Seminar: Fledermausschutz und künstliches Licht

Lichtverschmutzung nimmt in beispiellosem Tempo zu und zwingt gefährdete nachtaktive Wildtiere in dunklere Lebensräume auszuweichen. Fledermäuse reagieren besonders empfindlich auf künstliches Licht. Die Zersiedelung und der stetig zunehmende Einsatz von LED-Beleuchtung verursachen massive Probleme, wie die Verschlechterung städtischer Quartiere, den Verlust von Nahrungshabitaten und die Zerschneidung wertvoller Lebensräume.

In Europa stehen Fledermäuse durch internationale und nationale Gesetze unter strengem Schutz  und fallen zudem unter das Übereinkommen der Vereinten Nationen über wandernde wildlebende Tierarten, das durch das EUROBATS-Abkommen konkretisiert wurde. Expertinnen und Experten für Fledermausschutz und Lichtverschmutzung haben nun einen wichtigen Meilenstein erreicht, indem sie überarbeitete Richtlinien dazu vorgelegt haben, wie der Fledermausschutz in Projekte zur Außenbeleuchtung integriert werden kann.

Im Rahmen dieser ganztägigen (10:00–16:00 Uhr), kostenlosen digitalen Zoom-Veranstaltung wird die umfassende Überarbeitung der erfolgreichen EUROBATS-Publikation Nr. 8 vorgestellt. Alle Interessierten sind herzlich eingeladen, am 18. November daran teilzunehmen.

Das Programm, weitere Informationen und den Link zur Teilnahme finden Sie hier:
https://www.leibniz-izw-akademie.com/seminare/bat-conservation-and-artificial-light

 

 

 

Wetter bestimmt die Nutzbarkeit von Fledermauskästen bei Bechsteinfledermäusen

Waldfledermäuse sind auf Baumhöhlen als warme und sichere Tagesquartiere angewiesen. Um der begrenzten Verfügbarkeit natürlicher Quartiere in bewirtschafteten Wäldern entgegenzuwirken, werden häufig Fledermauskästen angebracht. Diese Kästen erfüllen jedoch möglicherweise nicht alle Anforderungen und könnten in einem sich erwärmenden Klima zu ökologischen Fallen werden, da sie leichter überhitzen als besser isolierte Baumhöhlen.

In dieser Studie wurde untersucht, wie sich die Wetterbedingungen über einen Zeitraum von 22 Jahren auf die Nutzung von Fledermauskästen durch Bechsteinfledermäuse in deutschen Wäldern auswirken 1. Die Forscher nutzten RFID-Technologie, um 280 markierte weibliche Fledermäuse in zwei Aufzuchtkolonien zu verfolgen, und beobachteten dabei ihre Wahl zwischen künstlichen Fledermauskästen und natürlichen Baumhöhlen als Schlafplätze 2.

Während sich die Kolonien in ihrer Nutzung der Kästen unterschieden, bezog in beiden Fällen ein höherer Anteil der Fledermäuse Kästen, wenn die nächtlichen Höchsttemperaturen zwischen 15 °C und 20 °C lagen, was darauf hindeutet, dass die Fledermäuse bei kälteren und wärmeren Temperaturen lieber Baumhöhlen nutzen. Zudem hielten sich nach regnerischen Nächten weniger Fledermäuse in den Nistkästen auf.

Die Ergebnisse zeigen, dass Fledermäuse ihre Wahl des Quartiers an die Wetterbedingungen anpassen. Dies deutet darauf hin, dass Fledermauskästen gut isolierte Baumhöhlen nicht vollständig ersetzen können, in den untersuchten Wäldern jedoch wahrscheinlich keine ökologischen Fallen darstellen. In einem sich erwärmenden Klima werden Quartiere, die Fledermäuse vor Überhitzung schützen, zunehmend an Bedeutung gewinnen. Während Fledermauskästen insbesondere in Wäldern mit begrenzten natürlichen Quartierstrukturen weiterhin wertvoll für das Monitoring und den Artenschutz sind, sollten Waldbewirtschafter darauf abzielen, die Anzahl der Bäume zu erhöhen, die gut isolierte natürlichen Quartierstrukturen für Fledermäuse bieten.

Auswirkungen der Temperatur:
Fledermäuse bevorzugten Fledermauskästen, wenn die nächtlichen Höchsttemperaturen zwischen 15 und 20 °C lagen, und mieden diese bei kälteren und wärmeren Bedingungen. Dies deutet darauf hin, dass Fledermäuse bei Temperaturextremen besser isolierte Baumhöhlen bevorzugen.

Auswirkungen von Niederschlag:
Nach regnerischen Nächten nutzten weniger Fledermäuse die Kästen, was wahrscheinlich auf gestörte Nahrungssuche oder die Präferenz für stabilere Baumquartiere zurückzuführen ist.

Unterschiede zwischen den Kolonien:
Die kleinere Kolonie nutzte die Fledermauskästen häufiger (73 %) als die größere Kolonie (39%), möglicherweise aufgrund von Platzmangel in den Kästen während der Wochenstubenzeit.

Schlussfolgerungen für den Artenschutz:
Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass Fledermauskästen nicht als ökologische Fallen fungieren, aber natürliche Baumhöhlen jedoch nicht vollständig ersetzen können. In einem sich erwärmenden Klima werden gut isolierte Baumhöhlen zunehmend wichtig, um Fledermäuse vor Überhitzung zu schützen. Waldbewirtschaftende sollten vielfältige Quartiermöglichkeiten erhalten, darunter große, alte Bäume mit natürlichen Höhlen.

