Sommernachweis der Großen Hufeisennase im Kreis Düren
Außergewöhnlicher Nachweis im Rahmen eines akustischen Langzeit-Fledermausmonitorings
Im Kreis Düren ist im Rahmen eines seit mehreren Jahren durchgeführten akustischen Fledermausmonitorings ein bemerkenswerter Nachweis der Großen Hufeisennase (Rhinolophus ferrumequinum) gelungen. Die Art wurde anhand charakteristischer Ultraschallrufe während der Sommermonate in einem Gebäudedachstuhl registriert.
Der Nachweis erfolgte nicht im Rahmen einer gezielten Suche nach der Großen Hufeisennase, sondern als Beifund eines langfristig angelegten Monitorings zum Vorkommen und zur Gebäudenutzung durch das Graue Langohr (Plecotus austriacus). Der Fund unterstreicht damit die Bedeutung kontinuierlicher akustischer Erfassungen für die Dokumentation seltener und unerwartet auftretender Fledermausarten.
Methodischer Hintergrund
An dem untersuchten Gebäude werden seit mehr als sechs Jahren, teilweise ganzjährig und ganztägig, automatische Ultraschalldetektoren (BatPi, http://www.bat-pi.eu/) eingesetzt. Ziel des Monitorings ist es, die zeitliche Nutzung des Dachraumes durch Fledermäuse zu erfassen und insbesondere die Aktivität des Grauen Langohrs zu dokumentieren.
Im Verlauf der Untersuchungen entstand eine umfangreiche Sammlung von Ultraschallaufnahmen, darunter sowohl Rufsequenzen als auch Aufzeichnungen von Störsignalen. Die zeitintensive und systematische Analyse dieses umfangreichen Datenbestandes brachte unerwartet einzelne Sequenzen zutage, die aufgrund ihrer markanten und eindeutigen Rufcharakteristik der Großen Hufeisennase zugeordnet werden konnten.
Besondere faunistische Bedeutung
Die Große Hufeisennase zählt zu den seltensten Fledermausarten Deutschlands. Nachweise der Art sind insbesondere in Nordrhein-Westfalen ausgesprochen selten. Bekannt gewordene Beobachtungen konzentrierten sich in den vergangenen Jahren vor allem auf Winterquartiere, unter anderem in der Eifel und angrenzenden Naturräumen.
Nachweis während der Sommermonate.
Von besonderem Interesse ist der Zeitpunkt des aktuellen Nachweises. Anders als die bislang bekannten Funde handelt es sich um einen Sommernachweis. Das räumlich nächstgelegene bekannte Wochenstubengebiet befindet sich in Luxemburg. Nach einschlägiger Literatur erscheint dieses jedoch aufgrund der dort beschriebenen, in der Regel kleinräumigen Wanderbewegungen der Art vergleichsweise weit entfernt. Ein Sommernachweis kann aus populationsökologischer Sicht von besonderer Bedeutung sein, da er Hinweise auf eine saisonale Nutzung des betreffenden Naturraums geben kann. Zugleich lässt sich aus einzelnen Nachweisen nicht ableiten, dass sich in der Region bereits eine etablierte Sommer- oder Reproduktionspopulation gebildet hat. Hierfür sind weitere Untersuchungen erforderlich.
Wiederholte Registrierung über zwei Jahre
Besonders bemerkenswert ist, dass die Große Hufeisennase nicht nur einmalig registriert wurde. Nach den vorliegenden Aufzeichnungen konnten Rufsequenzen über mindestens zwei Sommerperioden und an mehreren Untersuchungstagen zwischen Mai und August erfasst werden.
Damit gewinnt der Befund gegenüber einem isolierten Einzelnachweis deutlich an Aussagekraft. Gleichzeitig stellt sich die Frage, welche Funktion das untersuchte Gebäude beziehungsweise der Dachraum für die Art besitzt.
Denkbar sind verschiedene Formen der Nutzung, beispielsweise eine sporadische Nutzung als Quartier, eine Nutzung im Zusammenhang mit der Nahrungssuche oder auch eine durchgehende Nutzung weiterer Bereiche des Gebäudekomplexes während des gesamten Sommers.
Welche dieser Funktionen tatsächlich vorliegt, lässt sich anhand der bisherigen akustischen Daten nicht beurteilen. Der aktuelle Kenntnisstand wirft daher mehr Fragen auf, als die bisherigen Untersuchungen beantworten können.

Bedeutung der akustischen Erfassung
Die Große Hufeisennase weist eine besondere Rufcharakteristik auf. Ihre überwiegend hochfrequenten Rufe besitzen im Vergleich zu den Signalen vieler anderer europäischer Fledermausarten eine relativ geringe Reichweite. Dadurch ist die Wahrscheinlichkeit eines akustischen Nachweises bei Detektoruntersuchungen begrenzt.
Dies gilt insbesondere für Untersuchungen, bei denen nur kurze Zeiträume – etwa einzelne Nächte oder wenige Tage – in der freien Landschaft erfasst werden.
