COVID: Handlungsempfehlungen und Hintergründe zur Arbeit mit Fledermäusen

Bitte beachten Sie bei Kontrollen von Winterquartieren, Pflege von Fledermäusen, wissenschaftlicher Forschung und sonstigem Kontakt zu Fledermäusen folgende Handlungsempfehlungen zur Arbeit mit Fledermäusen. Sie finden in dem Download wissenschaftliche Fakten zu häufigen Fragen, aktualisierte Handlungsempfehlungen und Hintergründe zur Arbeit mit Fledermäusen in Zeiten von SARS-CoV 2 (Version 2.0) zur Vermeidung der Übertragung von SARS-CoV 2 von Menschen auf Fledermäuse.

Es besteht ein geringes, aber begründetes Risiko der Übertragung von SARS-CoV 2 von Menschen auf Fledermäuse [35]. Bei allen Aktivitäten zum Schutz und zur Erforschung von Fledermäusen sollte das Risiko einer Übertragung von SARS-CoV 2 auf Fledermäuse auf ein Minimum reduziert werden [3].

Hintergründe und Handlungsempfehlungen zur Arbeit mit Fledermäusen in Zeiten von SARS-CoV 2 – Version 2.0

Um eine Übertragung auszuschließen, fordern wir bei fledermauskundlichen Arbeiten die strikte Einhaltung der bereits etablierten und wirksamen Schutz- und Hygienemaßnahmen, wie das Tragen von Handschuhen und eines Mund-Nasenschutzes. Auf den direkten Kontakt (d.h. Handling) mit Hufeisennasenarten sollte grundsätzlich weitestgehend verzichtet werden (Quartierkontrollen nur mit äußerster Vorsicht), bis aussagekräftige Daten zu ihrer Gefährdung (Ansteckung durch Menschen) vorliegen. Zusätzlich raten wir dringend dazu, dass ausschließlich nur vollständig immunisierte oder PCR-getestete Personen direkt mit Fledermäusen arbeiten.

Wir möchten dabei zu bedenken geben, dass es zu ernsten Konsequenzen für den Fledermausschutz und den Tätigkeiten rund um den Fledermausschutz kommen kann, wenn fahrlässig mit den Tieren umgegangen wird.

  • Fledermauskundler sollten bei engem Kontakt mit den Tieren, bei einer Annäherung von weniger als 2 m zum Tier und bei längerfristigem Aufenthalt. (> 15 min) in kleinräumigen Quartieren ebenfalls einen Mund-Nasenschutz (FFP2-Maske) verwenden.
  • Fledermauskundler, die positiv auf Covid-19 getestet wurden oder Krankheitssymptome zeigen, müssen auf den Kontakt zu den Tieren vollständig verzichten. Überdies sollte eine vollständige Immunisierung gegen SARS-CoV 2 vor der Arbeit mit Fledermäusen erfolgt sein. Falls dies nicht möglich ist, sollte bei engem Kontakt mit Fledermäusen vorher (tagesaktuell) ein PCR-Test durchgeführt werden.
  • Aufgrund der relativ engen Verwandtschaft von SARS-CoV 2 zu Coronaviren in Hufeisennasen sollte der Kontakt zu Hufeisennasen (inkl. Aufenthalt in den Quartieren) auf ein Minimum reduziert werden, bis aussagekräftige Daten zu ihrer Gefährdung (Ansteckung durch Menschen und den sich daraus ergebenden Konsequenzen) vorliegen. Falls ein Kontakt zum Schutz und zur Erforschung der Tiere zwingend erforderlich ist, sollten auch vollständig immunisierte Personen vorher einen entsprechenden Test durchführen.

Treffen sie bei Kontrollen von Winterquartieren erweiterte Hygiene-Maßnahmen zum gegenseitigen Schutz und zum Schutz der Fledermäuse:

  • Tragen Sie Handschuhe und einen Mund-Nasenschutz (FFP2-Maske)
  • Betreten Sie das Quartier so kurz und mit so wenigen Personen wie möglich
  • Halten Sie den größtmöglichen Abstand zu den Tieren
  • Machen Sie am Tag der Kontrolle einen Corona-Schnelltest
  • Wer positiv auf SARS-CoV-2 getestet wurde oder Krankheitssymptome zeigt, darf keine Quartiere betreten!