Quelle:
Janis M. Wolf, Gerald Kerth, Fernanda Chávez:
Roosting requirements of temperate zone forest bats in a warming world: Weather predicts bat box use in Bechstein’s bats
Forest Ecology and Management, Volume 621, 2026, 124232, ISSN 0378-1127,
https://doi.org/10.1016/j.foreco.2026.124232

 

32. Jahrestagung des LFA Fledermausschutz NRW

Das 32. Jahrestreffen des LFA Fledermausschutz wird am Samstag, den 14.11.2026 in der Zehntscheune der ehemaligen Abtei Heisterbach, Siegburger Str. 10, 53639 Königswinter (Anfahrtsbeschreibung) stattfinden und wie üblich um 10:00 Uhr beginnen.

Auch in diesem Jahr wird die Tagung durch Mittel der Natur- und Umweltschutz-Akademie NRW (NUA) gefördert. Die Tagung findet in Präsenz statt, eine Online-Übertragung ist nicht vorgesehen. Herzlichen Dank an das Team des Bonner Arbeitskreis für Fledermausschutz (BAFF) für die Organisation vor Ort! Selbstverständlich ist die Teilnahme an der Tagung – wie in jedem Jahr – kostenlos.

Diese Tagung ist keineswegs nur für Expertinnen und Experten bestimmt, gerade auch Neulinge im Fledermausschutz werden viele interessante Dinge erfahren und Kontakte knüpfen können. 

Wir möchten Sie bitten, sich rege an der Tagung zu beteiligen und auch das Programm abwechslungsreich mit zu gestalten. Möglichkeiten für Posterpräsentationen sind vor Ort gegeben. Vorträge und auch Posterbeiträge bitte bei Christian Giese Tel. 02872 / 981688 oder per Mail giese@fledermausschutz.de melden. Vor Ort steht ein Beamer mit Laptop zur Verfügung.

Navigation: Programm | Poster | Anmeldung | Corona

Vorläufiger Programmablauf

32. Tagung (2026) LFA Fledermausschutz NRW

ZeitVortrag
10:00 UhrChristian Giese (LFA):
Eröffnung der Tagung und Begrüßung der Teilnehmerinnen und Teilnehmer
10:15 UhrBonner Arbeitskreis für Fledermausschutz (BAFF):
Zwischen Höhlen, Kästen und Klassenzimmer – einfach BAFF
10:45 UhrKlaus Schnippengerd (NABU Kreisverband Steinfurt e.V.):
Auf Schatzsuche mit der AG-Fledermausschutz Kreis Steinfurt - Ein bedeutender Fund im Jahr 2025
11:15 UhrKaffeepause
11:45 UhrLucas Gülcan (NABU NRW):
Projektvorstellung "Lebensraumschutz für Waldfledermäuse"
12:15 UhrDiskussion und Austausch mit Lucas Gülcan über das Projekt "Lebensraumschutz für Waldfledermäuse"
12:45 UhrGruppenfoto und anschließend Mittagspause - Zeit zum Austausch
14:00 UhrEdit Spielmann (BUND Kreis Steinfurt):
Kreativer Quartierschutz im Aggtelek Nationalpark (Ungarn) - Hürden, Highlights, Hufeisennasen
14:45 UhrChristian Giese (NABU Kreis Borken e. V.):
Verkehrssicherung und Artenschutz - Ein Beispiel aus einem Stadtwald im westlichen Münsterland
15:15 UhrHans Steinhäuser:
Windkraft und Fledermäuse – warum veraltete Abschalt-Vorgaben in den Leitfäden nach einer Fachkonvention verlangen
15:45 UhrKaffeepause
16:15 UhrDr. Henrike und Holger Körber (AK Fledermausschutz Aachen, Düren, Euskirchen (NABU/BUND/LNU)): Fund der Großen Hufeisennase in NRW im Kreis Düren
16:45 UhrBernd Meier (AG Biotopkartierung):
Winter(un)Ruhe im Kükelheimer Fledermaustunnel - Mehrjähriges Wintermonitoring zur Öffnung als Radweg
17:15 UhrVerschiedenes und Ende der Tagung

  • Christian Giese (LFA Fledermausschutz NRW): § 45b Abs. 7 BNatSchG, Verbot des Anbringens von Nisthilfen für kollisionsgefährdete WEA-empfindliche Arten - ein Lösung für NRW

  • Christian Giese (LFA) & ? Ankündigung der 33. Tagung des LFA Fledermausschutz NRW


Poster:

