Fledermäuse: Elektromagnetisches Rauschen beeinträchtigt Orientierung

Wie sich vom Menschen verursachte elektromagnetische Störungen auf Lebewesen auswirken können, ist ein bislang kaum erforschter Aspekt einer zunehmend urbanisierten natürlichen Umwelt, insbesondere wenn diese Störungen in nicht tödlicher Form auftreten. In dieser Studie untersuchte das Autoren-Team um Dr. Oliver Lindecke die Auswirkungen schwacher breitbandiger Hochfrequenzfelder (HF-Felder) auf das Verhalten von Tieren.

Das Team setzte wandernde Mückenfledermäuse (Pipistrellus pygmaeus) HF-Feldern im Bereich von 0,01 bis 300 Megahertz aus und testete anschließend ihre Orientierungsfähigkeit im Laufe der Nacht. Während sich die Fledermäuse der Kontrollgruppe normal orientierten, zeigten die Fledermäuse, die HF-Störsignalen ausgesetzt waren, eine zufällige Flugrichtung beim Abflug, was auf Störeffekte hindeutet, die über die unmittelbare Einwirkung hinaus andauern.

Diese Ergebnisse legen nahe, dass elektromagnetische Verschmutzung das Potenzial hat, das Verhalten von Tieren stärker zu beeinflussen als bisher angenommen.

Die vom Menschen verursachte elektromagnetische Strahlung kann demnach Stressfaktor für Wildtiere wirken, wobei die Auswirkungen sogar über die unmittelbare Belastung hinausgehen. Das Autorenteam belegt einen reproduzierbaren Nachwirkungseffekt menschengemachter elektromagnetischer Störungen auf die Orientierungsfähigkeit von Fledermäusen.

Unabhängig vom konkreten Grund für den beobachteten Nachwirkungseffekt sind die potenziellen ökologischen Folgen der hier aufgezeigten Störung besorgniserregend, da sich die aktuellen Belastungsgrenzwerte ausschließlich auf Menschen beziehen, wodurch Wildtiere selbst innerhalb der Grenzwerte gefährdet bleiben.

Der weithin erwartete Anstieg der elektromagnetischen Belastung als Folge von Urbanisierungstrends und der weltweiten Verbreitung drahtloser Technologien könnte die Auswirkungen des vom Menschen verursachten Klimawandels und der Landnutzungsänderung weiter verstärken, indem er die Wanderbewegungen von Wildtieren stört.

Quelle:

Oliver Lindecke, William T. Schneider, Viesturs Vintulis, Nicole Jordan, Fyodor Cellarius, Lara C. Marggraf, Jaclyn Niehues, Valts Jaunzemis, Oskars Keišs, Richard A. Holland
Disruptive effects of brief radiofrequency noise exposure on migratory bat navigation. Science392,977-979(2026).DOI:10.1126/science.adq4418

Weitere Publikation:

Stille Störung: Vom Menschen verursachte elektromagnetische Störungen haben langfristige Auswirkungen auf die Flugorientierung von Fledermäusen
Alfonso Balmori, Alfonso Balmori-de la Puente, Silent  nterference, Science, 3926801, (922-923), (2026).
https://www.science.org/doi/10.1126/science.aei2381

 

Abendsegler: Paarung nach dem Winterschlaf?

Fortpflanzungszeitpunkt bei Fledermäusen: Hinweise auf eine Paarung im Frühjahr nach dem Winterschlaf

Fledermäuse der gemäßigten Zonen paaren sich in der Regel im Herbst, doch vereinzelte Hinweise deuten darauf hin, dass einige Arten sich möglicherweise auch im Frühjahr paaren. Am Beispiel der Abendsegler (Nyctalus noctula) untersuchte das Autorenteam den Fortpflanzungsstatus nach dem Winterschlaf, um das Vorkommen von Paarungen im Frühjahr zu beurteilen.

Das Team untersuchte Merkmale bei Männchen (Bukkal-Drüsen, Hoden, Nebenhoden) und Weibchen (Bukkal-Drüsen, Fortpflanzungsstatus) und entwickelte eine minimalinvasive Methode zur Vaginallavage, die für die Fortpflanzungsbeurteilung bei weiblichen Fledermäusen im Feld geeignet ist.