Allgemeine Hinweise zur Kontrolle von Fledermaus-Winterquartieren

Um eine Störung der Fledermäuse während der kritischen Phase des Winterschlafes so gering wie möglich zu halten, müssen einige Richtlinien im Winterquartier befolgt werden:

  • Berühren Sie unter keinen Umständen winterschlafende Fledermäuse.
  • Reduzieren Sie die Beleuchtung und passen die Leistung der Lampen an die Entfernung der Tiere an.
  • Machen Sie so wenig Fotos wie möglich.
  • Vermeiden Sie Geräusche und verhalten sich leise (flüstern, nur einmal vorbeigehen).
  • Bleiben Sie so kurz wie möglich in der Nähe von Fledermäusen und im Allgemeinen im Winterquartier.
  • Atmen Sie nicht unter oder in Richtung von Fledermäusen aus, die sich in Ihrer Nähe befinden.
  • Gehen Sie mit so wenig Personen wie möglich, in Abhängigkeit der Größe, in das Quartier.

Download: https://bvfledermaus.de/wp-content/uploads/2022/01/Informationsblatt-SARS-CoV-2-und-Fledermaeuse-in-Deutschland-2.0.pdf

Quellen:

https://bvfledermaus.de/update-informationsblatt-einheimische-fledermaeuse-und-sars-cov-2/

[3] IUCN SBSG. 2021 IUCN SSC Bat Specialist Group (BSG) Recommended Strategy for Researchers to Reduce the Risk of Transmission of SARS-CoV-2 from Humans to Bats.

[35] Olival KJ et al. 2020 Possibility for reverse zoonotic transmission of SARS-CoV-2 to free-ranging wildlife: A case study of bats. PLoS Pathog 16, e1008758. (doi:10.1371/journal.ppat.1008758)

 

Gefährdung von Amphibien durch Winterquartierkontrollen?

Fledermausschutz – Empfehlungen zur Kontrolle von Winterquartieren in Zeiten von Corona

Gefährdung von Amphibien durch Winterquartierkontrollen?

Die Winterquartierkontrollen sind wieder voll im Gange. Jedes Jahr machen sich viele Fledermausschützer auf, um in den Winterquartierhabitaten, in Höhlen und Stollen, die überwinternden Fledermäuse zu zählen. Dabei betreten wir aber nicht nur den Lebensraum der Fledermäuse, sondern auch anderer Arten, die in den kühlen und feuchten unterirdischen Strukturen den Winter verbringen. Eine bestimmte Art fällt uns dabei regelmäßig aufgrund ihrer auffälligen Färbung auf: der Feuersalamander.

Schnell sind die Exemplare auf die Hand genommen, Fotos gemacht, bevor die Fledermauskontrollen im nächsten Quartier fortgesetzt werden. Ein eigentlich unbedenklicher Vorgang, meinen wir vielleicht. Aber Feuersalamander haben ein riesen Problem!

Seit vielen Jahren fallen Amphibien in der ganzen Welt dem Chytridpilz Batrachochytridium dendrobatidis zum Opfer. Dieser Pilz, der aus den asiatischen Tropen stammt, befällt die Haut vor allem von Froschluchen, verstopft deren Poren und lässt die Hautatmer ersticken. Weltweit hat B. dendrobatidis (kurz: Bd) bereits zahlreiche Amphibienarten ausgerottet – allein in Panama mindestens 40 Prozent aller Froschspezies. Mehr als 700 Arten sind weltweit von der Epidemie betroffen.

Seit 2013 ist nun ein weiterer Pilz der Gattung Batrachochytridium bekannt, der ausschließlich Schwanzlurche, Salamander und Molche, befällt (Martel et al. 2013, PNAS). Dieser Pilz, Batrachochytridium salamandrivorens (kurz: Bsal, übersetzt: „Salamanderfresser“) wird für ein erhebliches Feuersalamandersterben in Zuid-Limburg (Niederlande) in 2008 und in den Ardennen (Belgien) in 2014 verantwortlich gemacht. In den Niederlanden ist die gesamte Population seither rapide zurückgegangen.