  1. Edit Spielmann (BUND Kreis Steinfurt): Beispiel für gelungenen Quartierschutz in Nordungarn alte Bomboly-Mine, Mád
  2. Maike Theile: Ganzjährige Nutzung von Winterquartieren durch Fledermäuse: Die Frühsommerschwärmphase als relevanter Aspekt für den Quartierschutz 
  3. Dr. Carsten Trappmann (LFA): Bemerkenswerte Entwicklung in einem neuen Fledermaus-Winterquartier in Coesfeld
  4. Christian Giese (LFA): Winteraktivität von Zwergfledermäusen – Erfassungsmethoden zum Schutz von Fledermäusen bei Abbruch und Sanierung von Gebäuden im Winter.
  5. Christian Giese (LFA): nrw.Observation.org – Echtzeit-Datenbank zur Vorprüfung des Artenspektrums für Behörden, Gutachter und Ehrenamt.
  6. Christian Giese (LFA): Mopsfledermäuse im Kreis Borken …typisch kann ja jeder!
  7. Christian Giese (LFA): Mopsfledermäuse im Kreis Borken …akustische Nachweise im Winter
  8. Christian Giese (LFA): Mopsfledermäuse im Kreis Borken …Winterfunde in Baumquartieren
  9. Dr. Gabriella Krivek (Universität Greifswald): BatNet – ein auf Deep Learning basierendes Tool zur automatischen Identifizierung von Fledermausarten anhand von Kamerafallenbildern.

Tagungsanmeldung

30.10.20.26: Die Tagung ist ausgebucht, eine Anmeldung ist nun nicht mehr möglich

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Corona

Zurzeit gibt es bezüglich unserer Tagung keine Verordnung zum Schutz vor Neuinfizierungen mit dem Coronavirus. Dennoch setzen wir auf Ihre Eigenverantwortung. Hierzu sollen die allgemeinen Verhaltensregeln zu Abstand, Hygiene und Masken (sogenannte AHA-Regeln) in allen Lebensbereichen angemessen eigenverantwortlich und solidarisch beachtet werden. Link: Aktuelle Coronaschutzverordnung des Landes NRW

TN: 128 | M: 90 | K: 24

 

Neue Art in Europa: Schlitzgesichtfledermaus

Manche zoologischen Nachweise bleiben jahrhundertelang als ungeklärte Spuren bestehen – zu vieldeutig, um sie zu bestätigen, doch zu faszinierend, um sie zu verwerfen. Dies könnte auf die ägyptische Schlitzgesichtfledermaus (Nycteris thebaica) in Sizilien zutreffen, wo Hinweise aus dem 19. Jahrhundert auf Nycteris hispidus keine Angaben zum Fundort, keine Exemplare und keine diagnostischen Beschreibungen enthielten und erst später als mögliche N. thebaica interpretiert wurden.

Pantelleria, eine Vulkaninsel im Kanal von Sizilien und ein biogeografischer Knotenpunkt zwischen Nordafrika und Europa, bietet einen idealen Schauplatz für ein solches, lange übersehenes Vorkommen.

Nach dem Nachweis ungewöhnlicher Echoortungsrufe von Fledermäusen während der passiven Überwachung führten wir eine gezielte akustische Untersuchung durch. Dazu setzten wir passive Aufnahmegeräte ein, die weniger als 0,5 m über dem Boden angebracht und auf maximale Empfindlichkeit eingestellt waren, um die leisen Rufe dieser tief fliegenden, flüsternden Fledermaus einzufangen. Wir nahmen hochwertige Tonaufnahmen auf, die N. thebaica zuzuordnen sind, darunter sehr kurze, mehrharmonische, frequenzmodulierte Echoortungsrufe, soziale Lautäußerungen sowie eine Sequenz, in der zwei Fledermäuse gemeinsam fliegen. Wir liefern den ersten eindeutigen Nachweis für N. thebaica in Europa und weisen auf das Vorkommen einer kleinen, bisher unentdeckten Population auf Pantelleria hin. Die Art ist bei früheren Erhebungen wahrscheinlich aufgrund ihres niedrigen Fluges, ihrer leisen hochfrequenten Echoortung und ihrer geringen Populationsgröße übersehen worden.

Ihr Vorkommen auf Pantelleria lässt sich am besten als eine lange vernachlässigte Randpopulation afrikanischen Ursprungs interpretieren, die nicht nur eine neue Fledermausart für Europa dokumentiert, sondern auch den ersten europäischen Vertreter der Familie der Nycteridae darstellt. Im weiteren Sinne zeigt unsere Studie, dass gezielte akustische Probenahmen langjährige Unsicherheiten hinsichtlich der Verbreitung von Randpopulationen von Fledermäusen mit leisen Rufen beseitigen und übersehene Bestandteile der regionalen Säugetierfauna aufdecken können.

Quelle:
Danilo Russo, Luca Cistrone, Andrea Biddittu, Mirjam Knörnschild
A ghost from the past: acoustic evidence for the long-overlooked occurrence of the African bat Nycteris thebaica in Europe,
Global Ecology and Conservation, 2026, e04377, ISSN 2351-9894,
https://doi.org/10.1016/j.gecco.2026.e04377.
(https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S2351989426003276)

Sommernachweis der Großen Hufeisennase im Kreis Düren

Außergewöhnlicher Nachweis im Rahmen eines akustischen Langzeit-Fledermausmonitorings
Im Kreis Düren ist im Rahmen eines seit mehreren Jahren durchgeführten akustischen Fledermausmonitorings ein bemerkenswerter Nachweis der Großen Hufeisennase (Rhinolophus ferrumequinum) gelungen. Die Art wurde anhand charakteristischer Ultraschallrufe während der Sommermonate in einem Gebäudedachstuhl registriert.
Der Nachweis erfolgte nicht im Rahmen einer gezielten Suche nach der Großen Hufeisennase, sondern als Beifund eines langfristig angelegten Monitorings zum Vorkommen und zur Gebäudenutzung durch das Graue Langohr (Plecotus austriacus). Der Fund unterstreicht damit die Bedeutung kontinuierlicher akustischer Erfassungen für die Dokumentation seltener und unerwartet auftretender Fledermausarten.