Sie stellten fest, dass die Nebenhoden der Männchen nach dem Winterschlaf häufig geschwollen waren, was auf zurückgehaltene Spermien hindeutet, obwohl die Spermatogenese im Herbst und während des Winterschlafs unterbrochen war. Die vaginale Zytologie ergab keine Hinweise auf eine unmittelbare Befruchtung nach dem Erwachen, doch 15 % der Abstriche deuteten auf eine kürzlich erfolgte Paarung hin. Die Größe der Bukkal-Drüsen stand in positivem Zusammenhang mit der Jahreszeit und der Größe der Nebenhoden, was sowohl mit einer sexuellen, als auch einer umfassenderen sozialen Funktion im Einklang steht.

Zusammengenommen deuten diese Ergebnisse darauf hin, dass die aktive Paarung bei N. noctula bis in den Frühling hinein andauern kann, was möglicherweise Möglichkeiten zur Fortpflanzung vor der Wanderung bietet. Darüber hinaus liefert das Team den ersten histologischen Nachweis für die Spermienphagozytose durch Neutrophile bei Fledermäusen, was die Hypothese der leukozytären Beseitigung nicht lebensfähiger Spermien stützt, wie sie bei anderen Säugetieren dokumentiert ist.

Quelle:
Mathgen, X., Busse, P., Fasel, N. et al. Reproductive timing in bats: evidence of spring mating following hibernationMamm Biol (2026). https://doi.org/10.1007/s42991-026-00581-8

Teichfledermäuse: Ruhen oder fliegen – Funktionale Lebensraumnutzung

Als wichtige Akteure in vielen Landökosystemen haben insektenfressende Fledermäuse in Europa hohe Priorität im Naturschutz und stehen unter internationalem Schutz. Die fortschreitende Ausdehnung menschlicher Siedlungen und Landnutzungsänderungen haben ihre Lebensräume jedoch tiefgreifend verändert, und das Verständnis ihrer Lebensraumnutzung ist für eine effektive Naturschutzplanung unerlässlich. Dennoch werden Verhaltenszustände, insbesondere die nächtliche Ruhephase, bei der Quantifizierung der Lebensraumnutzung selten berücksichtigt.

Diese Studie präsentiert die erste auf GPS-Tracking basierende quantitative Bewertung der Lebensraumnutzung der Teichfledermaus (Myotis dasycneme), einer gefährdeten Spezialistin für die Nahrungssuche über der Wasseroberfläche, unter Berücksichtigung unterschiedlicher Aktivitäts- und Ruheverhalten außerhalb des Quartiers.

Durch die Kombination von hochauflösendem GPS-Tracking mit dreiachsiger Beschleunigungsmessung unterschied das Autorenteam Aktivität (Futtersuche und Fortbewegung) von Ruhezuständen und untersuchten mithilfe verallgemeinerter linearer gemischter Modelle ihre funktionale Lebensraumnutzung in Bezug auf relevante Landbedeckungstypen und Landschaftsmetriken.

Sie stellten fest, dass Teichfledermäuse einen erheblichen Teil der Nacht zwischen den aktiven Phasen mit Ruhen verbrachten, wobei mehr als die Hälfte der Ruhephasen außerhalb von Gebäuden stattfand. Sie nutzten vielfältige, einfach strukturierte Süßgewässer und Uferbereiche zur Unterstützung ihrer aktiven Verhaltensweisen und mieden konsequent Anbauflächen, während sie sich auf Mosaike aus offener und geschlossener Vegetation, vor allem Waldränder und vereinzelte Bäume in der Nähe von Nahrungsgewässern, konzentrierten, um das nächtliche Ruhen außerhalb von Gebäuden zu ermöglichen.

Der Schutz von Teichfledermäusen erfordert die Erhaltung von Nahrungshabitaten (z. B. vielfältige Gewässer mit Ufervegetation) und Transitwegen (z. B. regelmäßig gestaltete Uferböschungen) sowie die Erhaltung oder Bereitstellung landschaftsspezifischer Nachtquartiere in der Nähe von Nahrungsgebieten.

Die Einbeziehung verhaltensspezifischer Habitatnutzung, insbesondere von Nachtquartieren, ist entscheidend für einen wirksamen Fledermausschutz und ein gezieltes Landschaftsmanagement.

