige Flugrichtung beim Abflug, was auf Störeffekte hindeutet, die über die unmittelbare Einwirkung hinaus andauern.

Diese Ergebnisse legen nahe, dass elektromagnetische Verschmutzung das Potenzial hat, das Verhalten von Tieren stärker zu beeinflussen als bisher angenommen.

Die vom Menschen verursachte elektromagnetische Strahlung kann demnach Stressfaktor für Wildtiere wirken, wobei die Auswirkungen sogar über die unmittelbare Belastung hinausgehen. Das Autorenteam belegt einen reproduzierbaren Nachwirkungseffekt menschengemachter elektromagnetischer Störungen auf die Orientierungsfähigkeit von Fledermäusen.

Unabhängig vom konkreten Grund für den beobachteten Nachwirkungseffekt sind die potenziellen ökologischen Folgen der hier aufgezeigten Störung besorgniserregend, da sich die aktuellen Belastungsgrenzwerte ausschließlich auf Menschen beziehen, wodurch Wildtiere selbst innerhalb der Grenzwerte gefährdet bleiben.

Der weithin erwartete Anstieg der elektromagnetischen Belastung als Folge von Urbanisierungstrends und der weltweiten Verbreitung drahtloser Technologien könnte die Auswirkungen des vom Menschen verursachten Klimawandels und der Landnutzungsänderung weiter verstärken, indem er die Wanderbewegungen von Wildtieren stört.

Quelle:

Oliver Lindecke, William T. Schneider, Viesturs Vintulis, Nicole Jordan, Fyodor Cellarius, Lara C. Marggraf, Jaclyn Niehues, Valts Jaunzemis, Oskars Keišs, Richard A. Holland
Disruptive effects of brief radiofrequency noise exposure on migratory bat navigation. Science392,977-979(2026).DOI:10.1126/science.adq4418

Weitere Publikation:

Stille Störung: Vom Menschen verursachte elektromagnetische Störungen haben langfristige Auswirkungen auf die Flugorientierung von Fledermäusen
Alfonso Balmori, Alfonso Balmori-de la Puente, Silent  nterference, Science, 392, 6801, (922-923), (2026).
https://www.science.org/doi/10.1126/science.aei2381

 

Kleinabendsegler: Neue Studie zeigt überraschende Flugrouten

Der Kleinabendsegler, Fledermaus des Jahres 2026/27, legt auf seinen saisonalen Wanderungen quer durch Europa erstaunliche Strecken zurück. Forschende konnten jetzt im Rahmen einer vom Bundesamt für Naturschutz geförderten Studie erstmals die Zugwege dieser seltenen und geschützten Art genau nachverfolgen.

Ergebnisse des Projekts „Ein Arten-Aktionsplan für den Kleinabendsegler“ zeigen eindrucksvoll, welche Leistungen die kleinen Säugetiere vollbringen: Trotz eines Körpergewichts von nur etwa 13 bis 18 Gramm – ungefähr so schwer wie zwei 1-Euro-Münzen – und einer Kopf-Rumpf-Länge von weniger als sieben Zentimetern legten manche Individuen mehr als 380 Kilometer in nur einer Nacht zurück, etwa vom Thüringer Wald bis zum Bodensee. Innerhalb weniger Nächte flogen die Kleinabendsegler Distanzen von bis zu über 1.000 Kilometern. Einzelne Tiere überquerten dabei sogar die Alpen. Möglich wurden diese Erkenntnisse erst durch den Einsatz einer neuartigen Sendertechnologie. Insgesamt lieferten die besenderten Fledermäuse Positionsdaten aus zwölf europäischen Ländern. 

Überraschend sind auch die individuell sehr unterschiedlichen Zugwege. Weibchen aus demselben Wintergebiet starteten an unterschiedlichen Tagen und flogen in völlig verschiedene Regionen. So zogen Tiere aus Südbaden im Frühjahr zum Beispiel nach Minden, auf die Insel Rügen oder bis nach Prag. Fledermäuse aus dem Tessin flogen hingegen bis nach Südpolen und Ungarn. Auch im Herbst verteilten sich die Tiere aus einer Thüringer Sommerkolonie auf weit auseinanderliegende Überwinterungsorte – von Luxemburg und Nordrhein-Westfalen über den Starnberger See in Süddeutschland bis in die Schweiz und sogar nach Südfrankreich. Trotz der großen individuellen Unterschiede deuten die Daten darauf hin, dass einzelne Tiere dabei jedes Jahr dasselbe Sommer- bzw. Wintergebiet aufsuchen und dafür dieselben Zugwege nutzen. 