Methodischer Hintergrund
An dem untersuchten Gebäude werden seit mehr als sechs Jahren, teilweise ganzjährig und ganztägig, automatische Ultraschalldetektoren (BatPi, http://www.bat-pi.eu/) eingesetzt. Ziel des Monitorings ist es, die zeitliche Nutzung des Dachraumes durch Fledermäuse zu erfassen und insbesondere die Aktivität des Grauen Langohrs zu dokumentieren.
Im Verlauf der Untersuchungen entstand eine umfangreiche Sammlung von Ultraschallaufnahmen, darunter sowohl Rufsequenzen als auch Aufzeichnungen von Störsignalen. Die zeitintensive und systematische Analyse dieses umfangreichen Datenbestandes brachte unerwartet einzelne Sequenzen zutage, die aufgrund ihrer markanten und eindeutigen Rufcharakteristik der Großen Hufeisennase zugeordnet werden konnten.

Besondere faunistische Bedeutung
Die Große Hufeisennase zählt zu den seltensten Fledermausarten Deutschlands. Nachweise der Art sind insbesondere in Nordrhein-Westfalen ausgesprochen selten. Bekannt gewordene Beobachtungen konzentrierten sich in den vergangenen Jahren vor allem auf Winterquartiere, unter anderem in der Eifel und angrenzenden Naturräumen.

Nachweis während der Sommermonate.
Von besonderem Interesse ist der Zeitpunkt des aktuellen Nachweises. Anders als die bislang bekannten Funde handelt es sich um einen Sommernachweis. Das räumlich nächstgelegene bekannte Wochenstubengebiet befindet sich in Luxemburg. Nach einschlägiger Literatur erscheint dieses jedoch aufgrund der dort beschriebenen, in der Regel kleinräumigen Wanderbewegungen der Art vergleichsweise weit entfernt. Ein Sommernachweis kann aus populationsökologischer Sicht von besonderer Bedeutung sein, da er Hinweise auf eine saisonale Nutzung des betreffenden Naturraums geben kann. Zugleich lässt sich aus einzelnen Nachweisen nicht ableiten, dass sich in der Region bereits eine etablierte Sommer- oder Reproduktionspopulation gebildet hat. Hierfür sind weitere Untersuchungen erforderlich.

Wiederholte Registrierung über zwei Jahre
Besonders bemerkenswert ist, dass die Große Hufeisennase nicht nur einmalig registriert wurde. Nach den vorliegenden Aufzeichnungen konnten Rufsequenzen über mindestens zwei Sommerperioden und an mehreren Untersuchungstagen zwischen Mai und August erfasst werden.
Damit gewinnt der Befund gegenüber einem isolierten Einzelnachweis deutlich an Aussagekraft. Gleichzeitig stellt sich die Frage, welche Funktion das untersuchte Gebäude beziehungsweise der Dachraum für die Art besitzt.
Denkbar sind verschiedene Formen der Nutzung, beispielsweise eine sporadische Nutzung als Quartier, eine Nutzung im Zusammenhang mit der Nahrungssuche oder auch eine durchgehende Nutzung weiterer Bereiche des Gebäudekomplexes während des gesamten Sommers.
Welche dieser Funktionen tatsächlich vorliegt, lässt sich anhand der bisherigen akustischen Daten nicht beurteilen. Der aktuelle Kenntnisstand wirft daher mehr Fragen auf, als die bisherigen Untersuchungen beantworten können.

Bedeutung der akustischen Erfassung
Die Große Hufeisennase weist eine besondere Rufcharakteristik auf. Ihre überwiegend hochfrequenten Rufe besitzen im Vergleich zu den Signalen vieler anderer europäischer Fledermausarten eine relativ geringe Reichweite. Dadurch ist die Wahrscheinlichkeit eines akustischen Nachweises bei Detektoruntersuchungen begrenzt.
Dies gilt insbesondere für Untersuchungen, bei denen nur kurze Zeiträume – etwa einzelne Nächte oder wenige Tage – in der freien Landschaft erfasst werden.
Durch die kontinuierliche oder wiederholte Datenerhebung steigt insgesamt die Wahrscheinlichkeit, seltene Arten auch dann zu erfassen, wenn deren Aktivität nur sporadisch oder räumlich eng begrenzt auftritt.
Einschränkend gilt, dass auch in großen Innenräumen aufgrund der begrenzten Reichweite der Rufe methodisch akustische Erfassungsgrenzen gegeben sind. Die Reichweite der Rufe der Großen Hufeisennase wird in der Literatur mit etwa 10 m angegeben, sodass sich die akustische Erfassung in einem großen Dachraum auf einen vergleichsweise kleinen Bereich um den Detektor beschränkt.

Meldung an die zuständigen Naturschutzbehörden
Der Fund wurde an die zuständige Untere Naturschutzbehörde des Kreises Düren sowie an das Landesamt für Natur, Umwelt und Klima Nordrhein-Westfalen (LANUK) zur Berücksichtigung im landesweiten Fundortkataster gemeldet.
Eine zeitnahe Dokumentation solcher Nachweise ist insbesondere bei seltenen und streng geschützten Arten von großer Bedeutung. Sie ermöglicht es den zuständigen Fachbehörden, neue Erkenntnisse zur Verbreitung und zur saisonalen Nutzung von Lebensräumen in die naturschutzfachliche Bewertung einzubeziehen.