 

Quelle:
Gijs van der Velden, Bart Kranstauber, Anne-Jifke Haarsma, René Janssen, Mees van Horssen, Wouter Halfwerk, Anton van Meurs, Cynthia Bom, Maarten Schrama, Yali Si,
To rest or to roam: Functional habitat use of an insectivorous bat species during active and resting behavior,
Biological Conservation, Volume 318, 2026, 111823, ISSN 0006-3207,
https://doi.org/10.1016/j.biocon.2026.111823.

 

Das Ende des Artenschutzes beim Ausbau der Windenergie in NRW?

Naturschutzverbände kritisieren neues „Artenschutzfachbeitrags-Tool“ der Landesregierung

Die Landesregierung Nordrhein-Westfalen hat kürzlich ein digitales Instrument zur Prüfung der Artenschutzbelange im Rahmen von Planungs- und Genehmigungsverfahren für Windenergieanlagen innerhalb der sogenannten „Beschleunigungsgebiete“ veröffentlicht und verbindlich für die behördliche Anwendung vorgeschrieben. Die nordrhein-westfälischen Naturschutzverbände BUND, NABU und LNU kritisieren das „Artenschutzfachbeitrags-Tool“ (AFB-Tool) scharf:

Fachliche Mängel bei den Ergebnissen aufgrund lückenhafter und veralteter Datenbestände und fehlender räumlicher Zuordnung führten zu rechtlichen Unsicherheiten und zum Abbau des ohnehin schon drastisch verschlechterten Artenschutzstandards bei der Planung und Genehmigung von Windenergieanlagen. Besonders gravierend – den unteren Naturschutzbehörden werde jeglicher Handlungsspielraum zur artenschutzkonformen Beurteilung und Genehmigung eines Antrags genommen.

Auf Grundlage der behördlichen Datengrundlage soll – so die Logik des Instruments – der erforderliche Artenschutzfachbeitrag inklusive der notwendigen Minderungsmaßnahmen für potenziell von der Windenergie beinträchtige Arten komplett automatisiert „per Mausklick“ generiert werden. Ob die Arten an Ort und Stelle überhaupt vorkommen, spielt keine Rolle mehr. „Digitalisierung und standardisierte Verfahren sind zwar wichtige Bausteine für den benötigten beschleunigten Ausbau der Windenergie. Doch ohne robuste Datengrundlage und ohne die Möglichkeit für Behörden, wirksame Minderungsmaßnahmen nach eigenem Ermessen auf Grundlage aktueller fachwissenschaftlicher Erkenntnislage anzuordnen kommt dieses Instrument faktisch der Abschaffung des Artenschutzes und der Herabstufung zentraler behördlicher Kompetenzen in den Beschleunigungsgebieten gleich“, so Dr. Heide Naderer, Vorsitzende des NABU Nordrhein-Westfalen.

Bereits während der Planung von Windenergiegebieten in den mittlerweile größtenteils abgeschlossenen Regionalplanverfahren hatten die Naturschutzverbände auf Defizite bei der Auswahl der Gebiete hingewiesen. „Diese Entwicklung setzt die Landesregierung nun durch die Einführung des automatisierten AFB-Tools fort und räumt per Erlass jegliche Abweichungen zugunsten des Artenschutzes im Einzelfall aus. Das ist skandalös und steht auch rechtlich auf wackeligen Beinen“, sagt der Vorsitzende des BUND in NRW, Holger Sticht. Das Abwägen zwischen den Interessen, die erneuerbaren Energien auszubauen und dem Biodiversitätsverlust Einhalt zu gebieten, gerate so immer mehr in Schieflage.