Auf ihren weiten Wanderungen sind die Fledermäuse zahlreichen Gefahren ausgesetzt. Eine zunehmende Rolle spielen dabei auch Windenergieanlagen, an denen es zu Kollisionen kommen kann. Hinzu kommt der Verlust geeigneter Lebensräume. Die Fledermäuse sind auf insektenreiche Gebiete und alte Wälder mit Höhlenbäumen angewiesen, da sie ausreichend Nahrung und sichere Quartiere benötigen – sowohl in den Sommer- und Überwinterungsgebieten als auch entlang ihrer Zugwege. Um auf die Schutzbedürftigkeit dieser Art aufmerksam zu machen und Schutzmaßnahmen zu fördern, haben die Mitgliedsverbände von BatLife Europe den Kleinabendsegler zur Fledermaus des Jahres 2026/27 gewählt.

Das Projekt „Ein Arten-Aktionsplan für den Kleinabendsegler“ schafft eine verlässliche Datengrundlage für gezielte Schutzmaßnahmen. Aufgrund seiner weiten Wanderungen ist der Kleinabendsegler auf international abgestimmte Schutzmaßnahmen angewiesen, zu deren Umsetzung Deutschland unter anderem im Rahmen der Bonner Konvention sowie des EUROBATS-Abkommens verpflichtet ist. Die im Projekt gewonnenen Erkenntnisse fließen in einen konkreten Maßnahmenplan ein und bilden zugleich die Grundlage für einen nationalen Arten-Aktionsplan. Ziel ist es, den Kleinabendsegler langfristig besser zu schützen und seine wichtigen Lebensräume dauerhaft zu sichern. Das Projekt wird vom Bundesamt für Naturschutz mit Mitteln des Bundesumweltministeriums im Nationalen Artenhilfsprogramm (nAHP) gefördert.

Quelle:
Pressemitteilung Nationales Artenhilfsprogramm „Ein Aktionsplan für den Kleinabendsegler“
https://www.bfn.de/aktuelles/kleine-fledermaeuse-auf-grosser-reise-neue-studie-zeigt-ueberraschende-flugrouten

Künstliches Licht und Ultraschall vertreibt Wasserfledermäuse

Fledermäuse haben die Fähigkeit, ihre Beute im nächtlichen Himmel mittels Echoortung aufzuspüren, doch diese dunkle und ruhige sensorische Nische wird zunehmend durch künstliche Licht- und Lärmbelastung beeinträchtigt.

Das Autoren-Team teste die Hypothesen, dass solche Belastungen Fledermäuse von ihren Jagdgebieten vertreiben und dass diese Vertreibung mit der Intensität der Stressfaktoren zunimmt. Dazu setzten sie wildlebende Wasserfledermäuse (Myotis daubentonii) kontrollierten Licht- oder breitbandigen Ultraschallgeräuschen aus und zeichneten die Aktivitätsniveaus der Fledermäuse mittels passiver akustischer Überwachung in unterschiedlichen Entfernungen zu den Störfaktoren auf.

Sie stellen fest, dass Licht- und Lärmbelastungen die Fledermausaktivität im Vergleich zu Kontrollzeiträumen in einem Umkreis von 6 m um die Stressorquelle um 43 % bzw. 49 % reduzierten. Der Verdrängungseffekt nahm mit zunehmender Entfernung zu den Licht- und Lärmquellen ab.

In 20 m Entfernung von der Quelle führte eine Lichtstärke von 1 Lux noch zu einer leichten Verringerung der Fledermausaktivität. Im Gegensatz dazu lösten Lärmpegel von 56 dB re. 20 μPa RMS in 20 m Entfernung keine messbare Verdrängung der Fledermäuse mehr aus.

Sie kommen zu dem Schluss, dass mäßige künstliche Licht- und Lärmbelastung Fledermäuse von ihren Nahrungsgebieten verdrängen kann und dass Licht- und Ultraschallbelastung in der Umgebung kritischer Fledermauslebensräume vermieden werden sollte.

Quelle:
Caspersen, M.R., Mortensen, S.A., Beedholm, K. et al. Light and ultrasonic noise pollution displaces trawling Daubenton’s bats. Sci Rep (2026). https://doi.org/10.1038/s41598-026-50747-0

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