Durch die kontinuierliche oder wiederholte Datenerhebung steigt insgesamt die Wahrscheinlichkeit, seltene Arten auch dann zu erfassen, wenn deren Aktivität nur sporadisch oder räumlich eng begrenzt auftritt.
Einschränkend gilt, dass auch in großen Innenräumen aufgrund der begrenzten Reichweite der Rufe methodisch akustische Erfassungsgrenzen gegeben sind. Die Reichweite der Rufe der Großen Hufeisennase wird in der Literatur mit etwa 10 m angegeben, sodass sich die akustische Erfassung in einem großen Dachraum auf einen vergleichsweise kleinen Bereich um den Detektor beschränkt.
Meldung an die zuständigen Naturschutzbehörden
Der Fund wurde an die zuständige Untere Naturschutzbehörde des Kreises Düren sowie an das Landesamt für Natur, Umwelt und Klima Nordrhein-Westfalen (LANUK) zur Berücksichtigung im landesweiten Fundortkataster gemeldet.
Eine zeitnahe Dokumentation solcher Nachweise ist insbesondere bei seltenen und streng geschützten Arten von großer Bedeutung. Sie ermöglicht es den zuständigen Fachbehörden, neue Erkenntnisse zur Verbreitung und zur saisonalen Nutzung von Lebensräumen in die naturschutzfachliche Bewertung einzubeziehen.
Konsequenzen für den Gebäudeschutz
Der Nachweis unterstreicht zugleich die Bedeutung geeigneter Gebäudequartiere für den Fledermausschutz. Insbesondere wenig gestörte Dachräume können für Fledermäuse wichtige Funktionen übernehmen.
Bei Gebäuden mit nachgewiesener Fledermausaktivität sollte deshalb vor baulichen Veränderungen, Sanierungsmaßnahmen oder Nutzungsänderungen geprüft werden, welche Bedeutung die jeweiligen Gebäudebereiche für die vorkommenden Arten besitzen. Dies gilt in besonderem Maße für seltene Arten. Die Erhaltung geeigneter Einflugmöglichkeiten, störungsarmer Bereiche und potenzieller Quartierstrukturen kann dabei einen wesentlichen Beitrag zum Schutz der lokalen Fledermausfauna leisten.
Weiterführende Untersuchungen
Aufgrund der wiederholten Nachweise soll das Monitoring am Untersuchungsstandort fortgesetzt und methodisch erweitert werden. Zusätzliche automatische Detektoren sowie eine räumlich differenzierte Erfassung sollen dazu beitragen, die offenen Fragen zum Vorkommen der Großen Hufeisennase einzugrenzen.
Von besonderem Interesse sind folgende Fragen:
- Wird der untersuchte Dachraum durchgehend oder zeitweise als Quartier genutzt? Wo liegt der Hauptnutzungsbereich im Dachraum?
- Welche weiteren Bereiche des Gebäudekomplexes werden möglicherweise von der Art genutzt?
- Handelt es sich um ein einzelnes Individuum oder um mehrere Tiere?
- Welche Bedeutung haben umliegende Nahrungshabitate?
- Gibt es weitere Vorkommen der Art im Kreis Düren beziehungsweise in den angrenzenden Naturräumen?
Erst durch eine Kombination aus weiterem akustischem Langzeit-Monitoring, gezielten Gebäudekontrollen und gegebenenfalls weiteren Untersuchungsmethoden wird sich die ökologische Bedeutung des Fundortes belastbar beurteilen lassen
Ausblick
Der Nachweis der Großen Hufeisennase im Kreis Düren stellt einen fachlich besonders interessanten Beitrag zur Kenntnis der aktuellen Verbreitung der Art in Nordrhein-Westfalen dar. Vor allem die wiederholte akustische Registrierung während zweier Sommerperioden rechtfertigt eine weiterführende Untersuchung.
Der Fund zeigt zugleich, dass langfristige und systematische Fledermauserfassungen auch über die ursprünglich definierte Zielsetzung hinaus einen erheblichen Erkenntnisgewinn liefern können. Gerade bei seltenen Arten sind kontinuierliche Monitoringansätze von besonderem Wert, da sporadische Einzeluntersuchungen das tatsächliche Vorkommen aufgrund artspezifischer Verhaltensweisen und begrenzter Nachweiswahrscheinlichkeiten möglicherweise unterschätzen.
Die weitere Untersuchung des Fundortes soll daher dazu beitragen, die Bedeutung des Gebäudes und seines Umfeldes für die Große Hufeisennase genauer einzuordnen und mögliche Schutzmaßnahmen auf eine belastbare fachliche Datengrundlage zu stellen.
AK Fledermausschutz Aachen, Düren, Euskirchen (NABU / BUND / LNU)
Leitung: Dr. Henrike und Holger Körber
Am Hofacker 12
52379 Langerwehe
E-Mail: holger.koerber@online.de