So kritisieren die Naturschutzverbände unter anderem die Qualität der Minderungsmaßnahmen. Sie würden nicht sicherstellen, dass durch die Anlagen keine erheblichen Nachteile für betroffene Arten entstehen. Einerseits gibt es völlig unzureichende Mindestabstände zwischen Mast und Horstbaum sowie Bauzeitenbeschränkungen bei Bautätigkeiten. Andererseits ist davon auszugehen, dass im Regelfall bei Auswahlmöglichkeiten die wirklich wirksamen, aber aufwändigeren Maßnahmen selten gewählt werden. Groß ist zudem die Befürchtung von BUND, LNU und NABU, dass dieses Tool zukünftig auch auf andere Planverfahren Anwendung finden wird.
Und Mark vom Hofe, Vorsitzender der LNU ergänzt: „Seit Jahren weisen die Naturschutzverbände auf die landesweit schlechte Datengrundlage hin. Wir brauchen eine Datenaufbereitungs-Offensive des Landes, bei der systematisch sämtliche an unterschiedlichen Stellen vorhandene Daten abgefragt und zusammengeführt werden. Denn klar ist: Das Land steht in der Pflicht, eine fundierte Datengrundlage zum Vorkommen windenergiesensibler Arten sicherzustellen.“ Die Aktualität der Datengrundlage sei nicht Aufgabe des ehrenamtlichen Naturschutzes.

 

Quelle: https://nrw.nabu.de/news/2026/37067.html

Für Rückfragen:
Dr. Heide Naderer, Vorsitzende des NABU Nordrhein-Westfalen, T.: 0211 15 9251-41, Heide.Naderer@NABU-NRW.de
Holger Sticht, Vorsitzender des BUND NRW, T.: 0152 34289594, holger.sticht@bund.nrw
Mark vom Hofe, Vorsitzender der LNU NRW, T.: 0170/1509152, lnu.nrw@t-online.de

Herausgeber: NABU NRW (Naturschutzbund Deutschland e.V.) 40225 Düsseldorf
Redaktion: NABU-Pressestelle NRW, Birgit Königs (verantwortlich)
Tel. 0211.15 92 51 – 14 | Fax -15 | E-Mail: E-Mail: B.Koenigs@NABU-NRW.de

 

Weitere Informationen: Mitteilung des Ministerium für Umwelt, Naturschutz und Verkehrdes Landes Nordrhein-Westfalen:
Artenschutz-Prüfung per Knopfdruck: Wie das Land die Genehmigung von Windenergie-Anlagen beschleunigt

Offshore-Windparks: Zug von Fledermäusen über Nord- und Ostsee

Studie zur Abschätzung der Zahlen wandernder Fledermäuse über Nord- und Ostsee zur Entwicklung wirksamer Schutzmaßnahmen an Offshore-Windparks.

Fledermäuse, die über das offene Meer wandern, sind einem hohen Risiko ausgesetzt, mit Offshore-Windkraftanlagen zu kollidieren. Trotz jüngster Fortschritte bei der Durchführung von Umweltverträglichkeitsprüfungen für Fledermäuse im Offshore-Bereich fehlen nach wie vor standardisierte Methoden zur Abschätzung des Ausmaßes der Fledermauswanderung auf See. Das Autorenteam stellt hier eine Methode zur Schätzung der Anzahl wandernder Fledermäuse vor, die auf Langzeit-Akustiküberwachungsdaten basiert, die an abgelegenen Offshore-Anlagen wie Bojen und Plattformen erfasst wurden.

Als Beispiel wendendeten Sie die Methode auf die deutschen Meere an und nutzen dabei Ultraschallaufnahmen von mehreren Offshore-Anlagen. Sie zeigen, dass hohe Fledermaus-Wanderungsraten von 1.500 Fledermäusen pro km und Jahr – bezogen auf eine 1 km lange Linie parallel zur allgemeinen Wanderungsrichtung – näher an der Küste der deutschen Nordsee auftreten. In der deutschen Ostsee lagen die Fledermaus-Wanderungsraten zwischen 900 und 4.600 Fledermäusen pro km und Jahr.

Diese Ergebnisse unterstreichen die dringende Notwendigkeit, wandernde Fledermäuse vor Kollisionen mit rotierenden Rotorblättern von Offshore-Windkraftanlagen in deutschen Gewässern und darüber hinaus zu schützen.

Die Methode eignet sich möglicherweise auch zur Abschätzung des Ausmaßes der Offshore-Fledermauswanderung in anderen Regionen. Sie bietet die Möglichkeit, Schwellenwerte zu definieren, bei deren Erreichen Schutzmaßnahmen durch Raumplanung und Abhilfemaßnahmen wie Betriebsbeschränkungen während Zeiten intensiver Offshore-Fledermauswanderung ergriffen werden sollten.