Martel und Kollegen beschreiben in ihrem Artikel aus 2014 (Martel et al. 2014, Science) die hohe Infektionsrate und die hohen Verlustraten unter heimischen Feuersalamandern. Der Pilz stammt aus dem tropischen Asien und wurde wahrscheinlich mit exotischen Salamanderarten eingeschleppt. Bsal gedeiht zwischen 10 und 15°C und zeigt damit ein niedrigeres Temperaturoptimum als bei den bisher bekannten Chytridpilz (Bd: 17-25°C) (Blooi et al. 2015, Scientific Reports). Daher ist davon auszugehen, dass Bsal besser mit den europäischen Klimabedingungen zurechtkommt und ein höheres Ausbreitungspotenzial hat als Bd. Bsal befällt die Haut der Salamander und führt zu deutlich sichtbaren Läsionen bis hin zu Löchern. Wie bei Bd führt der Befall zu einem Versagen der Hautatmung und damit zum Erstickungstod der Tiere. Aber auch Sekundärinfektionen aufgrund der geschädigten Haut können zum Tode der Tiere führen.

Insgesamt stellt der neu entdeckte Chytridpilz eine sehr ernst zunehmende Bedrohung für Feuersalamander, Berg- und Teichmolche dar.

Da Deutschland im Zentrum des Verbreitungsgebietes des Feuersalamanders (Salamandra salamandra) liegt und einen nennenswerten Anteil der weltweiten Verbreitung beherbergt, tragen wir in Deutschland eine hohe nationale Verantwortung für die Art.

Die Ausbreitung des „Salamanderfresser-Pilzes“ in Deutschland wird jetzt in einem Verbundprojekt erforscht. Zugleich werden im Projekt auch Maßnahmen zur Eindämmung seiner Ausbreitung erarbeitet. Das Bundesamt für Naturschutz (BfN) fördert das gemeinsame Vorhaben der Universitäten Trier und Braunschweig und der Biologischen Stationen der Städteregion Aachen und des Kreises Düren (https://www.bfn.de/presse/pressearchiv/2018/detailseite.html?tx_ttnews%5Btt_news%5D=6241&cHash=d6a30692334c739fa3bf9c55349b2619).

Auch bei den regelmäßigen Kontrollen der Fledermauswinterquartiere, die häufig in den Überwinterungslebensräumen der Feuersalamander stattfinden, können Sporen des Pilzes verbreitet werden. Zudem kann der direkte Kontakt mit Feuersalamandern zu einer Infektion der Tiere führen.

Daher sind auch die Fledermausschützer gefragt, ihre Hygienestandards zu überdenken und das möglichste zu tun, eine weitere Verbreitung des Pilzes zu verlangsamen. Dazu hat die Universität Trier folgende Handlungsempfehlungen herausgegeben:

  • Bsal entwickelt auch widerstandsfähige Dauerstadien, so dass ein Durchtrocknen vermutlich nicht ausreicht. Eine sichere Maßnahme ist damit nach der gründlichen Reinigung (Bodenreste!) die Behandlung mit einem Pilzmittel wie Virkon S. Sowohl durch Bodenreste (z. B. im Profil von Schuhen) als auch durch Wasser/Feuchtigkeit (etwa an Geräten, Schuhen) kann der Pilz verbreitet werden.
  • vor einem Wechsel zwischen zwei Gewässern (bzw. hier: zwischen zwei möglichen Überwinterungslebensräumen) immer die Stiefel/Wanderschuhe sowie Geräte (z. B. Kescher, Fallen) wechseln oder mit geeignetem Mittel (z. B. Virkon S) nach gründlicher Reinigung mit Wasser desinfizieren
  • Stiefel und Geräte immer nach Gebrauch mit Wasser gründlich reinigen und anschließend gut durchtrocknen lassen

 

Weitere Informationen:

Hygieneprotokoll und Praxistipps zur Verhinderung der Übertragung von Krankheitserregern v.a. Batrachochytrium salamandrivorans (Bsal), Batrachochytrium dendrobatidis (Bd), Ranavirus zwischen Amphibienpopulationen

Ausbreitung der Salamanderpest in Nordrhein-Westfalen (Natur in  NRW, Heft 4/18)

https://www.bfn.de/infothek/daten-fakten/zustand-der-natur/tiere-pflanzen-und-pilze/ii-11-3-verbreitung-feuersalamanders-in-dl.html

http://www.bs-aachen.de/de/artenschutz/salamander-pilz/

http://www.amphibia.be/downloads/PNAS_2013.pdf

https://www.lanuv.nrw.de/landesamt/veroeffentlichungen/pressemitteilungen/

http://www.herpetofauna-nrw.de/downloads/pathogene-bei-amphibien.pdf

 

Dr. Frauke Krüger
für den LFA Fledermausschutz NRW

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