Konsequenzen für den Gebäudeschutz
Der Nachweis unterstreicht zugleich die Bedeutung geeigneter Gebäudequartiere für den Fledermausschutz. Insbesondere wenig gestörte Dachräume können für Fledermäuse wichtige Funktionen übernehmen.
Bei Gebäuden mit nachgewiesener Fledermausaktivität sollte deshalb vor baulichen Veränderungen, Sanierungsmaßnahmen oder Nutzungsänderungen geprüft werden, welche Bedeutung die jeweiligen Gebäudebereiche für die vorkommenden Arten besitzen. Dies gilt in besonderem Maße für seltene Arten. Die Erhaltung geeigneter Einflugmöglichkeiten, störungsarmer Bereiche und potenzieller Quartierstrukturen kann dabei einen wesentlichen Beitrag zum Schutz der lokalen Fledermausfauna leisten.

Weiterführende Untersuchungen
Aufgrund der wiederholten Nachweise soll das Monitoring am Untersuchungsstandort fortgesetzt und methodisch erweitert werden. Zusätzliche automatische Detektoren sowie eine räumlich differenzierte Erfassung sollen dazu beitragen, die offenen Fragen zum Vorkommen der Großen Hufeisennase einzugrenzen.

Von besonderem Interesse sind folgende Fragen:

  • Wird der untersuchte Dachraum durchgehend oder zeitweise als Quartier genutzt? Wo liegt der Hauptnutzungsbereich im Dachraum?
  • Welche weiteren Bereiche des Gebäudekomplexes werden möglicherweise von der Art genutzt?
  • Handelt es sich um ein einzelnes Individuum oder um mehrere Tiere?
  • Welche Bedeutung haben umliegende Nahrungshabitate?
  • Gibt es weitere Vorkommen der Art im Kreis Düren beziehungsweise in den angrenzenden Naturräumen?

Erst durch eine Kombination aus weiterem akustischem Langzeit-Monitoring, gezielten Gebäudekontrollen und gegebenenfalls weiteren Untersuchungsmethoden wird sich die ökologische Bedeutung des Fundortes belastbar beurteilen lassen

Ausblick
Der Nachweis der Großen Hufeisennase im Kreis Düren stellt einen fachlich besonders interessanten Beitrag zur Kenntnis der aktuellen Verbreitung der Art in Nordrhein-Westfalen dar. Vor allem die wiederholte akustische Registrierung während zweier Sommerperioden rechtfertigt eine weiterführende Untersuchung.
Der Fund zeigt zugleich, dass langfristige und systematische Fledermauserfassungen auch über die ursprünglich definierte Zielsetzung hinaus einen erheblichen Erkenntnisgewinn liefern können. Gerade bei seltenen Arten sind kontinuierliche Monitoringansätze von besonderem Wert, da sporadische Einzeluntersuchungen das tatsächliche Vorkommen aufgrund artspezifischer Verhaltensweisen und begrenzter Nachweiswahrscheinlichkeiten möglicherweise unterschätzen.
Die weitere Untersuchung des Fundortes soll daher dazu beitragen, die Bedeutung des Gebäudes und seines Umfeldes für die Große Hufeisennase genauer einzuordnen und mögliche Schutzmaßnahmen auf eine belastbare fachliche Datengrundlage zu stellen.

AK Fledermausschutz Aachen, Düren, Euskirchen (NABU / BUND / LNU)
Leitung: Dr. Henrike und Holger Körber
Am Hofacker 12
52379 Langerwehe
E-Mail: holger.koerber@online.de

Fledermäuse: Elektromagnetisches Rauschen beeinträchtigt Orientierung

Wie sich vom Menschen verursachte elektromagnetische Störungen auf Lebewesen auswirken können, ist ein bislang kaum erforschter Aspekt einer zunehmend urbanisierten natürlichen Umwelt, insbesondere wenn diese Störungen in nicht tödlicher Form auftreten. In dieser Studie untersuchte das Autoren-Team um Dr. Oliver Lindecke die Auswirkungen schwacher breitbandiger Hochfrequenzfelder (HF-Felder) auf das Verhalten von Tieren.

Das Team setzte wandernde Mückenfledermäuse (Pipistrellus pygmaeus) HF-Feldern im Bereich von 0,01 bis 300 Megahertz aus und testete anschließend ihre Orientierungsfähigkeit im Laufe der Nacht. Während sich die Fledermäuse der Kontrollgruppe normal orientierten, zeigten die Fledermäuse, die HF-Störsignalen ausgesetzt waren, eine zufällige Flugrichtung beim Abflug, was auf Störeffekte hindeutet, die über die unmittelbare Einwirkung hinaus andauern.

Diese Ergebnisse legen nahe, dass elektromagnetische Verschmutzung das Potenzial hat, das Verhalten von Tieren stärker zu beeinflussen als bisher angenommen.

Die vom Menschen verursachte elektromagnetische Strahlung kann demnach Stressfaktor für Wildtiere wirken, wobei die Auswirkungen sogar über die unmittelbare Belastung hinausgehen. Das Autorenteam belegt einen reproduzierbaren Nachwirkungseffekt menschengemachter elektromagnetischer Störungen auf die Orientierungsfähigkeit von Fledermäusen.