Quelle:
Antje Seebens-Hoyer, Lothar Bach, Henrik Pommeranz, Christian C. Voigt, Volker Runkel, Pius Korner, Petra Bach, Michael Göttsche, Reinhold Hill, Annette Pommeranz, Sandra Vardeh, Tobias Böhme, Matthias Göttsche, Hinrich Matthes,
Estimating the traffic rates of bats migrating across the North and Baltic Seas to develop efficient mitigation measures at offshore wind energy facilities,
Biological Conservation, Volume 316, 2026, 111741, ISSN 0006-3207,
https://doi.org/10.1016/j.biocon.2026.111741.

Bioakustik-Workshop BatPi

Detektortechnik und Datenauswertung
18.-19. April 2026 in der Zitadelle Jülich, Kreis Düren, NRW

Die akustische Erfassung stellt eine zentrale Methode in der Erforschung und dem Monitoring von Fledermäusen dar. Der Workshop vermittelt theoretische und methodische Grundlagen der Fledermaus-Bioakustik und kombiniert diese mit dem praktischen Aufbau und Einsatz eines BatPi-basierten Echtzeit-Detektors (www.bat-pi.eu, Selbstbau auf eigene Kosten, Materialliste wird nach Anmeldung per E-Mail zugeschickt). Im theoretischen Teil werden die biologischen und physikalischen Grundlagen der Echoortung und die relevanten akustischen Parameter von Fledermausrufen behandelt. Außerdem werden gängige Detektionsverfahren (Heterodyn, Time Expansion, Full Spectrum) vergleichend diskutiert.

Der praktische Teil umfasst den Aufbau und auf Wunsch auch den Bau eines BatPi-Systems mit Installation und Konfiguration der Software. Anschließend wird ein praxisnaher Gerätevergleich die Aufnahme- und Datenqualität betrachten. Während der Abendexkursion besteht die Möglichkeit eigene Detektoren vor Ort zu erproben. Am zweiten Tag erfolgt die Einführung in eine neue Auswertungssoftware mit KI und das Handling kleiner und großer Datenmengen.

Der Workshop ist ausdrücklich auf die praktischen Erfahrungen mit Detektoren und Software ausgerichtet. Das Mitbringen eines eigenen Detektors und für den Bau des BatPi-Detektors neben den erforderlichen Bauteilen auch das Mitbringen eines Notebooks mit Windows 10/11 (bitte Administratorpasswort für die Installation von Software wie z.B. BatPi nicht vergessen) und für eine Analyse von Daten wünschenswert.

Schwerpunkte:
Bioakustik der Fledermäuse Akustische Detektionstechniken in der Fledermausforschung Aufbau und Bau eines Fledermausdetektors „BatPi“ -Systems (Selbstbau auf eigene Kosten, Materialliste wird per E-Mail nach Anmeldung zur Verfügung gestellt.) Datenanalyse und ihre Grundlagen, Umgang mit großen Datenmengen Auswertung mittels KI, Interpretation und methodische Grenzen. Vor Ort Erprobung von Detektoren und Software, Analyse eigener Daten mittels KI.

Download Programm (PDF)

Zielgruppe:
Fledermausbegeisterte in Arten- und Naturschutz, Forschung, etc.
Voraussetzungen:
Grundkenntnisse zur Biologie der Fledermäuse, technisches Verständnis ist wünschenswert. Programmierkenntnisse sind nicht erforderlich.
Termin:
18.4.2026 / 19.4.2026, (Wochenende)
Ort:
Zitadelle Jülich, Kreis Düren, NRW (genauer Ort des Workshops wird nach der Anmeldung bekannt gegeben)
Leitung:
NABU Kreisverband Düren e.V., AK Fledermausschutz Aachen, Düren, Euskirchen (NABU/ BUND / LNU)
Teilnahmegebühr:
50 € ohne Übernachtung/Verpflegung; Getränke und Gebäck/Kuchen werden in den Pausen gestellt). Die Übernachtung muss selbst organisiert werden. Mittag- und Abendessen kann in umliegenden Restaurants und Gaststätten erfolgen.

Anmeldung:
über Anmeldebogen anmeldeformular-batpi-akustik-workshop-final.pdf  an admin@bat-pi.eu
Übernachtungsmöglichkeiten und Möglichkeiten zur Verpflegung finden Sie unter
https://www.juelich.de/lw_resource/datapool/_items/item_3164/gastronomie_unterkuenfte.pdf

Teilnehmerzahl ist auf 20 Personen begrenzt, unter einer Mindestanzahl von 10 Anmeldungen findet der Workshop nicht statt.
Zusagen erfolgen nach Eingang der Anmeldungen.

Bitte beachten:
Für die Teilnahme an der Abendexkursion ist geeignete Kleidung und festes Schuhwerk sowie eine Taschenlampe bzw. Stirnlampe (gerne Rotlicht) erwünscht.

Soziale Vampirfledermäuse: „Freunde“ klingen ähnlich

Bei vielen in Gruppen lebenden Vögeln und Säugetieren wird angenommen, dass die Bildung von sozialen Beziehungen zu einer vokalen Konvergenz führt (eine Zunahme der Ähnlichkeit der Laute zwischen Individuen).

Die Überprüfung dieses kausalen Effekts kann jedoch schwierig sein, da dafür experimentell neue Beziehungen aufgebaut werden müssen. Hier zeigt das Autorenteam die Konvergenz in den Kontaktrufen von Vampirfledermäusen (Desmodus rotundus), die das Team zusammengebracht und experimentell gehalten hat.

Um die Rolle von Verwandtschaft, gemeinsamer Unterbringung (Vertrautheit), gegenseitiger Fellpflege und Nahrungsteilung bei der Vorhersage der Ähnlichkeit von Rufen einzuschätzen und zu entwirren, hat das Team zunächst die Ähnlichkeit der Rufe anhand von 35 Merkmalen von 693.494 Kontaktrufen von 95 Fledermäusen gemessen und dann eine Reihe von bayesschen verallgemeinerten Mehrfachzugehörigkeitsmodellen angepasst.

Außerdem haben sie die Veränderungen in der Ähnlichkeit der Rufe für eine Untergruppe von Individuen gemessen, die vor und nach der gemeinsamen Unterbringung aufgezeichnet wurden. Sie haben festgestellt, dass die gemeinsame Unterbringung zu einer Konvergenz der Laute führte. Darüber hinaus sagte die Häufigkeit der Nahrungsteilung unter vertrauten Nicht-Verwandten innerhalb derselben gemeinsam untergebrachten Gruppe die Ähnlichkeit der Kontaktrufe voraus.

Diese Erkenntnis deutet darauf hin, dass die Entwicklung kooperativer Beziehungen zu einer weiteren Konvergenz der Laute führt, die über die anfängliche Konvergenz durch die gemeinsame Unterbringung hinausgeht. Die Ergebnisse haben Auswirkungen auf die Entwicklung kooperativer Beziehungen und das Erlernen von Lauten.

Quelle:
Julia K. VrtilekGrace Smith-VidaurreEric Fosler-LussierRachel A. PageGerald G. Carter;
Vocal convergence during formation of social relationships in vampire bats. 
Proc Biol Sci 1 November 2025; 292 (2058): 20251619. https://doi.org/10.1098/rspb.2025.1619

Fledermäuse in Äquatorialguinea – ein Biodiversitäts-Hotspot in Zentralafrika

Eine systematische Überprüfung der Fledermäuse Äquatorialguineas bestätigt einen Biodiversitäts-Hotspot in Zentralafrika. Die Fledermausfauna Äquatorialguineas (EG) am westlichen Rand des Regenwaldes von Niederguinea, einem voraussichtlichen Hotspot der afrikanischen Fledermausvielfalt, war bislang nur unzureichend dokumentiert.

Das Autorenteam um Laura Torrent hat Daten aus  Literatur, naturhistorischen Sammlungen und aktuellen Feldforschungen zusammengetragen, um eine umfassende Bewertung der Artenvielfalt der Fledermäuse auf dem Festland von EG zu erstellen. Dabei wurden 58 Taxa aus 29 Gattungen und acht Familien ermittelt:
11 Arten innerhalb der Pteropodidae, drei innerhalb der Emballonuridae, zwei innerhalb der Rhinolophidae, sechs innerhalb der Hipposideridae, acht innerhalb der Molossidae, eine innerhalb der Miniopteridae, fünf innerhalb der Nycteridae und 22 innerhalb der Vespertilionidae.