Unabhängig vom konkreten Grund für den beobachteten Nachwirkungseffekt sind die potenziellen ökologischen Folgen der hier aufgezeigten Störung besorgniserregend, da sich die aktuellen Belastungsgrenzwerte ausschließlich auf Menschen beziehen, wodurch Wildtiere selbst innerhalb der Grenzwerte gefährdet bleiben.

Der weithin erwartete Anstieg der elektromagnetischen Belastung als Folge von Urbanisierungstrends und der weltweiten Verbreitung drahtloser Technologien könnte die Auswirkungen des vom Menschen verursachten Klimawandels und der Landnutzungsänderung weiter verstärken, indem er die Wanderbewegungen von Wildtieren stört.

Quelle:

Oliver Lindecke, William T. Schneider, Viesturs Vintulis, Nicole Jordan, Fyodor Cellarius, Lara C. Marggraf, Jaclyn Niehues, Valts Jaunzemis, Oskars Keišs, Richard A. Holland
Disruptive effects of brief radiofrequency noise exposure on migratory bat navigation. Science392,977-979(2026).DOI:10.1126/science.adq4418

Weitere Publikation:

Stille Störung: Vom Menschen verursachte elektromagnetische Störungen haben langfristige Auswirkungen auf die Flugorientierung von Fledermäusen
Alfonso Balmori, Alfonso Balmori-de la Puente, Silent  nterference, Science, 392, 6801, (922-923), (2026).
https://www.science.org/doi/10.1126/science.aei2381

 

Abendsegler: Paarung nach dem Winterschlaf?

Fortpflanzungszeitpunkt bei Fledermäusen: Hinweise auf eine Paarung im Frühjahr nach dem Winterschlaf

Fledermäuse der gemäßigten Zonen paaren sich in der Regel im Herbst, doch vereinzelte Hinweise deuten darauf hin, dass einige Arten sich möglicherweise auch im Frühjahr paaren. Am Beispiel der Abendsegler (Nyctalus noctula) untersuchte das Autorenteam den Fortpflanzungsstatus nach dem Winterschlaf, um das Vorkommen von Paarungen im Frühjahr zu beurteilen.

Das Team untersuchte Merkmale bei Männchen (Bukkal-Drüsen, Hoden, Nebenhoden) und Weibchen (Bukkal-Drüsen, Fortpflanzungsstatus) und entwickelte eine minimalinvasive Methode zur Vaginallavage, die für die Fortpflanzungsbeurteilung bei weiblichen Fledermäusen im Feld geeignet ist.

Sie stellten fest, dass die Nebenhoden der Männchen nach dem Winterschlaf häufig geschwollen waren, was auf zurückgehaltene Spermien hindeutet, obwohl die Spermatogenese im Herbst und während des Winterschlafs unterbrochen war. Die vaginale Zytologie ergab keine Hinweise auf eine unmittelbare Befruchtung nach dem Erwachen, doch 15 % der Abstriche deuteten auf eine kürzlich erfolgte Paarung hin. Die Größe der Bukkal-Drüsen stand in positivem Zusammenhang mit der Jahreszeit und der Größe der Nebenhoden, was sowohl mit einer sexuellen, als auch einer umfassenderen sozialen Funktion im Einklang steht.

Zusammengenommen deuten diese Ergebnisse darauf hin, dass die aktive Paarung bei N. noctula bis in den Frühling hinein andauern kann, was möglicherweise Möglichkeiten zur Fortpflanzung vor der Wanderung bietet. Darüber hinaus liefert das Team den ersten histologischen Nachweis für die Spermienphagozytose durch Neutrophile bei Fledermäusen, was die Hypothese der leukozytären Beseitigung nicht lebensfähiger Spermien stützt, wie sie bei anderen Säugetieren dokumentiert ist.

Quelle:
Mathgen, X., Busse, P., Fasel, N. et al. Reproductive timing in bats: evidence of spring mating following hibernation. Mamm Biol (2026). https://doi.org/10.1007/s42991-026-00581-8

Teichfledermäuse: Ruhen oder fliegen – Funktionale Lebensraumnutzung

Als wichtige Akteure in vielen Landökosystemen haben insektenfressende Fledermäuse in Europa hohe Priorität im Naturschutz und stehen unter internationalem Schutz. Die fortschreitende Ausdehnung menschlicher Siedlungen und Landnutzungsänderungen haben ihre Lebensräume jedoch tiefgreifend verändert, und das Verständnis ihrer Lebensraumnutzung ist für eine effektive Naturschutzplanung unerlässlich. Dennoch werden Verhaltenszustände, insbesondere die nächtliche Ruhephase, bei der Quantifizierung der Lebensraumnutzung selten berücksichtigt.

Diese Studie präsentiert die erste auf GPS-Tracking basierende quantitative Bewertung der Lebensraumnutzung der Teichfledermaus (Myotis dasycneme), einer gefährdeten Spezialistin für die Nahrungssuche über der Wasseroberfläche, unter Berücksichtigung unterschiedlicher Aktivitäts- und Ruheverhalten außerhalb des Quartiers.

Durch die Kombination von hochauflösendem GPS-Tracking mit dreiachsiger Beschleunigungsmessung unterschied das Autorenteam Aktivität (Futtersuche und Fortbewegung) von Ruhezuständen und untersuchten mithilfe verallgemeinerter linearer gemischter Modelle ihre funktionale Lebensraumnutzung in Bezug auf relevante Landbedeckungstypen und Landschaftsmetriken.

Sie stellten fest, dass Teichfledermäuse einen erheblichen Teil der Nacht zwischen den aktiven Phasen mit Ruhen verbrachten, wobei mehr als die Hälfte der Ruhephasen außerhalb von Gebäuden stattfand. Sie nutzten vielfältige, einfach strukturierte Süßgewässer und Uferbereiche zur Unterstützung ihrer aktiven Verhaltensweisen und mieden konsequent Anbauflächen, während sie sich auf Mosaike aus offener und geschlossener Vegetation, vor allem Waldränder und vereinzelte Bäume in der Nähe von Nahrungsgewässern, konzentrierten, um das nächtliche Ruhen außerhalb von Gebäuden zu ermöglichen.

Der Schutz von Teichfledermäusen erfordert die Erhaltung von Nahrungshabitaten (z. B. vielfältige Gewässer mit Ufervegetation) und Transitwegen (z. B. regelmäßig gestaltete Uferböschungen) sowie die Erhaltung oder Bereitstellung landschaftsspezifischer Nachtquartiere in der Nähe von Nahrungsgebieten.

Die Einbeziehung verhaltensspezifischer Habitatnutzung, insbesondere von Nachtquartieren, ist entscheidend für einen wirksamen Fledermausschutz und ein gezieltes Landschaftsmanagement.

 

Quelle:
Gijs van der Velden, Bart Kranstauber, Anne-Jifke Haarsma, René Janssen, Mees van Horssen, Wouter Halfwerk, Anton van Meurs, Cynthia Bom, Maarten Schrama, Yali Si,
To rest or to roam: Functional habitat use of an insectivorous bat species during active and resting behavior,
Biological Conservation, Volume 318, 2026, 111823, ISSN 0006-3207,
https://doi.org/10.1016/j.biocon.2026.111823.

 

Das Ende des Artenschutzes beim Ausbau der Windenergie in NRW?

Naturschutzverbände kritisieren neues „Artenschutzfachbeitrags-Tool“ der Landesregierung

Die Landesregierung Nordrhein-Westfalen hat kürzlich ein digitales Instrument zur Prüfung der Artenschutzbelange im Rahmen von Planungs- und Genehmigungsverfahren für Windenergieanlagen innerhalb der sogenannten „Beschleunigungsgebiete“ veröffentlicht und verbindlich für die behördliche Anwendung vorgeschrieben. Die nordrhein-westfälischen Naturschutzverbände BUND, NABU und LNU kritisieren das „Artenschutzfachbeitrags-Tool“ (AFB-Tool) scharf:

Fachliche Mängel bei den Ergebnissen aufgrund lückenhafter und veralteter Datenbestände und fehlender räumlicher Zuordnung führten zu rechtlichen Unsicherheiten und zum Abbau des ohnehin schon drastisch verschlechterten Artenschutzstandards bei der Planung und Genehmigung von Windenergieanlagen. Besonders gravierend – den unteren Naturschutzbehörden werde jeglicher Handlungsspielraum zur artenschutzkonformen Beurteilung und Genehmigung eines Antrags genommen.

Auf Grundlage der behördlichen Datengrundlage soll – so die Logik des Instruments – der erforderliche Artenschutzfachbeitrag inklusive der notwendigen Minderungsmaßnahmen für potenziell von der Windenergie beinträchtige Arten komplett automatisiert „per Mausklick“ generiert werden. Ob die Arten an Ort und Stelle überhaupt vorkommen, spielt keine Rolle mehr. „Digitalisierung und standardisierte Verfahren sind zwar wichtige Bausteine für den benötigten beschleunigten Ausbau der Windenergie. Doch ohne robuste Datengrundlage und ohne die Möglichkeit für Behörden, wirksame Minderungsmaßnahmen nach eigenem Ermessen auf Grundlage aktueller fachwissenschaftlicher Erkenntnislage anzuordnen kommt dieses Instrument faktisch der Abschaffung des Artenschutzes und der Herabstufung zentraler behördlicher Kompetenzen in den Beschleunigungsgebieten gleich“, so Dr. Heide Naderer, Vorsitzende des NABU Nordrhein-Westfalen.

Bereits während der Planung von Windenergiegebieten in den mittlerweile größtenteils abgeschlossenen Regionalplanverfahren hatten die Naturschutzverbände auf Defizite bei der Auswahl der Gebiete hingewiesen. „Diese Entwicklung setzt die Landesregierung nun durch die Einführung des automatisierten AFB-Tools fort und räumt per Erlass jegliche Abweichungen zugunsten des Artenschutzes im Einzelfall aus. Das ist skandalös und steht auch rechtlich auf wackeligen Beinen“, sagt der Vorsitzende des BUND in NRW, Holger Sticht. Das Abwägen zwischen den Interessen, die erneuerbaren Energien auszubauen und dem Biodiversitätsverlust Einhalt zu gebieten, gerate so immer mehr in Schieflage.