Das Team berichtet über 33 neue nationale Nachweise und drei zusätzliche Taxa, die einer weiteren taxonomischen Bestätigung bedürfen. Zu den bemerkenswerten Neuzugängen gehören Casinycteris campomaanensis, Coleura afra, Glauconycteris superba, Hipposideros curtus und Mops petersoni.

Diese Studie liefert die erste detaillierte Dokumentation der Fledermausvielfalt auf dem Festland von EG, verbessert unser Verständnis der Artenvielfalt und -verteilung in diesem Biodiversitäts-Hotspot und bietet Erkenntnisse, die als Leitfaden für zukünftige ökologische Forschungs- und Schutzbemühungen dienen können.

Die in dieser Studie dokumentierte Artenvielfalt der Fledermäuse übertrifft die aller anderen Waldgebiete in tropischen Afrika mit vergleichbarer Größe und vergleichbarem Lebensraum, wobei wahrscheinlich noch weitere Waldbewohnerarten entdeckt werden. Diese Bewertung der Biodiversität unterstreicht die Bedeutung des Schutzes der Fledermausgemeinschaften in EG und der gesamten Regenwaldregion Unterguineas.

Quelle:
Laura Torrent, Inazio Garin, Joxerra Aihartza, Esther Abeme Nguema Alene, Ara Monadjem, Javier Juste,
A systematic revision of Equatorial Guinea’s bats confirms a biodiversity hotspot in Central Africa,
Biological Journal of the Linnean Society, Volume 146, Issue 4, December 2025, blaf120, https://doi.org/10.1093/biolinnean/blaf120

 

 

Leitfaden Schutz gebäudebewohnender Fledermäuse und Vögel

Energieeffizientes Bauen bzw. Sanierungen sowie das Thema „Stadtnatur“ sind Kernaufgaben der Nationalen Strategie zur biologischen Vielfalt und mehr denn je besonders brisant. Die Thematik ist eng verknüpft mit dem Erhalt und der Schaffung von Quartieren gebäudebewohnender Tierarten.

Im F+E-Vorhaben „Leitfaden Gebäudebewohner“ wurde ein bisher einzigartiger Kenntnisstand zur Funktionalität von Quartierangeboten für Fledermaus- und Vogelarten aufbereitet. Zugrunde liegen umfangreiche Erfahrungen aus Abriss- und Sanierungsvorhaben. Einerseits wurden Daten und Erkenntnisse aus der täglichen Arbeit von Fachkollegen ausgewertet, anderseits gezielt Daten zur Annahme verschiedener Quartiertypen erhoben.

Im Ergebnis konnten so mehrere Tausend Datensätze zu verwendeten Einbausteinen, Aufputzkästen, Ständerquartieren und konstruktiven Quartierlösungen in Sachsen ausgewertet und bilanziert werden. Aus den Ergebnissen leiten die Autoren artspezifische Handlungsempfehlungen und Kompensationsmaßnahmen ab. Unter anderem wird auf Untersuchungsstandards, Maßnahmen zur Fehlervermeidung, Vergrämung sowie den Quartiererhalt oder -ersatz eingegangen. Zahlreiche Praxisbeispiele und Bilddokumente verdeutlichen die Zusammenhänge.

Der Leitfaden offenbart praktische Lösungsansätze und vermittelt Standards, wie Artenschutzbelange erfolgreich in Bauvorhaben integriert werden können, mit denen auch eine Akzeptanz bei Bauherren, Gebäudenutzern und anderen beteiligten Fachbereichen erreicht werden kann.