So kritisieren die Naturschutzverbände unter anderem die Qualität der Minderungsmaßnahmen. Sie würden nicht sicherstellen, dass durch die Anlagen keine erheblichen Nachteile für betroffene Arten entstehen. Einerseits gibt es völlig unzureichende Mindestabstände zwischen Mast und Horstbaum sowie Bauzeitenbeschränkungen bei Bautätigkeiten. Andererseits ist davon auszugehen, dass im Regelfall bei Auswahlmöglichkeiten die wirklich wirksamen, aber aufwändigeren Maßnahmen selten gewählt werden. Groß ist zudem die Befürchtung von BUND, LNU und NABU, dass dieses Tool zukünftig auch auf andere Planverfahren Anwendung finden wird.
Und Mark vom Hofe, Vorsitzender der LNU ergänzt: „Seit Jahren weisen die Naturschutzverbände auf die landesweit schlechte Datengrundlage hin. Wir brauchen eine Datenaufbereitungs-Offensive des Landes, bei der systematisch sämtliche an unterschiedlichen Stellen vorhandene Daten abgefragt und zusammengeführt werden. Denn klar ist: Das Land steht in der Pflicht, eine fundierte Datengrundlage zum Vorkommen windenergiesensibler Arten sicherzustellen.“ Die Aktualität der Datengrundlage sei nicht Aufgabe des ehrenamtlichen Naturschutzes.

 

Quelle: https://nrw.nabu.de/news/2026/37067.html

Für Rückfragen:
Dr. Heide Naderer, Vorsitzende des NABU Nordrhein-Westfalen, T.: 0211 15 9251-41, Heide.Naderer@NABU-NRW.de
Holger Sticht, Vorsitzender des BUND NRW, T.: 0152 34289594, holger.sticht@bund.nrw
Mark vom Hofe, Vorsitzender der LNU NRW, T.: 0170/1509152, lnu.nrw@t-online.de

Herausgeber: NABU NRW (Naturschutzbund Deutschland e.V.) 40225 Düsseldorf
Redaktion: NABU-Pressestelle NRW, Birgit Königs (verantwortlich)
Tel. 0211.15 92 51 – 14 | Fax -15 | E-Mail: E-Mail: B.Koenigs@NABU-NRW.de

 

Weitere Informationen: Mitteilung des Ministerium für Umwelt, Naturschutz und Verkehrdes Landes Nordrhein-Westfalen:
Artenschutz-Prüfung per Knopfdruck: Wie das Land die Genehmigung von Windenergie-Anlagen beschleunigt

Offshore-Windparks: Zug von Fledermäusen über Nord- und Ostsee

Studie zur Abschätzung der Zahlen wandernder Fledermäuse über Nord- und Ostsee zur Entwicklung wirksamer Schutzmaßnahmen an Offshore-Windparks.

Fledermäuse, die über das offene Meer wandern, sind einem hohen Risiko ausgesetzt, mit Offshore-Windkraftanlagen zu kollidieren. Trotz jüngster Fortschritte bei der Durchführung von Umweltverträglichkeitsprüfungen für Fledermäuse im Offshore-Bereich fehlen nach wie vor standardisierte Methoden zur Abschätzung des Ausmaßes der Fledermauswanderung auf See. Das Autorenteam stellt hier eine Methode zur Schätzung der Anzahl wandernder Fledermäuse vor, die auf Langzeit-Akustiküberwachungsdaten basiert, die an abgelegenen Offshore-Anlagen wie Bojen und Plattformen erfasst wurden.

Als Beispiel wendendeten Sie die Methode auf die deutschen Meere an und nutzen dabei Ultraschallaufnahmen von mehreren Offshore-Anlagen. Sie zeigen, dass hohe Fledermaus-Wanderungsraten von 1.500 Fledermäusen pro km und Jahr – bezogen auf eine 1 km lange Linie parallel zur allgemeinen Wanderungsrichtung – näher an der Küste der deutschen Nordsee auftreten. In der deutschen Ostsee lagen die Fledermaus-Wanderungsraten zwischen 900 und 4.600 Fledermäusen pro km und Jahr.

Diese Ergebnisse unterstreichen die dringende Notwendigkeit, wandernde Fledermäuse vor Kollisionen mit rotierenden Rotorblättern von Offshore-Windkraftanlagen in deutschen Gewässern und darüber hinaus zu schützen.

Die Methode eignet sich möglicherweise auch zur Abschätzung des Ausmaßes der Offshore-Fledermauswanderung in anderen Regionen. Sie bietet die Möglichkeit, Schwellenwerte zu definieren, bei deren Erreichen Schutzmaßnahmen durch Raumplanung und Abhilfemaßnahmen wie Betriebsbeschränkungen während Zeiten intensiver Offshore-Fledermauswanderung ergriffen werden sollten.

Quelle:
Antje Seebens-Hoyer, Lothar Bach, Henrik Pommeranz, Christian C. Voigt, Volker Runkel, Pius Korner, Petra Bach, Michael Göttsche, Reinhold Hill, Annette Pommeranz, Sandra Vardeh, Tobias Böhme, Matthias Göttsche, Hinrich Matthes,
Estimating the traffic rates of bats migrating across the North and Baltic Seas to develop efficient mitigation measures at offshore wind energy facilities,
Biological Conservation, Volume 316, 2026, 111741, ISSN 0006-3207,
https://doi.org/10.1016/j.biocon.2026.111741.

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