Autoren: Frank, Thomas; Kobelt, Karen; Heuser, Roland; Kästner, Tommy; Porschien, Bianka; Roßner, Marco; Roßner, Sarah; Meisel, Frank; Schmidt, Christiane
1. Auflage, Redaktionsschluss: 22.08.2025, Seitenanzahl: 619 Seiten, Pub Type: Schriftenreihe, Format: A4, Sprache: deutsch, Barrierefrei: ja
Herausgeber: Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie
Download: https://publikationen.sachsen.de/bdb/artikel/49133

Turkestan-Langohr wiederentdeckt

Einem internationalen Forscherteam aus Deutschland, Usbekistan und Turkmenistan unter Federführung des Museums für Naturkunde Berlin gelang der Wiederfund einer seit 55 Jahren verschollenen Fledermausart, von der erstmals Foto- und Videoaufnahmen gemacht werden konnten. Ziel ist nun die umfassende Erforschung der evolutionären Entwicklung der zentralasiatischen Fledermausfauna. Den Wiederfund des Turkestan-Langohrs nimmt die turkmenische Regierung zum Anlass, ein großes Schutzgebiet zu planen, von dem viele weitere Tier- und Pflanzenarten profitieren.

Erstmals lebend fotografiert: Ein seit Jahrzehnten verschollenes Turkestan-Langohr Plecotus turkmenicus bei seiner Wiederentdeckung. Foto: Christian Dietz.

Erstmals lebend fotografiert: Ein seit Jahrzehnten verschollenes Turkestan-Langohr Plecotus turkmenicus bei seiner Wiederentdeckung. Foto: Christian Dietz.

Das nur aus wenigen Sammlungsbelegen in russischen Museen bekannte Turkestan-Langohr (Plecotus turkmenicus) wurde zuletzt 1970 beobachtet.

Fotos oder eine verlässliche Beschreibung lebender Tiere gab es bisher nicht. Im Zuge der systematischen Überprüfung der turkmenischen Fledermausfauna zur Aktualisierung der Roten Liste erhielt die Art aufgrund des geringen Kenntnisstandes höchste Priorität. Als endemische Art der Karakum-Wüste in den Grenzregionen von Turkmenistan, Kasachstan und Usbekistan bestand die Sorge, dass sie sehr selten oder gar ausgestorben ist.

Im Oktober dieses Jahres wurde die Fledermaus daher zum Ziel einer internationalen Forschungsexpedition. Dabei wurden die historischen Fundpunkte und andere geeignete Stellen in der Karakum-Wüste aufgesucht. Zunächst wurde ein junges Weibchen des Turkestan-Langohrs in einer Abrisskluft gefunden. An einer 87 Kilometer entfernten Lößhöhle im Grenzgebiet zu Usbekistan wurde noch ein erwachsenes Männchen gesichtet. Nach Jahrzehnten wurde so die Existenz der Art bestätigt. Erstmals konnten Ton-, Bild- und Videomaterial dieser Wüstenfledermaus erstellt und Proben für genetische Untersuchungen gesammelt werden. Ziel ist die umfassende Erforschung der evolutionären Entwicklung der zentralasiatischen Fledermausfauna. 

Turkestan-Langohr Plecotus turkmenicus. Foto: Christian Dietz.

Turkestan-Langohr Plecotus turkmenicus. Foto: Christian Dietz.

Das Turkestan-Langohr dürfte insbesondere durch den Klimawandel gefährdet sein. Durch die vor allem temperaturbedingt fortschreitende Austrocknung der Wüsten Zentralasiens geht die natürliche Vegetationsbedeckung immer weiter zurück und der ohnehin schon begrenzte Lebensraum der Art verringert sich weiter. Den Wiederfund des Turkestan-Langohrs nimmt die turkmenische Regierung nun in ihre Planung für die Ausweisung eines über 50.000 Hektar großen Schutzgebietes auf. Hiervon würde neben der endemischen Fledermausart auch die gesamte Artenvielfalt der winterkalten Wüsten bis hin zu großen Säugetieren wie Wildesel und Kropfgazelle profitieren. 

Der grenznahe Nachweis könnte außerdem ein Hinweis auf ein bisher unentdecktes Vorkommen des Turkestan-Langohrs in Usbekistan sein. Die enge Zusammenarbeit zwischen dem Museum für Naturkunde Berlin, dem turkmenischen Umweltministerium, der turkmenischen Schutzgebietsverwaltung und der usbekischen Akademie der Wissenschaften zur Erforschung der zentralasiatischen Fledermausfauna soll fortgesetzt werden.

Foto: Christian Dietz

Quelle: https://www.museumfuernaturkunde.berlin/de/museum/medien/presse/verschollenes-turkestan-langohr-wiederentdeckt

 

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